A Travellerspoint blog

By this Author: b.visser

Mendoza und Salta

Letzte Stationen in Argentinien

sunny 24 °C

Eine bequeme Nachtbusfahrt brachte uns von Córdoba nach Mendoza, wo wir ein bisschen zu früh dran waren, um unser Zimmer zu beziehen. So erkundeten wir zuerst den Parque General San Martin, der uns allerdings zu solch früher Stunde noch nicht zu begeistern vermochte. Der künstliche See und die bröckelnden Spazierwege erinnerten uns irgendwie an einen ähnlichen Park in Burma.

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Am Nachmittag haben wir uns zu einer City-Tour per Bus hinreissen lassen. Anders als in Paris oder London ist eine Fahrt im offenen Sightseeing-Bus in Mendoza erschwinglich, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es nicht viel zu sehen gibt. Plaza hier, Plaza da, dazwischen ein wenig baufällige Kolonialarchitektur. Schön war allerdings die anschliessende Fahrt auf den nahe gelegenen Cerro de la Gloria (Cerro = Berg), von wo man einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Anden hat. Mendoza liegt nämlich im Westen Argentiniens am Fuss der Andenkordillere. In umittelbarer Nähe befindet sich der Cerro Aconcagua, der mit 6962 m höchste Berg Südamerikas. Eine Besteigung ist in dieser Jahreszeit zum Glück nicht ratsam ;)

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Die Plaza Indepencia, ein städtebauliches Bijou.

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Der allgegenwärtige General San Martín.

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Auf dem Gipfel des Cerro de la Gloria kann man das imposante Monument zu Ehren der Andenarmee bestaunen, die unter der Führung von General José San Martín Chile in die Unabhängigkeit geführt hatte.

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Über dem Gipfel ziehen Geier ihre Kreise.

Das eigentliche Highlight Mendozas sind natürlich die unzähligen Weingüter, die man per Bus, Velo oder zu Fuss besuchen kann. Wir entschieden uns für die bequeme Variante per Minibus mit einer Handvoll weiterer Weinliebhaber. Auf der Tour erfährt man allerlei Wissenswertes über den argentinischen Weinbau und hat Gelegenheit, die rustikalen bis edlen Tropfen zu degustieren. Auch eine Olivenölfabrik stand auf dem Programm. Wer sich übrigens schon einmal gefragt hat, weshalb es bei uns hauptsächlich chilenischen und kaum argentinischen Wein zu kaufen gibt, hier die Antwort aus erster Hand: Der Transport auf dem Landweg von Mendoza an die Küste Argentiniens für den Weitertransport nach Europa ist derart kostspielig, dass die Verkaufspreise unverhältnismässig hoch ausfallen würden und der Wein keine Abnehmer finden würde. Da haben es die Chilenen natürlich besser: Chile ist durchschnittlich nur 177 km breit und die Wege zur Küste sind kurz.

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Das erste Weingut, das wir besuchten, war eine industrielle Anlage.

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Das zweite war ein traditionelles Familienunternehmen. Hier genossen wir die bekannteste (und wahrscheinlich beste) Rebsorte Argentiniens: Malbec.

Nach zwei Tagen war das touristische Potenzial Mendozas erschöpft und wir zogen wiederum mit dem Nachtbus weiter nach Salta, unserer letzten Station in Argentinien.

Salta liegt im Nordwesten Argentiniens und ist vor allem für seine spanische Kolonialarchitektur bekannt. Um uns einen Überblick zu verschaffen, fuhren wir mit der Gondelbahn auf den Hausberg Cerro San Bernardo, von wo man die schöne Aussicht geniessen kann. Ein steiler Weg mit unzähligen Stufen führte uns wieder in die Stadt hinab, wo es zahlreiche Kirchen zu bestaunen gab. Nicht umsonst nennt man Salta im Volksmund "la linda": die Schöne.

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Die Plaza 9 de Julio (in Südamerika liebt man wichtige historische Daten) mit einer Statue San Martíns und der Catedral Basílica de Salta.

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Convento de San Bernardo.

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Iglesia Nuestra Señora de la Candelaria de la Viña.

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Tribunal de Cuentas, der Rechnungshof von Salta.

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Wer der Dritte im Bunde (nebst Fussballgott und Revolutionär) ist, wissen wir leider nicht ...

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In Salta hatten wir wieder einmal richtig Glück mit unserem Hostel: Unser rustikales Kolonialzimmer.

Auf keinen Fall verpassen darf man in Salta das Museo de Arqueología de Alta Montaña (MAAM). Das Museum für Hochgebirgsarchäologie wartet mit drei spektakulären Exponaten auf: den Niños del Llullaillaco, den Kindermumien von Llullaillaco. Dabei handelt es sich um die erst 1999 auf dem Vulkan Llullaillaco entdeckten, perfekt erhaltenen Mumien dreier Inka-Kinder.

