A Travellerspoint blog

September 2014

Im Reich der Kims

Ein Abstecher nach Nordkorea - Teil I

sunny 27 °C

Hinweis: Der folgende Eintrag ist sehr ausführlich, da ich ein wenig Kontext zu dieser wohl aussergewöhnlichsten Destination unserer Reise geben möchte.

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In der zweiten Septemberwoche unternahmen wir von Peking aus eine sechstägige Reise in die Demokratische Volksrepublik Korea, wie Nordkorea offiziell heisst. Nordkorea ist eines der abgeschottetsten und unbekanntesten Länder unserer Welt und umso mehr mag es erstaunen, dass es Touristen überhaupt möglich ist, das Land zu bereisen.
Die Reise dorthin ist nur im Rahmen einer geführten Tour erlaubt. Verschiedene Anbieter im Ausland dienen als Vermittler, wir haben uns für einen Operator in Peking unter britischer Leitung entschieden. Dieser übernahm alle Formalitäten, organisierte die Visa und die Flüge und nach einem vorgängigen Instruktionstreffen konnten wir am 9. September unseren Flug mit der nationalen Flugline Air Koryo in die Hauptstadt Pjöngjang antreten. Dort angekommen, wurden wir nach sorgfältiger Inspektion unserer Mobiltelefone, iPad usw. von unseren beiden Betreuern in Empfang genommen, die uns die kommenden Tage praktisch rund um die Uhr begleiten würden. Die beiden, nennen wir sie "Senior" und "Junior", waren uns auf Anhieb sympathisch, was erheblich zu einem angenehmen Aufenthalt in Nordkorea beitrug.

Nordkorea ist übrigens ein äusserst sicheres Reiseland - die "Rund-um-die-Uhr-Betreuung" stellt sicher, dass alles wie am Schnürchen läuft.

Unsere Beweggründe
Darüber, ob eine Reise in ein Land, das mit eiserner Faust regiert wird, wo die Bevölkerung in bitterer Armut darbt und ein Führerkult zelebriert wird, der seinesgleichen sucht, moralisch vertretbar ist, kann man streiten. Wir und viele weitere Besucher sind jedoch der Meinung, dass der wenige Kontakt zur Aussenwelt, den Einheimische im Austausch mit Touristen erhalten, vielleicht langfristig dazu beitragen kann, Ressentiments und Vorurteile gegenüber dem Westen abzubauen und zu zeigen, dass auch von aussen ein genuines Interesse an Land, Leute und Kultur besteht.
Wer jedoch hitzige politische Diskussionen mit Einheimischen erwartet oder es als seine Mission betrachtet, vor Ort Kritik am Regime zu üben, ist eindeutig fehl am Platz. Man muss akzeptieren, dass die Geschichte, die einem aufgetischt wird, sehr einseitig (und häufig schlichtweg falsch) ist. Mit der Zeit wird man sich aber bewusst, dass jede Geschichte zwei Perspektiven hat. Eine davon haben wir näher kennengelernt.

Pomp und Gloria in Pjöngjang
Zu Beginn unserer Reise wurde uns in den ersten beiden Tagen der ganze sozialistische Bombast vorgeführt, um den kein Tourist herumkommt. Morgens früh ging es zum Mansudae Grand Monument, das aus zwei riesigen Statuen von Kim I. und Kim II. besteht, zu deren Füssen wir Blumen hinlegen und uns verbeugen "durften" - damit respektiert man einfach die lokalen Gepflogenheiten und es ist nichts anderes, als wenn man vor dem Betreten eines buddhistischen Tempels die Schuhe auszieht oder wenn die Frauen beim Betreten einer Moschee das Haupt bedecken.

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Heroische Standbilder flankieren den Platz.

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"Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt ...", hiess es ja schon zu DDR-Zeiten.

Weiter gings zum Victorious Fatherland Liberation War Museum, in dem mit zahlreichen Dioramen, Schaubildern und einem schwer anti-amerikanischem Propagandafilm der Koreakrieg und die raffinierten Tricks und Strategien der Guerrillakämpfer unter Kim I. aufgezeigt werden. Der ganze Stolz sind einige abgeschossene Bomber, Panzer und ein gekapertes US-Aufklärungsschiff, die im Aussenbereich ihren letzten Standplatz gefunden haben.

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Senior (l.) und Junior (r.) zeigen den Weg durch die "Schützengräben" des Museums.

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Diese freundliche Dame kommentierte detailreich unseren Rundgang durchs Museum.

