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Rapa Nui / Isla de Pascua (Osterinsel)

Letzte Station in Polynesien

sunny 28 °C

Für uns lag Rapa Nui, wie die Osterinsel in der Sprache der Einheimischen heisst, quasi auf dem Weg. Von Tahiti aus gibt es Flüge mit der chilenischen Fluggesellschaft LAN, die anschliessend weitergehen nach Santiago. Wir liessen uns deshalb die Gelegenheit nicht entgehen, diesen mystischen Ort inmitten des Pazifiks aufzusuchen.

Diese entlegene Insel, 3500 km von der chilenischen Küste und über 4000 km von Tahiti entfernt, gilt als eine der ausgefallensten Reisedestinationen überhaupt. Jeder kennt die Bilder der berühmten Steinskulpturen, aber nur wenige nehmen den weiten Weg dorthin auf sich. Gerade mal 65000 Touristen besuchen die Insel jedes Jahr. Politisch gehört die Osterinsel (wider Willen) zu Chile, geografisch und kulturell zu Polynesien. Das merkt man bereits an der Sprache: Besucher werden wie in Tahiti mit einem herzlichen "iorana" begrüsst.

Zu Unrecht hat Rapa Nui den Ruf, eine teure Destination zu sein (ein kürzlich erschienener Blog-Eintrag auf "Tagi"-Online hat dieses Vorurteil wieder einmal zementiert). Es gibt jedoch genügend Familienpensionen, Bed and Breakfasts und sogar Campingplätze auf der Insel, sodass auch budgetbewusste Reisende Unterschlupf finden. Wir haben uns auf einem Camping in einem Zimmer eingemietet, wo wir die Küche mitbenützen durften. In den Dorfläden kann man sich mit Lebensmitteln eindecken, wenn auch das Angebot eher dürftig ist, und die Insel kann man auf eigene Faust per Moped oder Fahrrad statt auf einer teuren Tour entdecken.

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Unser Campingplatz. Im Holzhaus hinten befanden sich die Zimmer, falls man wie wir etwas mehr Komfort wünschte. Der steinerne Campingwächter ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts.

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Vom Zeltplatz aus war es ein Katzensprung zur rauhen Küste, wo jeden Abend dramatische Sonnenuntergänge lockten.

Zunächst erkundeten wir den Haupt- bzw. einzigen Ort auf der Insel: Hanga Roa. Dort erwarteten uns bereits die ersten Moai, die kolossalen Steinstatuen, und gaben uns einen Vorgeschmack auf den Rest der Insel. In einem kleinen, aber feinen Museum kann man sich über Geschichte und Theorien zu den Moai informieren.

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Viele Touristen besuchen die Osterinsel im Rahmen einer Pazifikkreuzfahrt.

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Dieser Moai ist der einzige auf der Insel, bei dem die muschelbestückten Augen noch erhalten sind.

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Überall auf der Insel grasen Pferde.

Wenn abends in Hanga Roa die Sonne untergeht, versammeln sich sowohl Touristen wie Einheimische bei den Moai, um sie vor atemberaubender Kulisse festzuhalten.

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Unweit von Hanga Roa auf einem Vulkan liegt Orongo, ein verlassenes Dorf, das Zeremonialzwecken diente. Hier wurde der seltsame Vogelmannkult zelebriert. Die stärksten und tapfersten Männer der verschiedenen Inselclans versammelten sich hier jedes Jahr, von wo aus sie ins Meer stiegen und zu einer vorgelagerten Insel schwammen, um ein Seeschwalbenei zu suchen und heil an Land zu bringen. Unterwegs drohten vielerlei Gefahren wie steile Klippen, hungrige Haie und die rauhe Brandung. Der Gewinner durfte ein Jahr lang den ehrenvollen Titel Tangata manu, "Vogelmann", tragen und sein Clan genoss vielerlei Privilegien. Ob der Vogelmannkult den Moai-Kult abgelöst hat oder nebenher praktiziert wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er rund 1860 von christlichen Missionaren unterbunden.

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Ziel des Wettkampfs: Das Inselchen Motu Nui.