Bei besonderen Anlässen führten die Inkas die so genannte Capacocha-Zeremonie durch, ein Opferfest, bei dem auserwählte Kinder reicher Familien aus den vier wichtigsten Regionen des Inkareiches geopfert wurden. Man weiss heute, dass die Kinder in den letzten Tagen und Stunden ihres jungen Lebens mit Alkohol und Coca betäubt wurden, bevor man sie tötete. Nach ihrer Beisetzung auf 6739 Metern Höhe sorgten die eisigen Temperaturen und trockene Luft dafür, dass die Leichname dieser drei entdeckten Kinder die letzten 500 Jahre perfekt konserviert geblieben waren.

Heute kann man jeweils eines der Kinder im eigens dafür gebauten Museum bestaunen; die anderen beiden bleiben derweil unter Verschluss, um die Leichname nicht unnötig zu strapazieren. Ausgestellt werden sie in speziellen Glaskapseln, in denen ein besonderes Luftgemisch und eine Temperatur von minus 20 Grad herrschen.

Fotografieren durfte man die fragile Mumie natürlich nicht, aber eine kurze Google-Suche liefert die entsprechenden Bilder. Bei unserem Besuch war gerade die sechsjährige "La niña del rayo" ausgestellt, das "Blitzmädchen". Offenbar wurde sein Leichnam irgendwann von einem Blitz getroffen, davon zeugen zumindest Spuren im Gesicht und an der Schulter der Mumie.

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Der Anblick war fast schon ein bisschen unheimlich.

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Eine der vielen Grabbeigaben, welche die Kinder ins Jenseits begleiten sollten.

Hiermit verabschiedeten wir uns von Argentinien und machten uns auf den langen Weg in die Atacama-Wüste in Chile. Die Fahrt dorthin dauerte neun Stunden und führte uns durch spektakuläre Landschaften und Salzseen.

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Diese Strecke, die Ruta 27, ist der höchstgelegene Highway der Welt (der höchste Punkt liegt auf 4829 m.ü.M. - Herzrasen und Kopfschmerzen gehören beim rasanten Anstieg auf diese Höhe dazu!). Nicht immer hat man wie wir Wetterglück, denn das Klima ist garstig da oben. Davon erzählt unter anderem der folgende lesenswerte Artikel (auf Englisch) aus dem Guardian:

"Andes Crossing" von Kevin Rushby

Posted by b.visser 09:25 Archived in Argentina Tagged salta mendoza malbec museo_de_arquelogia_de_alta_mon Comments (5)

Von Jesuiten und Revolutionären

Córdoba und Umgebung

sunny 25 °C

Nach unserem Dschungelabenteuer flogen wir (ja, wir werden faul ...) ins Landesinnere in die Universitätsstadt Córdoba. Dort erwartete uns erneut ein Hostel des Grauens, sodass wir am nächsten Tag in ein schmuckes kleines Hotel umzogen. Dort gefiel uns u.a. die Tatsache, dass wir die WC-Spülung per Knopfdruck bedienen konnten und nicht mit einem Griff durch ein Loch in der Wand in den offenen Spülkasten.

Die zweitgrösste Stadt Argentiniens wartet mit einer schönen Altstadt auf, die vor allem von Sakral- und Kolonialbauten geprägt ist. Die Innenstadt lässt sich dabei bequem zu Fuss erkunden.

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Die Iglesia de Santa Teresa.

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Die Iglesia de la Compañía de Jesús, fertiggestellt in 1671, mit einem Zederndach, das die Form eines Schiffsrumpfs hat. Was nicht weiter erstaunt, denn der flämische Architekt war eigentlich Schiffsbauer.

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Die Kathedrale der Stadt und ihre Umgebung.

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Die Iglesia de San Francisco.

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Die Anlage Paseo del Buen Pastor ist der modernen Kunst gewidmet.

Auf einer geführten Tour durch die Universität der Stadt, übrigens die älteste des Landes, wurden uns ungewöhnliche Einblicke gewährt, so zum Beispiel in die Bibliothek, wo die ältesten Bücher des Landes (die meisten davon aus Spanien hergebracht) aufbewahrt werden. Die Bibliothek erhielt just eine Woche vor unserem Besuch eine neue Klassifikation der UNESCO und die Bücher sind nun sehr ansprechend ausgestellt. Fotografieren war übrigens verboten - das erfuhren wir aber erst, nachdem die Fotos schon gemacht waren.