Nach so vielen Heldentaten Kims I. wurde es Zeit, uns anzusehen, wo der Grosse Führer das Licht der Welt erblickte. Dazu fuhren wir vor die Stadt, wo auf einem Hügel ein bescheidenes Bauernhaus von seiner ebenso bescheidenen Herkunft zeugen soll. Das ganze sah jedoch aus, als wäre es lange nach 1912, seinem Geburtsjahr, aufgestellt worden ...

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Nach einem opulenten Mittagessen besuchten wir das Party Foundation Monument (selbsterklärend). Bemerkenswert am offiziellen Parteiwappen ist, dass nebst dem bekannten Hammer und der Sichel noch ein Pinsel abgebildet ist - dieser steht für die Intellektuellen, die laut Ideologie ebenso wie Arbeiter und Bauern zum Wohl der Gesellschaft beitragen sollen.

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Das Monument, kunstvoll festgehalten als Ölgemälde.

Weiter gings zum 172 m hohen Juche-Tower, von dem sich ein wunderbarer Ausblick über die Stadt bot. "Juche" heisst übrigens die Philosophie, die Kim I. erfunden und zur Staatsideologie gemacht hat. Ihre Grundpfeiler sind politische Souveränität, wirtschaftliche Selbstversorgung und militärische Eigenständigkeit.

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Blick vom Turm auf Pjöngjang.

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So wohnt man in Pjöngjang.

Nächster Halt war die Grosse Studienhalle des Volkes, eine riesige Bibliothek mit angeblich Millionen von Büchern, die jedem koreanischen Bürger kostenlos offensteht. Es werden auch Vorlesungen gehalten, Fremdsprachen gelehrt und es gibt sogar "Internet" (die nette Bibliothekarin meinte voller Stolz, sie hätten gar 40 "Internet"!? - Bitte die Kommentarfunktion benutzen, wer weiss, wie der Plural von "Internet" lautet: Internets oder gar Internette?).

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Im Eingangsbereich der Studienhalle wird man vom Ewigen Präsidenten Kim Il-Sung begrüsst.

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Studierende beim Fremdsprachenbüffeln.

Am Ende des ersten Tages besuchten wir noch den Children's Palace, wo Kinder jeden Alters ausserschulisch Kunsthandwerk, Musik, Tanz, Sport usw. lernen und betreiben können. In einem Land ohne Facebook, iPads oder Computer-Games haben Kinder eben noch richtige Hobbys. Am Schluss wurden die Besucher mit einer perfekt einstudierten Darbietung belohnt, in der die Kinder voller Stolz ihr ganzes Können demonstrierten.

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Jeder fängt mal klein an ...

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Audienz beim Grossen Führer

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Am nächsten Morgen fuhren wir zum Höhepunkt eines jeden Besuchs in Pjöngjang: dem Kumsusan Sun Memorial Palace. Einst das Parlament, in dem Kim I. schaltete und waltete, wurde es nach seinem Tod 1994 in ein Mausoleum umgewandelt, wo der Ewige Präsident ähnlich wie seine ideologischen Genossen Lenin, Mao und Ho Chi Minh heute noch ehrenvoll aufgebahrt liegt. 2011 wurde Kim II. nach seinem Ableben in einem separaten Trakt hinzugefügt. Nach einer endlosen Fahrt auf Rollbändern (wie im Flughafen) an unzähligen Portraits vorbei, begleitet von Trauermusik, und Durchqueren einer Schuhputzanlage und einer Entstaubungsschleuse gelangt man in den abgedunkelten Saal, in dessen Mitte der Grosse Führer in einem Kristallsarg, zugedeckt mit der Parteiflagge, liegt. Eine Prozession von Besuchern schlängelte sich andächtig um den Leichnam, drei Mal musste man sich dabei verbeugen. Anschliessend wurden die Besucher in weitere Räume geführt, wo Auszeichnungen, Medaillen, die Staatskarrosse und sein persönlicher Zugwaggon gezeigt wurden. Anschliessend dann das gleiche Programm von vorne, diesmal beim Sohnemann Kim Jong-Il. Nach so viel Andacht tat ein Spaziergang in der weitläufigen Gartenanlage richtig gut.

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Besucherinnen kleiden sich für den Besuch dieser heiligen Stätte in traditionelle Gewänder.

