A Travellerspoint blog

Myanmar

Burma (Myanmar) - Teil 3

sunny 32 °C

Zurück in Yangon wollten wir uns um unser Indien-Visum kümmern. Träge Internetverbindungen, die das Ausfüllen der Online-Formulare erschwerten, indische Feiertage, welche die Bearbeitung unserer Anträge verzögert hätten, und die Tatsache, dass wir morgens um fünf bei der indischen Botschaft hätten antraben sollen, um uns frühestens um neun Uhr auf eine Liste eintragen zu können, haben uns die Lust an einem Abstecher nach Indien definitiv genommen. So haben wir uns kurzerhand entschieden, stattdessen ein wenig länger in Burma zu bleiben und haben uns vorerst auf eine quälend lange Busfahrt nach Mawlamyine begeben.

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Der Bus musste erst repariert werden. Nach 1.5 Stunden kam ein Junge mit einem Ersatzteil auf dem Gepäckträger angefahren, und nachdem dieses eingebaut war, konnte es mit zweistündiger Verspätung losgehen.

Mawlamyine (Moulmein), 300 km südöstlich von Yangon gelegen, ist die Hauptstadt des Mon-Staates und war einst die Hauptstadt Britisch-Burmas. Zu ihren berühmtesten Einwohnern zählte einst der englische Schriftsteller George Orwell. Sein Essay "Shooting an Elephant" handelt von einem Erlebnis, das er als Police Officer in dieser Stadt hatte.

Unser kurzer Aufenthalt in dieser unspektakulären Stadt hat einmal mehr gezeigt, wie unterschliedlich und stimmungsabhängig die Wahrnehmung von Reisenden sein kann. Während einige unserer Weggefährten die Stadt in angenehmer Erinnerung hatten, war sie für uns ein wenig einladender, trostloser Unort. Strömender Regen liess uns frieren, im schmuddeligen Guesthouse mit seiner reservierten Crew fühlten wir uns nicht wohl und die Leute liessen jene Freundlichkeit vermissen, die wir bis anhin so geschätzt hatten in Burma. Obwohl verschiedene Tagesausflüge gelockt hätten, beliessen wir es bei einem kurzen Rundgang durch die Stadt und zogen nach nur einem Tag wieder von dannen.

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Die St. Patrick's Cathedral, die wieder einmal einen neuen Anstrich vertragen könnte.

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Blick von der Terrasse der Kyaikthanian Paya. Rudyard Kipling, der kurz in der Stadt verweilte, hat sich von der Pagode zum folgenden Anfang seines Gedichts "Mandalay" inspirieren lassen:

By the old Moulmein Pagoda,
Lookin' eastward to the sea,
There's a Burma girl a-settin',
And I know she thinks o' me;

Der Legende nach hat er sich auf den ersten Stufen zum Tempel hoch unsterblich in ein burmesisches Mädchen verliebt und nur der Dampfer, der ihn am nächsten Tag zurück nach Yangon brachte, bewahrte ihn davor, sich in dieser Stadt niederzulassen.

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Lichtdurchflutete Vorhalle der Mahamuni Paya.

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Beobachten der Novizen im Mahamuni-Tempel.

Unser nächster Halt, Hpa-An im Kayin-Staat, vermochte uns aber bereits wieder zu begeistern: Wir trafen auf freundliche Bewohner, ein gemütliches Guesthouse und nette Fellow-Travellers, mit denen wir uns rege austauschten (einen Franzosen trafen wir nach Yangon und Bagan bereits zum dritten Mal). Auf einem Tagesausflug im Tuktuk erkundeten wir die nähere Umgebung. Unser Fahrer chauffierte uns kreuz und quer durch bezaubernde Landschaften entlang eindrücklicher Karstgebirge zu verschiedenen Tempeln, Höhlen und einem Kloster inmitten eines Sees.

Die Kaw Ka Thawng Cave war die erste Station auf unserer Tagestour.

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Affen bevölkern das Gebiet um den Tempel.

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Die zweite Station war die Kawgun Cave, die einmal mehr einen Buddha "beim Chillen" beherbergte.