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Ein beliebtes Ausflugsziel ist im Umland von Córdoba zu finden: Die Estancias Jesuíticas im Örtchen Jesús María. Dabei handelt es sich um Jesuitenklöster, die sich dem Land- und Weinbau verschrieben hatten. Der Jesuitenorden war bis zu seinem Verbot weitherum verbreitet, so auch in Bolivien, Paraguay und Brasilien. Die Estancias um Córdoba sind heute als Museen öffentlich zugänglich und zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Wenn man im monströsen Busbahnhof von Córdoba den richtigen Billetschalter und richtigen Bus gefunden hat (es gibt ca. 60 Schalter und 100 Gates auf zwei Terminals verteilt), erreicht man nach einer Stunde Fahrt Jesús María. Dort klappert man zu Fuss die verschiedenen Estancias ab. Oder, wenn man wie wir Glück hat, wird man von einem freundlichen Estancia-Gärtner gegen ein kleines Entgelt in seinem Pickup herumchauffiert. Man muss es sich einfach zwischen Rasenmähern und dreckigen Schaufeln bequem machen ...

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Die erste Estancia, die wir besuchten, war jene von Caroya.

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Die Jesuiten bauten jeweils ein Gut an, von dessen Verkauf sie lebten. Die Estancia de Jesús María, unsere zweite Station, produzierte in erster Linie Wein.

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Am Abend zurück in Córdoba gönnten wir uns ein arabisches Buffet - und wurden von dessen Reichhaltigkeit und Schmackhaftigkeit überrascht. Hummus, Auberginenpüree, Taboulé, Fladenbrot, gefüllte Weinblätter usw. wurden in üppigen Mengen aufgetischt. Leider müssen wir nämlich gestehen, dass unsere Begegnung mit argentinischen Restaurants im Allgemeinen eher enttäuschend ausfiel; bis auf ein paar Ausnahmen in Buenos Aires war das Essen dürftig bis miserabel oder dann völlig überteuert ...

Hausbesuch beim Comandante

Ein Muss für Neomarxisten und historisch Interessierte ist natürlich ein Besuch im Museo Casa del Che im Örtchen Alta Gracia, wiederum eine Stunde von Córdoba entfernt. Das Museum besteht aus dem Haus, in dem der Revolutionär Ernesto "Che" Guevara von 1932 bis 1943 mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt hatte. Ernestito, klein Ernesto, litt unter Lungenproblemen und so beschlossen seine Eltern, von Rosario ins höher gelegene Alta Gracia umzusiedeln, das für seine gesunde Luft bekannt war.

Im Museum sind viele persönliche Gegenstände, Briefe, Fotos und sein Motorrad ausgestellt, mit dem er Südamerika bereist hatte, bevor er sich seinen revolutionären Aktivitäten widmete. Ein Raum dokumentiert sogar den Besuch seines ehemaligen Genossen Fidel Castro, der 2006 gemeinsam mit Hugo Chávez das Museum besichtigte. Wenn man da nicht den Geist der Revolution spürt ... ?

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El Comandante lädt zum Verweilen ein.

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"El Che" in jungen Jahren.

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Die Fotos zeigen Che mit seinem Doktorfreund Alberto Granado, mit dem er ausgedehnte Reisen durch Südamerika unternahm, seine Familie und einen gleichgesinnten Genossen.

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Fachsimpeln im Beisein Ernestitos (Quelle: www.cuentosdelaranero.org.ve).

Wem der Sinn nicht nach sozialistischem Gedankengut steht kann auch in Alta Gracia ein schönes ehemaliges Jesuitenkloster besuchen.

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Als ob wir nicht schon genug historische Gebäude besucht hätten, zog es uns am letzten Tag in Córdoba unter anderem ins Museo Histórico Provincial Marqués de Sobre Monte, das von 1783 bis 1796 vom gleichnamigen Statthalter bewohnt wurde. Das Haus ist ein Prunkstück an Kolonialarchitektur mit schönen Zimmern mit Holzböden und mehreren "Patios", Innenhöfen.

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Nach vier Tagen verliessen wir Córdoba bereits wieder und nahmen den Nachtbus nach Mendoza, dem berühmten Weinbaugebiet Argentiniens.

Posted by b.visser 13:39 Archived in Argentina Tagged cordoba che_guevara estancias_jesuiticas casa_del_che alta_gracia jesus_maria Comments (2)

Buenos Aires

Graffiti, Gräber, Grossstadtleben

sunny 24 °C

Nach so viel Eis und Einöde war wieder Grossstadtleben angesagt: Wir erkundeten die Hauptstadt Buenos Aires!

Unser Lager hatten wir mitten im Stadtzentrum aufgeschlagen in einem - im Nachhinein betrachtet - äusserst dürftigen Hostel. Dieses war wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie es eben nicht sein sollte: Kleine Zimmer ohne Tageslicht, leckende Heizung, kaum warmes Wasser, versiffte Gemeinschaftsküche, dubiose Kundschaft und Angestellte mit kleptomanischen Neigungen. Genug Gründe also, möglichst viel Zeit draussen zu verbringen, was bei den angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel ein Vergnügen war.