Ach ja: Zum erwarteten Respekt vor den Führern gehört eine anständige Garderobe und für die Männer bedeutet das Hemd und Krawatte, was jeder anständige Backpacker schliesslich stets dabei hat. In weiser Voraussicht habe ich mich auf dem Textilmarkt in Seoul rechtzeitig ausgestattet :)

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Zum Verschnaufen fuhren wir anschliessend zur Stadt hinaus auf einen nahegelegenen Berg, von dem sich nach einem kurzen Aufstieg eine schöne Aussicht über Pjöngjang und das Umland bot. Unsere beiden Führer hatten sich den Nachmittag wohl etwas weniger schweisstreibend ausgemalt, aber sie blieben bei guter Laune :)

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Zurück in der Stadt durften wir die berühmt-berüchtigte U-Bahn besuchen und sogar eine (!) Station weit mitfahren (obwohl eigentlich fünf angekündigt waren). Um dieses Bauwerk ranken sich viele Mythen: Manche behaupten, es gebe gar kein U-Bahnnetz, sondern nur zwei Stationen mit Statisten, die den Touristen etwas vorgaukeln sollen. Viel wahrscheinlicher ist, dass einige der gerade mal 17 Stationen nicht in Betrieb sind, weil der Strom chronisch knapp und der Unterhalt teuer ist. Fakt ist jedenfalls, dass das Rollmaterial aus ausgemusterten Wagen der Berliner U-Bahn besteht. Der Prunk der beiden besichtigten Stationen erinnerte jedenfalls an das Moskauer Vorbild.

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Das bescheidene U-Bahnnetz.

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An jeder Strassenkreuzung anzutreffen: Pjöngjangs kesse Politessen.

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Der Triumphbogen zu Ehren Kim Il-Sungs erster Ansprache zum Volk - ganze 3 Meter höher als sein Pariser Vorbild.

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Das Wiedervereinigungsmonument: Je eine der Frauen steht für eine Landeshälfte.

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Blick vom Kim-Il-Sung-Platz über den Fluss zum Juche-Turm.

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Abendstimmung in Pjöngjang, gesehen von unserem Hotelzimmer aus im 34. Stock.

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Das Ryugyong Hotel. Der Schein trügt: Fast zwei Jahrzehnte lang verunstaltete der nackte Rohbau das Stadtbild, da sich die Investoren zurückgezogen hatten. Erst kürzlich wurde die Fassade verkleidet, dahinter steht der Koloss jedoch immer noch leer.

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Besuch im "Foreigners Bookshop", wo wir uns mit den gesammelten Werken der Kims hätten eindecken können.

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Festlich gekleidet huldigen die Pjöngjangerinnen am Nationalfeiertag (9. September) dem Grossen Führer.

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Schulkinder ziehen nach Schulschluss singend durch die Strassen.

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Ein Jugendorchester gibt Marschmusik zum Besten.

Posted by b.visser 03:55 Archived in North Korea Tagged kim dprk pyongyang il-sung jong-il Comments (1)

Peking, Teil 1

Unser Aufenthalt in Peking erfolgte während zweimal drei Tagen. Ich fasse mich im Folgenden kurz und berücksichtige für einmal diejenigen Besucher unseres Blogs, die lieber Fotos anschauen als Texte lesen. Bei unserem ersten Aufenthalt haben wir vor allem die Highlights abgeklappert. Es sind dies in unserem Fall der Tiananmen-Platz, die Verbotene Stadt ("verboten", weil Normalsterblichen der Zutritt verwehrt war), d.h. der Kaiserpalast der Ming- und Qing-Dynastie (1368-1644 bzw. 1644-1912), der Olympische Park mit dem Beijing National Stadium, das vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen wurde, sowie der Sommerpalast, eine sich über 3 Quadratkilometer erstreckende Gartenanlage mit Gebäuden und Seen.

Tiananmen-Platz und die Verbotene Stadt

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Der Olympische Park

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Der Sommerpalast

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Weitere Fotos

Die Hutong-Strasse, in der wir wohnten (Hutongs sind schmale Gassen mit traditionellen Häusern, den Siheyuan; momentan werden sie in grossem Stil niedergerissen und wider neu aufgebaut).

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Der CCTV-Tower, entworfen von Rem Koolhaas

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Peking ist zwar nicht Shanghai, aber der CBD (Central Business District) lässt sich dennoch sehen.

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Posted by birdfish 04:39 Archived in China Tagged palace summer beijing tiananmen stadt verbotene Comments (3)

Willkommen in China: Erste Station Tsingtao

Die Reise mit dem Schiff verlief mit einigem Geschaukle, sodass wir trotz Zweierkajüte nach 16 Stunden ziemlich gerädert in China ankamen. Die Einreise verlief effizient und problemlos; der Beamte bei der Passkontrolle hatte sogar ein Lächeln übrig. Es hatte ihn wohl amüsiert, dass doch noch zwei etwas fahle westliche Gesichter an seinem Schalter auftauchten.