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In diesen steinernen Rundbauten hausten die Wettkämpfer, Schiedsrichter, Priester und Angehörige während der Dauer des Wettkampfs.

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Blick in den Vulkankrater.

Mit unserem Scooter, den wir für den gesamten Verbleib auf der Insel gemietet hatten, fuhren wir in den Norden zur religiösen Stätte Ahu Akivi. Dort trafen wir auf sieben sehr gut erhaltene Moai. Anders als alle anderen Moai auf der Insel blicken diese zum Ozean; die übrigen sind landeinwärts ausgerichtet.

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Von Ahu Akivi aus kann man zu Fuss in rund 1,5 Stunden den mit 507 m.ü.M. höchsten Punkt der Insel erreichen, den "Berg" Maunga Terevaka. Von hier aus hat man einen schönen Rundumblick über die Insel.

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Die Osterinsel präsentiert sich stets in sattem Grün.

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Kleine Opferstätte auf dem Gipfel.

Der unbestrittene Höhepunkt von Rapa Nui ist Rano Raraku. Am Hang dieses Vulkans befinden sich die Steinbrüche, in denen die riesigen Moai-Statuen hergestellt wurden. Als der Moai-Kult endete (offenbar abrupt), wurden die Steinbrüche von einem Tag auf den anderen verlassen und alle Moai, ob fertig oder noch in Bearbeitung, dort zurückgelassen. Rund 400 dieser riesigen Steinfiguren kann man in allen möglichen Zuständen entdecken. Manche sind lediglich an ihren Umrissen im Felsen zu erkennen, andere waren bereit für den Transport an ihren Bestimmungsort (wie dies genau geschah, darüber streiten sich die Experten).

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Wer übrigens den Eindruck hat, die sähen alle gleich aus, der irrt! Es gibt tatsächlich feine Unterschiede im Gesichtsausdruck und in der Ausarbeitung.

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Work in progress.

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Die Osterinsel wurde immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Nicht alle Moai hielten den Erschütterungen stand.

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Man vermutet, dass die Moai Ahnenbilder der verschiedenen Clans darstellten, die verehrt wurden (ähnlich wie die Tiki auf Tahiti). Die Clans lagen sich übrigens ständig in den Haaren. Man vermutet, dass viele Moai im Rahmen von Clanfehden mutwillig umgestossen wurden. Jene Statuen, die heute aufrecht stehen, wurden erst in der Neuzeit im Rahmen von Renovationsarbeiten wieder aufgerichtet. Viele hat man liegen gelassen.

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Im Innern des Vulkankraters.

Unweit der Steinbrüche liegt die Stätte Ahu Tongariki, mit 15 Moai die grösste und eindrücklichste. Diese Anlage wurde 1960 bei einem Erdbeben und darauffolgendem Tsunami schwer beschädigt und in den 1990ern mit Hilfe von japanischen Experten wieder in Stand gesetzt.

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Das runde Gebilde, das einige Moais auf dem Kopf tragen, ist kein Hut, sondern soll einer bestimmten Haartracht nachempfunden sein, die wichtige Personen trugen. Viele sind zerbrochen oder davongerollt, als die Statuen umgestossen wurden.

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Unsere letzte Station auf unserer archäologischen Reise quer über die Osterinsel war der kleine Strand von Anakena, wo weitere fünf Moai auf uns warteten. Hinter ihren Rücken tummelten sich die Badegäste, die sich nach so viel Kultur ein erfrischendes Bad gönnten.

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Nun hiess es Abschied nehmen von der schönen, spannenden Inselwelt des Pazifiks. Ein neuer Kontinent wartete auf uns: Südamerika!

PS: Wer wie wir von den freundlich dreinblickenden Moai nicht genug bekommen kann, findet in unserer Fotogallerie (rechter Rand) die oben publizierten sowie noch viele weitere Fotos.

Posted by b.visser 05:54 Archived in Chile Tagged moai anakena rapa_nui hanga_roa isla_de_pascua orongo rano_raraku ahu_tongariki ahu_akivi Comments (2)

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