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Die imposante Avenida 9 de Julio, eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt.

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Die Casa Rosada, der Präsidentenpalast, an der Plaza de Mayo. Von deren Balkonen hielt Eva Perón ihre flammenden Reden zum Volk.

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Palacio del Congreso.

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Das Innere der barocken Catedral Metropolitana.

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Abseits des Microcentro, wie das Geschäftsviertel heisst, geht es beschaulicher zu und her.

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In Buenos Aires gibt es zahlreiche Pärke, die zum Flanieren und Verweilen einladen, und sogar einen japanischen Garten. Dort liessen wir uns für einen kurzen Moment an den Anfang unserer grossen Reise zurückversetzen.

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BA wartet für Kulturinteressierte mit einer Vielzahl hochrangiger Museen auf: Wir besuchten das MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) und das MAMBA (Museo de Arte Moderno de Buenos Aires), wo wir auf interessante und teilwese skurrile Kunstwerke stiessen (im Stil von: Tisch mit Geschirr, Besteck und zwei Kartoffeln).

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Plexiglas-Installation im MAMBA, die zu übermässigem Smartphone-Gebrauch anregt.

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Diese Installationen waren Teil einer Serie, die ungefähr "Zu Besuch beim Künstler" hiess.

Ein Muss für jeden Besucher ist der Friedhof im Barrio (Stadtviertel) Recoleta. Mit seinen engen Gässchen und kunstvoll gestalteten Mausoleen erinnert er ein wenig an die Friedhöfe von Paris und Mailand (auch wenn ich mich beharrlich weigere, Buenos Aires mit Paris zu vergleichen).

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Blick ins Innere einer Grabkammer.

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Ein paar verlauste Vierbeiner bringen Leben in den Friedhof - wenn sie nicht gerade Siesta machen.

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Auf dem Friedhof kann man das Grab Eva Peróns aufsuchen, der ehemaligen charismatischen First Lady Argentiniens. Noch heute pilgern viele Bewunderer an die Ruhestätte der berühmten Wohltäterin. Wer mehr üben ihr Leben und Wirken erfahren möchte, sollte unbedingt das Museo Evita aufsuchen. In einem historischen Gebäude sind viele Bilder, Videoausschnitte und Teile der eleganten Garderobe Evitas zu sehen.

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Juan und Eva Perón.

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Wem der Ohrwurm "Don't cry for me Argentina" aus dem Musical Evita gefallen hat, kann hier nochmals reinhören: Clip

Am dritten Tag unternahmen wir eine City-Tour der besonderen Art: Eine "Street Art Tour" durch die Viertel Colegiales und Palermo. Eine einheimische Journalistin zeigte uns die schrillen und fantasievollen Kunstwerke im öffentlichen Raum und erklärte uns allerlei Interessantes über das Phänomen "Street Art", das in Buenos Aires noch eine eher junge Erscheinung ist.

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Unsere fachkundige Führerin.

Unserem liebsten Antihelden aus Springfield ist eine ganze Wand gewidmet - ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Künstler.

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Unterwegs besuchten wir ein Künstleratelier.

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Im Bild rechts setzte sich ein Künstler mit der Hooligan-"Kultur" auseinander. Ein Problem, von dem auch der argentinische Fussball betroffen ist.

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Das obige Bild besteht aus Symbolen der indigenen Kulturen.

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Here's Johnny ...

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Der Rundgang endete in der ersten Street-Art-Gallerie Argentiniens.

Link zu den Anbietern der Street Art Tour (Non-Profit-Organisation)

Die Anreise zum vereinbarten Versammlungsort entpuppte sich übrigens als knifflig. Dazu mussten wir nämlich das öffentliche Bussystem von BA entschlüsseln. Und das geht so: Man kauft sich an einem Kiosk die offizielle Bus-Bibel. Auf den verschiedenen Karten der Stadtviertel schaut man nach, wo man ist und wohin man will, und überprüft anhand eines Rasters, ob an beiden Orten die gleichen Busse fahren (es gibt schätzungsweise 300 Linien). Nur, was nützt einem die Info, dass im Umkreis von vier Häuserblocks ein bestimmter Bus fährt, wenn man nicht genau weiss wo? Bushaltestellen sind zudem meist nur dezent mit Nummern an Strassenlaternen oder Bäumen markiert. Wir haben es jedenfalls nach einer Stunde Suchen aufgegeben und ein Taxi genommen. Mein Fazit: Das Bussystem in Kunming (China) hatte ich schneller und besser im Griff ...