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Vor dem Mittagessen besuchten wir noch das Kyauk Kalap Monastery, dessen Stupa hoch auf einem Felsen thront.

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Die Karstlandschaft erinnerte uns an ähnliche Gebiete in Vang Vieng (Laos) oder Guilin (China).

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Die Saddan Cave kann man in der Trockenzeit zu Fuss durchqueren. Am Ende wartet der folgende moosüberwachsene Stein, der auch als Schrein dient, auf die Abenteuerlustigen (es ist sehr rutschig und dunkel im Innern der Höhle und es stinkt nach Fledermausexkrementen...). Vom Ende kann man sich bequem per Boot zum Ausgangspunkt zurückschiffen lassen.

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Seinen Abschluss fand der Tag in der Kaw Ka Taung Cave, in der es neben vielen Buddhas auch Mönchstatuen zu bestaunen gab.

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Abends fand etwas ausserhalb eine Art Jahrmarkt anlässlich der Feierlichkeiten zum State Day des Kayin-Staates statt. Es gab Essstände, Verkaufsstände (Kleider, Gartenwerkzeuge, Küchenutensilien, ...), traditionelle Tanzvorstellungen und sogar einige rudimentäre Chilbi-Bahnen. Am eindrücklichsten (und beängstigendsten) war das durch Muskelkraft angetriebene Riesenrad. Im Innern der klapprigen Holzkonstruktion kletterten eine Handvoll Jungen herum, durch deren Körpergewicht das Rad in Bewegung gesetzt wurde. Der Anblick, wie diese Wagehälse im sich drehenden Riesenrad über und unter den Kabinen durchkletterten und sprangen, war haarsträubend!

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Gegessen wurde an einem Stand zusammen mit Einheimischen: Katja eine Art Nudelsalat und ich eine Nudelsuppe.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Kyaiktiyo, wo der so genannte "Golden Rock" Pilgerer aus dem ganzen Land in seinen Bann zieht. Ein riesiger Granitbrocken, überzogen mit Hunderten Schichten Blattgold (nur Männer dürfen die hauchdünnen Blättchen anbringen), balanciert auf dem Rand einer Klippe. Dort scheint er der Schwerkraft zu trotzen; der Legende nach wird der Fels nur von zwei Haaren Buddhas im Gleichgewicht gehalten, sodass er nicht herunterfällt.
Fast interessanter als der Fels ist das bunte Treiben in der Tempelanlage. Hunderte Pilgerer kniehen betend am Boden, durchkämmen die Souvenirstände, knabbern frittierte Köstlichkeiten (die Samosas sind empfehlenswert!) und amüsieren sich sichtlich an den wenigen westlichen Besuchern.

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Da wäre Kipling glatt neidisch geworden ;)

Auf der offenen Ladefläche von Lastwagen gehts wieder über kurvenreiche Strassen talwärts. Ich habe mich dazu nicht brav auf eine Bank gesetzt sondern hinten hingestellt, damit ich ein wenig die Übersicht über das ganze Geschehen hatte!

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Leider musste ich mir den Golden Rock alleine ansehen, da Katja an jenem Morgen das Bett mit Bauchschmerzen hüten musste. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, welch unheilvollen Verlauf die Sache nehmen würde ...

Posted by b.visser 07:56 Archived in Myanmar Tagged golden_rock mon hpa-an mawlamyine kayin Comments (0)

Burma (Myanmar) - Teil 2

Bagan

sunny 32 °C

Die rund zehnstündige Fahrt auf dem Irrawaddy nutzten wir, um uns auf die vielen Sehenswürdigkeiten in Bagan, dem Ziel unserer Reise auf dem Fluss, vorzubereiten.

Bagan, eine historische Königsstadt und mit über 2000 Sakralbauten eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Südostasiens, lockt heute viele Touristen aus aller Welt an. Von der eigentlichen Stadt ist nichts geblieben, nach ihrer Blütezeit vom 11. bis 13. Jahrhundert wurde sie dem Zerfall und den Plünderern überlassen. In der ganzen Ebene zwischen den heutigen Orten Old Bagan, Nyaung-U und New Bagan stehen aber immer noch aberhunderte von Tempeln und Pagoden aus Backstein - manche sind immer noch gut erhalten und prunkvoll verziert, andere stehen schief und abgebröckelt in der Landschaft, als könnten sie jederzeit wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

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Zurecht nennt man Myanmar "das goldene Land": Shwezigon-Pagode in Nyaung-U.