Um dem Grossstadtrummel zwischendurch ein wenig zu entfliehen, machten wir einen Abstecher ins neue Viertel Puerto Madero, den ehemaligen Hafen von BA. Ähnlich wie die Docklands in London oder Melbourne säumen zahlreiche Cafés und Restaurants einen Kanal und ausgediente Hafenkräne stehen dort rum, wo sie tatsächlich hingehören.

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Die Fussgängerbrücke stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava, der auch den Bahnhof Stadelhofen in Zürich entworfen hat.

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Weshalb dieser Platz der ehemaligen Königin der Niederlande gewidmet ist, wurde uns nicht klar.

Nach fünf Tagen hatten wir aber auch genug vom Verkehrslärm, den vielen Leuten und den gerammelt vollen Trottoirs. Wir freuten uns auf einen kurzen Abstecher in tropische Gefilde ...

Posted by b.visser 15:00 Archived in Argentina Tagged plaza_de_mayo palermo san_telmo recoleta evita_peron colegiales Comments (3)

Rapa Nui / Isla de Pascua (Osterinsel)

Letzte Station in Polynesien

sunny 28 °C

Für uns lag Rapa Nui, wie die Osterinsel in der Sprache der Einheimischen heisst, quasi auf dem Weg. Von Tahiti aus gibt es Flüge mit der chilenischen Fluggesellschaft LAN, die anschliessend weitergehen nach Santiago. Wir liessen uns deshalb die Gelegenheit nicht entgehen, diesen mystischen Ort inmitten des Pazifiks aufzusuchen.

Diese entlegene Insel, 3500 km von der chilenischen Küste und über 4000 km von Tahiti entfernt, gilt als eine der ausgefallensten Reisedestinationen überhaupt. Jeder kennt die Bilder der berühmten Steinskulpturen, aber nur wenige nehmen den weiten Weg dorthin auf sich. Gerade mal 65000 Touristen besuchen die Insel jedes Jahr. Politisch gehört die Osterinsel (wider Willen) zu Chile, geografisch und kulturell zu Polynesien. Das merkt man bereits an der Sprache: Besucher werden wie in Tahiti mit einem herzlichen "iorana" begrüsst.

Zu Unrecht hat Rapa Nui den Ruf, eine teure Destination zu sein (ein kürzlich erschienener Blog-Eintrag auf "Tagi"-Online hat dieses Vorurteil wieder einmal zementiert). Es gibt jedoch genügend Familienpensionen, Bed and Breakfasts und sogar Campingplätze auf der Insel, sodass auch budgetbewusste Reisende Unterschlupf finden. Wir haben uns auf einem Camping in einem Zimmer eingemietet, wo wir die Küche mitbenützen durften. In den Dorfläden kann man sich mit Lebensmitteln eindecken, wenn auch das Angebot eher dürftig ist, und die Insel kann man auf eigene Faust per Moped oder Fahrrad statt auf einer teuren Tour entdecken.

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Unser Campingplatz. Im Holzhaus hinten befanden sich die Zimmer, falls man wie wir etwas mehr Komfort wünschte. Der steinerne Campingwächter ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts.

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Vom Zeltplatz aus war es ein Katzensprung zur rauhen Küste, wo jeden Abend dramatische Sonnenuntergänge lockten.

Zunächst erkundeten wir den Haupt- bzw. einzigen Ort auf der Insel: Hanga Roa. Dort erwarteten uns bereits die ersten Moai, die kolossalen Steinstatuen, und gaben uns einen Vorgeschmack auf den Rest der Insel. In einem kleinen, aber feinen Museum kann man sich über Geschichte und Theorien zu den Moai informieren.

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Viele Touristen besuchen die Osterinsel im Rahmen einer Pazifikkreuzfahrt.

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Dieser Moai ist der einzige auf der Insel, bei dem die muschelbestückten Augen noch erhalten sind.

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Überall auf der Insel grasen Pferde.

Wenn abends in Hanga Roa die Sonne untergeht, versammeln sich sowohl Touristen wie Einheimische bei den Moai, um sie vor atemberaubender Kulisse festzuhalten.

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Unweit von Hanga Roa auf einem Vulkan liegt Orongo, ein verlassenes Dorf, das Zeremonialzwecken diente. Hier wurde der seltsame Vogelmannkult zelebriert. Die stärksten und tapfersten Männer der verschiedenen Inselclans versammelten sich hier jedes Jahr, von wo aus sie ins Meer stiegen und zu einer vorgelagerten Insel schwammen, um ein Seeschwalbenei zu suchen und heil an Land zu bringen. Unterwegs drohten vielerlei Gefahren wie steile Klippen, hungrige Haie und die rauhe Brandung. Der Gewinner durfte ein Jahr lang den ehrenvollen Titel Tangata manu, "Vogelmann", tragen und sein Clan genoss vielerlei Privilegien. Ob der Vogelmannkult den Moai-Kult abgelöst hat oder nebenher praktiziert wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er rund 1860 von christlichen Missionaren unterbunden.