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Im Inneren gibt es viele buddhistische Kunstwerke zu entdecken.

Die bequemste (und effizienteste) Art, die weitläufige Anlage zu erkunden, ist per Elektro-Moped. Touristen sehen auf diesen Spielzeuggefährten zwar ein bisschen bescheuert aus, aber Eitelkeit ist hier fehl am Platz.

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Born to be wild!

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Anders als beispielsweise in Angkor Wat in Kambodscha lockt hier nicht ein spezifisches Bauwerk die Besucher an. Es ist vielmehr die schiere Menge und die Gesamtheit der vielen einzelnen Tempel. Besonders von oben (einige der Tempel haben Terassen, die man erklimmen kann) bieten sich eindrückliche Ansichten.

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Zum Abschluss eines langen Tempeltages fuhren wir mit unseren Mopeds über holprige Sandwege, die auch von Ziegenhirten und ihren Herden benutzt wurden, zum Pyathatgyi-Tempel, von dessen Terrasse aus wir zusahen, wie die Sonne langsam hinter den Hügeln unterging. Dies ist eine beliebte Art, den Tag ausklingen zu lassen, und so dauerte es auch nicht lange, bis Tour-Busse heranrollten und ihre kamerabewehrten Insassen ausspuckten.

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Um uns etwas Besonderes zu gönnen, haben wir uns das Beste für den Schluss aufgehoben: Eine Ballonfahrt bei Morgengrauen.

Ein Unternehmen unter britischer Leitung und mit ca. 100 lokalen Angestellten bietet bei geeigneter Witterung in der Trockenzeit Flüge über die Tempelanlagen an. Morgens kurz vor fünf wurden wir abgeholt und auf ein Feld gebracht (ein Fussballfeld, wie sich bei Sonnenaufgang herausstellen sollte), wo wir noch im Dunkeln bei Tee und Kaffee über den Ablauf und die Sicherheitsbestimmungen aufgeklärt wurden. Nebenher füllten die vielen burmesischen Helfer die Ballone mit Luft, die anschliessend mit Gasbrennern erhitzt wurde.
Als die Ballone sich mit den Körben aufgerichtet hatten, durften wir jeweils zu zehnt zusteigen. Mit an Bord unseres Ballons waren der spanische Pilot und sein englischer Assistent, den ich während der ganzen Fahrt mit Fragen löchern durfte (oder weiss etwa sonst jemand, wie man ein Gefährt, das keinen eigenen Antrieb hat, um seine eigene Achse dreht? *).

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Ventilatoren Blasen Luft in die Ballone, die anschliessend erhitzt wird.

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Kurz nach dem Abheben zeigte sich Bagan in seiner ganzen Pracht: Die vielen Tempel, die wir tags zuvor noch aus der Nähe erkundet hatten, zogen nun wie kleine LEGO-Bauwerke unter uns vorbei. Junge Novizen sprangen aufgeregt umher und winkten uns zu, Kinder rannten am Boden den Ballonen nach. Und um uns herum die anderen Ballone, die schwerelos und gemächlich über die Tempel hinwegschwebten. Auch Katja, die sich für gewöhnlich am Boden wohler fühlt als in der Luft, hat die kurze Reise genossen und diese schönen Fotos gemacht.

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Nach 45 Minuten Flugzeit und einer erstaunlich sanften Landung durften wir bei Croissants und einem Glas Sekt noch ein Zertifikat und einen USB-Stick mit den Fotos der Aussenkamera entgegennehmen.

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Frühstück ist angerichtet!

Um uns eine weitere, lange Busreise zu ersparen, flogen wir gleichentags noch mit dem Flugzeug zurück nach Yangon. Auch auf diesem Flug mit einer ATR 72-600 boten sich uns dank der niedrigen Flughöhe und des guten Wetters schöne Aussichten auf die Landschaft unter uns.