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Ziel des Wettkampfs: Das Inselchen Motu Nui.

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In diesen steinernen Rundbauten hausten die Wettkämpfer, Schiedsrichter, Priester und Angehörige während der Dauer des Wettkampfs.

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Blick in den Vulkankrater.

Mit unserem Scooter, den wir für den gesamten Verbleib auf der Insel gemietet hatten, fuhren wir in den Norden zur religiösen Stätte Ahu Akivi. Dort trafen wir auf sieben sehr gut erhaltene Moai. Anders als alle anderen Moai auf der Insel blicken diese zum Ozean; die übrigen sind landeinwärts ausgerichtet.

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Von Ahu Akivi aus kann man zu Fuss in rund 1,5 Stunden den mit 507 m.ü.M. höchsten Punkt der Insel erreichen, den "Berg" Maunga Terevaka. Von hier aus hat man einen schönen Rundumblick über die Insel.

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Die Osterinsel präsentiert sich stets in sattem Grün.

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Kleine Opferstätte auf dem Gipfel.

Der unbestrittene Höhepunkt von Rapa Nui ist Rano Raraku. Am Hang dieses Vulkans befinden sich die Steinbrüche, in denen die riesigen Moai-Statuen hergestellt wurden. Als der Moai-Kult endete (offenbar abrupt), wurden die Steinbrüche von einem Tag auf den anderen verlassen und alle Moai, ob fertig oder noch in Bearbeitung, dort zurückgelassen. Rund 400 dieser riesigen Steinfiguren kann man in allen möglichen Zuständen entdecken. Manche sind lediglich an ihren Umrissen im Felsen zu erkennen, andere waren bereit für den Transport an ihren Bestimmungsort (wie dies genau geschah, darüber streiten sich die Experten).

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Wer übrigens den Eindruck hat, die sähen alle gleich aus, der irrt! Es gibt tatsächlich feine Unterschiede im Gesichtsausdruck und in der Ausarbeitung.

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Work in progress.

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Die Osterinsel wurde immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Nicht alle Moai hielten den Erschütterungen stand.

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Man vermutet, dass die Moai Ahnenbilder der verschiedenen Clans darstellten, die verehrt wurden (ähnlich wie die Tiki auf Tahiti). Die Clans lagen sich übrigens ständig in den Haaren. Man vermutet, dass viele Moai im Rahmen von Clanfehden mutwillig umgestossen wurden. Jene Statuen, die heute aufrecht stehen, wurden erst in der Neuzeit im Rahmen von Renovationsarbeiten wieder aufgerichtet. Viele hat man liegen gelassen.

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Im Innern des Vulkankraters.

Unweit der Steinbrüche liegt die Stätte Ahu Tongariki, mit 15 Moai die grösste und eindrücklichste. Diese Anlage wurde 1960 bei einem Erdbeben und darauffolgendem Tsunami schwer beschädigt und in den 1990ern mit Hilfe von japanischen Experten wieder in Stand gesetzt.

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Das runde Gebilde, das einige Moais auf dem Kopf tragen, ist kein Hut, sondern soll einer bestimmten Haartracht nachempfunden sein, die wichtige Personen trugen. Viele sind zerbrochen oder davongerollt, als die Statuen umgestossen wurden.

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Unsere letzte Station auf unserer archäologischen Reise quer über die Osterinsel war der kleine Strand von Anakena, wo weitere fünf Moai auf uns warteten. Hinter ihren Rücken tummelten sich die Badegäste, die sich nach so viel Kultur ein erfrischendes Bad gönnten.

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Nun hiess es Abschied nehmen von der schönen, spannenden Inselwelt des Pazifiks. Ein neuer Kontinent wartete auf uns: Südamerika!

PS: Wer wie wir von den freundlich dreinblickenden Moai nicht genug bekommen kann, findet in unserer Fotogallerie (rechter Rand) die oben publizierten sowie noch viele weitere Fotos.

Posted by b.visser 05:54 Archived in Chile Tagged moai anakena rapa_nui hanga_roa isla_de_pascua orongo rano_raraku ahu_tongariki ahu_akivi Comments (2)

Französisch-Polynesien - Teil 2

Inselhüpfen in den Gesellschaftsinseln (Îles de la Société)

sunny 30 °C

Französisch-Polynesien erstreckt sich über ein riesiges Gebiet im Pazifik. Um sich ein Bild davon zu machen, empfiehlt sich folgende Karte. Als Referenz ist im Hintergrund Europa dargestellt. Tahiti ist bei Paris eingezeichnet, die Marquesas in der Ostsee.
Karte PF

Nach kurzem Aufenthalt in Pape'ete gings auch schon weiter nach Mo'orea, der Nachbarinsel Tahitis. Da unser Flug dorthin Verspätung hatte, ergab sich eine absurde Situation: Wir warteten am Flughafen eine Stunde auf einen Flug, der gerade mal zehn Minuten dauern würde. Unser Ziel konnten wir dabei von der Wartehalle aus sehen.

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Kaum waren die Sicherheitshinweise nach dem Start verklungen, hiess es bereits wieder: "Veuillez attacher votre ceinture de sécurité ...".

Mo'orea erkundeten wir auf eigene Faust mit einem Scooter. Die Insel lässt sich in wenigen Stunden umrunden, unterwegs kommt man an malerischen Buchten und schönen Badeplätzen vorbei.

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Die achteckige Kirche im Hauptort Papetoai wurde von französischen Missionaren netterweise absichtlich auf einer Zeremonialanlage der Einheimischen errichtet. Wer wagte da noch, sich dem Christentum zu widersetzen?

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Baie d'Opunohu (baie = Bucht).

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Baie de Cook. Auch in PF hat Kapitän James Cook Fuss an Land gesetzt.

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Die vielen unterschiedlichen Blautöne des Wassers haben uns immer wieder in Staunen versetzt.

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Nach so viel Sightseeing war eine Abkühlung angesagt!

Nächste Station war die Insel Huahine. Hier kam wieder einmal richtiges Backpacker-Feeling auf: Unser Bungalow war eine windschiefe Bretterbude mit direktem Meeranstoss. In der kleinen Küche konnten wir unseren eigenen Znacht kochen und so unser strapaziertes Budget ein wenig schonen.

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Jeden Abend bot sich bei Sonnenuntergang ein farbenfrohes Spektakel. Fast schon etwas kitschig ...

Ein Highlight war eine Inseltour mit dem Boot und unserem Guide, der sich als versierter Alleinunterhalter entpuppte. Mit seiner typisch polynesisch-fröhlichen Art und virtuosem Ukulelespiel hat er die gesamte Gruppe bestens unterhalten. Zum Zmittag legten wir vor einem Motu an. Motus sind die kleineren, oftmals nur spärlich oder gar nicht bewohnten Inselchen, welche die Hauptinsel umgeben. Vor paradiesischer Kulisse zeigte unser singender Kapitän, wie man die Spezialität Polynesiens, "Poisson cru" (rohen Fisch) zubereitet. Poisson cru ist eine Art Salat mit fangfrischem rohem Fisch (z.B. Thon oder Schwertfisch), Zitronensaft, frischer Kokosmilch und Gemüse.

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Dazu gab es - bien sûr! - frisches Baguette und eisgekühltes Hinano, das Bier mit der schönsten Etikette in der südlichen Hemisphäre!

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Verdauungsbad in der seichten Lagune - auch mit vollem Bauch kann man hier nicht untergehen.

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Am Nachmittag durften wir dann noch mit Haien auf Tuchfühlung gehen. Diese werden mit Ködern angelockt (die Praxis ist umstritten) und man kann sie in Ruhe und aus sicherer Entfernung unter Wasser mit Maske und Schnorchel beobachten. Es handelt sich dabei nur um die relativ kleinen "black tips", Schwarzspitzen-Riffhaie, die für den Menschen weitgehend ungefährlich sind.

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Deutlich zu sehen ist die namengebende schwarze Spitze der Rückenflosse.

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Immer wieder sonntags wird im Restaurant "Chez Tara" zur Freude von Touristen und Einheimischen ein traditionelles polynesisches Mittagsbuffet ("four polynésien") aufgetischt. Gekocht wird ähnlich wie in Neuseeland oder Fidschi in Erdöfen: Fleisch - zum Beispiel ein Spanferkel - wird mit Beilagen in einem Erdloch auf glühenden Kohlen eingebuddelt, wo die Speisen mehrere Stunden lang garen. Das Ergebnis ist Geschmackssache - mein Fall war's leider nicht.

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Schweinefleisch (oben rechts und unten), dazu Spinat und jede Menge stärkehaltiges Gemüse wie Maniok, Taro usw.

Weiter gings nach Bora Bora, der glamourösesten Insel Polynesiens. Hier möchten alle hin, hier befinden sich die Topresorts mit ihren luxuriösen Überwasserbungalows ("pilotis"), den Galadiners und High-end-Spas. Alles, was in der Hotelbranche Rang und Namen hat, ist hier vertreten: Hilton, Intercontinental, Four Seasons, Radisson usw.

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Hier werden Honeymoon-Träume wahr.