Zurück in Yangong wartete das nächste Abenteuer auf uns: Beantragen eines Indien-Visums. Ob das klappen würde ..?

[*Ballone verfügen seitlich über zwei gegenüberliegende Klappen, ähnlich wie Kiemen, die sich jeweils mit Seilzügen öffnen lassen. Die ausströmende Luft lässt den Ballon im Uhr- oder Gegenuhrzeigersinn drehen.]

Posted by b.visser 04:44 Archived in Myanmar Tagged temples balloon bagan nyaung-u Comments (3)

Burma (Myanmar)

Im goldenen Land - Teil 1

sunny 30 °C

Nachdem wir genug frische Bergluft in Yunnan geschnuppert hatten, haben wir uns auf die Weiterreise nach Burma gemacht. Eigentlich wollten wir die Grenze überland passieren, dies ist jedoch nur mit einer Sondergenehmigung möglich, die wir nicht mehr rechtzeitig hätten einholen können. So haben wir kurzerhand einen Flug von Kunming nach Rangun gebucht und nahmen von unserer letzten Station in China, Shaxi, den langen Weg nach Burma in Angriff. Als Belohnung erwarteten uns in Rangun (Yangon), der ehemaligen Hauptstadt Burmas, 33 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die einem den Schweiss aus den Poren trieb.

Yangon
Nach unserer Ankunft im neuen Flughafenterminal fiel uns auf der Taxifahrt in die Innenstadt gleich auf, wie sehr sich das Leben in dieser Stadt in den letzten acht Jahren, seit wir das erste Mal hier waren, verändert hat: Fast jeder hat ein Handy, überall buhlen internationale Marken und Unternehmen um Kundschaft, es gibt seit knapp zwei Jahren sogar Bancomaten und der Verkehr hat sich schätzungsweise verzehnfacht.
Unverändert aber ist das wuslige Treiben in den engen Strassen: Zwischen Strassenküchen, Teashops, Zeitungsverkäufern und Früchtehändlern drängen sich Fussgänger, Velorikschas, Taxis und sonstige Gefährte. Der Verkehrslärm und das stetige Hupen sind kaum auszuhalten. Abends brummen dazu noch die riesigen Benzingeneratoren auf den Trottoirs, die notdürftig Strom liefern (die Stromversorgung ist um einiges besser geworden, trotzdem sind mehrfache, mehrere Minuten andauernde Stromausfälle an der Tagesordnung).

Eine Schönheit ist Yangon nicht gerade. Überall bröckelt, fault und stinkt es. In ihrer Blütezeit, als Burma unter britischer Herrschaft stand, war die Stadt eine wahre Perle des Ostens. Doch der einstige Glanz der Kolonialbauten ist weitgehend verblasst, die Fassaden von unzähligen Monsunregen ausgewaschen. Ihr einstiges Amt als Hauptstadt hat man ihr vor einigen Jahren weggenommen, Regierung und Minister sind landeinwärts in die Retortenstadt Naypyidaw versetzt worden.

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Saint Mary's Cathedral: Die grösste Kirche im Land, entworfen vom niederländischen Architekten Jos Cuypers.

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Roben der Mönche zum Trocknen aufgehängt.

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Liegender Buddha in der Chauk Htat Gyi Pagoda; mit 65 m rund 20 m länger als sein Pendant in Bangkok.

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Mönche und Nonnen sind allgegenwärtig in Burma.

Auf in den Norden
Nach ein paar Tagen hatten wir genug vom Lärm und sind mit dem Nachtbus zum Inle-See gefahren. Unter der langen, holprigen und kurvenreichen Fahrt leiden besonders die Einheimischen. Vor der Abfahrt werden bereits Plastiktüten verteilt und schon nach kurzer Zeit herrscht im Bus eine nicht besonders appetitliche Geräuschkulisse; um uns herum war die ganze Nacht lautstarkes Röcheln und Würgen zu hören. Morgens um fünf schliesslich kamen wir in Nyaungschwe, dem touristischen Zentrum am Inle-See, an und konnten zum Glück gleich unser Zimmer beziehen, um erst einmal ein wenig Schlaf nachzuholen.