Wir haben uns aber in einer kleinen Familienpension in einem Bungalow eingemietet, um die Gutbetuchten nicht weiter zu stören. Von unseren Gastgebern, einer jungen französischen Familie mit zwei kleinen Kindern, konnten wir allerhand über das Leben auf einem Motu erfahren. Hier gilt nämlich Selbstversorgung: Das Wasser kommt vom Himmel, der Strom von der Sonne, das Gemüse aus dem Garten; auf TV, Telefon und Internet wird weitgehend verzichtet.

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Die nächsten Gäste sind bereits im Anflug.

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Unser schmuckes Fare (Polynesisch für Bungalow).

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Wer braucht bei diesem Ausblick noch einen Fernseher?

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Mont Otemanu, das Wahrzeichen Boras und beliebtes Fotosujet.

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Bora Bora lässt sich ebenfalls gut auf einem Bootsausflug erkunden. Auch dieses Mal war unser Kapitän musikalisch begabt.

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Eine beliebte Attraktion sind die vielen Rochen, die man auf Schnorcheltrips bewundern kann.

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Der Patron unserer Unterkunft war Surflehrer und hat Katja in die Kunst des Windsurfens eingeweiht - mit Erfolg, wie man sieht!

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In der Mittagshitze in der Lagune sind wir sprichwörtlich auf den Hund gekommen. Auch diesem armen Tier war es zu heiss ...

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Ohne Photoshop!

Unser letzter Halt war Maupiti, Boras kleine Schwester. Hier war wieder beschauliches Inselleben angesagt. In den wenigen Krämerläden und Pensionen herrschte gerade Nahrungsmittelknappheit, da das Versorgungsschiff, das die Insel ohnehin nur einmal pro Monat bedient, einige Tage Verspätung hatte. Hier verbrachten wir unsere letzten Tage mit Baden, Schnorcheln und Bloggen (mein Bangladesch-Beitrag entstand übrigens unter der sengenden Sonne Maupitis).

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Hier erkennt man schön das Atoll: Ein ringförmiges Korallenriff, das die Lagune um die Hauptinsel umschliesst (erkennbar am hellblauen Wasser). Das Riff bildet einen Saum von schmalen Inseln, den so genannten Motus.

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Schweisstreibendes Vergnügen: Mit dem Kajak unterwegs in der Lagune.

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Blick auf das einzige Dorf, Vaiea.

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Eine der vielen obskuren polynesischen Sportarten ist Steinestemmen (Schweizern ja nicht ganz unbekannt).
Das Exemplar im Bild unten - gemeint ist der Stein - wiegt 132 kg und es geht darum, den Brocken in Rekordzeit auf der Schulter zu platzieren. Ein Angestellter unserer Pension zeigte, wie's geht. Um die Sache noch spannender zu machen, werden die Steine an Wettkämpfen mit glitschigem Kokosöl eingeschmiert. Na dann: Bon courage!

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Ich wurde auf die Ladefläche verbannt.

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Maupiti zählt gerade mal 1200 Einwohner. Weitaus zahlreicher vertreten sind die Einsiedlerkrebse, die in leeren Schneckenhäusern leben. Auf Französisch tragen sie den charmanten Namen "Bernard l'hermite": Bernhard der Einsiedler.

Am letzten Tag war dafür richtig etwas los auf der Insel: In der Dorfschule wurde aus zwölf teilnehmenden Kindern jenes ausgewählt, welches Maupiti offiziell vertreten darf. Eine kleine Miss/Mister-Maupiti-Wahl, sozusagen.
Die Kinder mussten für den Wettbewerb in traditionellen Gewändern auf Polynesisch eine Heldensage rezitieren. Dazwischen gab es immer wieder Musik und Tanz.

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Die drei Bestplatzierten. Das Mädchen ganz links war die Gewinnerin. Sie konnte in diesem Moment ihren Sieg noch gar nicht fassen. (In der obigen Zusammenstellung ist sie unten rechts während ihres Auftrittes zu sehen.)

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Das Schlusswort hatte der Häuptling.

Zurück in Pape'ete tauschten wir die blauen Lagunen gegen einen nicht weniger schönen Infinity-Pool und bereiteten uns auf die Weiterreise nach Südamerika vor. Doch auch auf diesem neuen Kontinent sollte uns die polynesische Kultur zunächst noch erhalten bleiben ...

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Unser letztes Abendrot über Tahiti, das wir vom Rand des Swimmingpools aus genossen.

Und hier noch ein tahitianischer Gassenhauer, den unsere singenden Kapitäne im Repertoire hatten (nur Ton):
Rosalie

Posted by b.visser 16:18 Archived in French Polynesia Tagged french_polynesia moorea bora_bora huahine maupiti Comments (0)

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