Der Inle-See bildet die Lebensgrundlage für ca. 70'000 Menschen, die von der Fischerei, Landbau und traditionellem Handwerk leben. Viele Stelzendörfer auf und am Wasser umranden den See und auf einer Bootstour kann man diese entdecken. Ein beliebtes Fotosujet sind die Einbeinruderer, die geschickt auf einem Bein auf dem Achtersteven des Bootes balancieren und mit dem anderen Bein das Ruder umklammern, während sie mit den freien Händen die Netze auswerfen und einholen.

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Zu Fuss ist man nur selten unterwegs.

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Die Shwe-Indein-Pagoda am Ufer des Inle-Sees mit ihren tausenden Stupas.

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Auf einer Anhöhe am östlichen Seeufer liegt das Weingut "Red Mountain Estate", das günstige Verkostungen des lokal produzierten Weins anbietet. Eine gute Gelegenheit, den Sonnenuntergang und die Sicht auf den See bei einem feinen Glas Sauvignon Blanc zu geniessen.

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Elégance toujours!

Mandalay
Die Weiterreise führte uns nach Mandalay, der letzten Hauptstadt des birmanischen Königreiches, welche im gleichnamigen Gedicht des britischen Schriftstellers Rudyard Kipling ("Das Dschungelbuch") verewigt wurde. Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Mandalays liegt indes ausserhalb der Stadt: Die U-Bein-Brücke, die mit 1,2 km längste Teakholzbrücke der Welt, welche einen ganzen See überspannt. Um ehrlich zu sein: "Brücke" ist vielleicht etwas übertrieben, "Holzsteg" trifft es schon eher. Aber die Stimmung morgens früh, wenn man sich nach Überqueren der Brücke mit einem Ruderboot zurück ans andere Ufer bringen lässt, hat schon fast etwas Besinnliches.

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Der nahe gelegene Tempel bestach mit seinen Kuriositäten.

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Das pure Gegenteil dazu ist Inwa: Eine Ansammlung von Dörfern und Weilern, wo man sich per überteuertem Rosskarren herumkutschieren lassen kann, stets in Begleitung von hartnäckigen, jungen Souvenirverkäuferinnen, welche den Besuchern in der Hoffnung auf ein paar Dollar per Velo ständig folgen.

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Tags darauf ging es morgens um vier mit dem Zug weiter nach Hsipaw, nordöstlich von Mandalay. Die nicht enden wollende Fahrt (fast 12 Stunden mehrheitlich im Schritttempo) in einem Zug, dessen Holpern einem jeden Knochen im Körper spüren liess, führte über das Gokhteik-Viadukt, ein Meisterwerk britischer Stahlbaukunst. In schwindelerregender Höhe schaukelt der Zug langsam über die filigrane Konstruktion, die eine 700 Meter breite Schlucht überspannt. Nichts für schwache Nerven!

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Hsipaw gilt als Ausgangspunkt für Trecks in umliegende Bergdörfer, wo viele Minoritäten angesiedelt sind. Auch wir haben uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, das Landleben im Shan-Staat kennen zu lernen. Gemeinsam mit einem Führer und einer weiteren Treckerin aus Südkorea haben wir uns auf eine zweitägige Wanderung durch hügelige Landschaften, schier endlose Reis- und Maisfelder und dicht bewachsenen Wald begeben.

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Auch Tee gedeiht im milden Klima des Shan-Staates bestens.

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Unser Führer kannte jeden Trampelpfad in der Region - immer nur brav folgen!

Am Ende des ersten Tages übernachteten wir in einem Dorf der Palang bei einer Bauernfamilie, die sich durch das Aufnehmen von Wanderern ein Zubrot verdient. Es war eine recht rustikale Angelegenheit, aber die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft war herzerwärmend. Geschlafen wurde auf dem halb offenen Dachboden (und es wurde frisch abends!), gewaschen am Brunnen hinterm Haus und fürs stille Örtchen ging's mit Stirnlampe hinter den Rossstall, wo ein Wellblechkabäuschen nicht gerade zum langen Verweilen einlud.

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Das Nachtlager ist bereit.

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Der Nachwuchs trägt Thanaka auf, eine Paste aus Baumrinde, die von burmesischen Frauen als Sonnenschutz und zur Verschönerung verwendet wird.

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Zum Abschied ein Gruppenbild.

Am nächsten Morgen wanderten wir nach einem Rundgang durchs Dorf und einem Besuch im örtlichen Kloster weiter durch Felder und Wiesen, wo gelegentlich bewaffnete Paramilitärs auf Wache daran erinnerten, dass Burma immer noch ein Vielvölkerstaat auf der Suche nach einem Weg zum friedvollen Zusammenleben ist. Unser Guide, selbst zur Hälfte Shan, hat uns diesbezüglich vielerlei Interessantes über Zustände und Missstände in Myanmar zu erzählen gewusst.

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Ein kleiner Exkurs zur Innenpolitik: Myanmar ist politisch in sieben Divisionen und sieben Staaten unterteilt. Der Shan-Staat, in dem wir wanderten, ist einer davon. Die Lage in den einzelnen Staaten ist ziemlich komplex. Sie sind halbautonom organisiert. Die Dörfer entlang der Burma-Road zum Beispiel, das heisst des Highways, der sich von Mandalay nordostwärts über Hsipaw und Lashio nach Muse an der chinesischen Grenze schlängelt, zählen zum so genannten "White Territory". Dieses wird durch die burmesische Armee kontrolliert. Daneben gibt es immer noch "black territories", wo Gefechte zwischen der burmesischen Armee und Splittergruppen (z.B. Studentenvereinigungen, Liberation Armies, sonstige Gruppierungen mit separatistischer Gesinnung) fast an der Tagesordnung sind. Diese Gebiete sind "off limits" für Touristen. Grosse Teile des Shan-Staates zählen zum "brown territory". Touristen können sich da relativ sicher bewegen, meistens aber in Begleitung eines Guides. Wer genau das Sagen hat in diesen Gebieten, war uns nicht genau klar und kann sich auch ständig verändern. Im Gebiet, in dem wir uns bewegten, sahen wir sowohl uniformierte, bewaffnete Soldaten der Shan Army wie auch bewaffnete Zivilisten, die durch die Maisfelder streiften oder in Hochsitzen Ausschau hielten. Wir haben es so verstanden, dass die Shan Army eine Art Paramilitär ist, das grosse Gebiete des Shan-Staates kontrolliert. Für Touristen ist die politische Situation nicht direkt gefährlich. Die meisten Attraktionen befinden sich ohnehin in der weissen Zone, und wer sich in der braunen Zone bewegt, macht dies am besten mit einem Guide. [Autor: birdfish]

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Nach dem anstrengenden Treck entspannt man sich am besten am (oder im) Fluss oder beim erfrischenden Bad am Fusse eines Wasserfalls.

Nach Hsipaw machten wir auf der Rückreise nach Mandalay kurz Halt in Pyin U Lin, wohin im Sommer jeweils die englischen Kolonialherren flüchteten, wenn die Hitze in Mandalay unerträglich wurde. Und in der Tat, in dieser überschaubaren Kleinstadt herrschen angenehme Temperaturen und die teilweise gut erhaltenen Kolonialbauten laden zu einer Erkundungstour per Motorbike oder Velo ein. Es gibt sicher aufregendere Orte in Myanmar, aber uns hat die Ruhe in diesem beschaulichen Ort sehr gefallen.

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Das Candercraig Hotel, von dem Einheimische glauben, es spuke dort.

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Der nahe gelegene Wasserfall ist ein beliebtes Ausflugsziel für geistliche und weltliche Besucher.

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Nach anfänglichem Zögern getrauten sich die zwei Nonnen und ihre Kolleginnen dann doch, uns um ein Gruppenbild zu bitten.

Nach unserer Stippvisite in Pyin U Lin wurden wir anschliessend im klimatisierten Mini-Van (wir sind schliesslich auch keine zwanzig mehr ...) zurück nach Mandalay chauffiert, von wo aus wir mit dem Schiff dem Irrawaddy entlang nach Bagan tuckerten.

Posted by b.visser 20:37 Archived in Myanmar Tagged golden mandalay land yangon shan hsipaw gohkteik pyin-oo-lwin Comments (0)

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