Tsingtao ist weltberühmt wegen seines Bieres. Dieses hatten die Deutschen in der kurzen Kolonialherrschaft unter Kaiser Wilhelm II. von 1898 bis 1914 hier eingeführt, zusammen mit Steinbauten (anstelle von Holzhäusern), der damals besten Kanalisation Asiens, einem Trinkwassersystem und offiziellen Gebäuden. Für uns war Tsingtao das Tor zu China und wir waren von Anfang an begeistert. Es war zwar alles viel schmutziger als noch in Japan und Südkorea, aber die Leute waren ausgesprochen freundlich und in der Stadt herrschte eine "easy-going" Atmosphäre.

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Unsere Unterkunft war in einer ehemaligen Kirche. Dies ist einer der gemütlichen Aufenthaltsräume.

Unsere Unterkunft war in einer ehemaligen Kirche. Dies ist einer der gemütlichen Aufenthaltsräume.

Der Huilan-Pavillion, der die Etikette jeder Tsingtao-Bierflasche ziert.

Der Huilan-Pavillion, der die Etikette jeder Tsingtao-Bierflasche ziert.

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Ölteppich im Hafen von Tsingtao.

Ölteppich im Hafen von Tsingtao.

Die Strassen Tsingtaos sind geprägt von Kolonialbauten.

Die Strassen Tsingtaos sind geprägt von Kolonialbauten.

Die Sankt-Michael-Kirche.

Die Sankt-Michael-Kirche.

Der Tianhou-Tempel, eine Nachbildung des ursprünglich 1476 erbauten buddhistischen Tempels.

Der Tianhou-Tempel, eine Nachbildung des ursprünglich 1476 erbauten buddhistischen Tempels.

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Pagode im Tianhou-Tempel.

Pagode im Tianhou-Tempel.

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Der ehemalige Wohnsitz des deutschen Gouverneurs.

Der ehemalige Wohnsitz des deutschen Gouverneurs.

Die protestantische Kirche, von Curt Rothkegel entworfen und 1908 erbaut.

Die protestantische Kirche, von Curt Rothkegel entworfen und 1908 erbaut.

Die Kirche eignet sich gut als Hintergrund  für Hochzeits- oder andere kreative Fotos.

Die Kirche eignet sich gut als Hintergrund für Hochzeits- oder andere kreative Fotos.

Der lutheranisch karge Innenraum der Kirche.

Der lutheranisch karge Innenraum der Kirche.

Das Governor's Building.

Das Governor's Building.

Sessellift im Zhongshan-Park.

Sessellift im Zhongshan-Park.

Posted by birdfish 02:54 Archived in China Tagged qingdao hafen tsingtao Comments (1)

Seoul

Letzte Tage in Südkorea

sunny 30 °C

Unsere Durchreise durch Südkorea beendeten wir in der Hauptstadt Seoul. Obwohl diese Stadt selten in einem Atemzug mit asiatischen Metropolen wie Bangkok, Schanghai oder Kuala Lumpur genannt wird, braucht sie sich nicht hinter diesen zu verstecken. Sie bietet eine Fülle an Sehenswürdigkeiten und versprüht jenes typisch asiatische, wuselige Flair, welches wir so lieben.

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Zahlreiche Paläste, von denen wir zwei besucht haben, locken genau so wie endlose Shopping-Möglichkeiten, ruhige Tempel und Schreine, moderne Architektur und eine angenehme Gelassenheit, die andere Grossstädte manchmal vermissen lassen. Die augenscheinlich eher geringe Anzahl (westlicher) Touristen bestätigt die Vermutung, dass Seoul trotz seiner Vorzüge nicht gerade weit oben auf der Rangliste der beliebtesten Asien-Ziele steht. Dies kam uns natürlich sehr entgegen.

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Unser Zuhause war diesmal nahe einer der zahlreichen Universitäten gelegen in einem jungen, lebhaften Viertel, von wo aus wir diese sympathische Stadt erkunden konnten. Ein weiteres Mal konnten wir im Guesthouse äusserst nette Bekanntschaften schliessen, darunter eine gleichaltrige Koreanerin, die uns interessante Einsichten in die koreanische Gesellschaft und in das Verhältnis zwischen den älteren und jungen Generationen geben konnte.

Alt und Neu

Seoul war lange der Hauptsitz der koreanischen Monarchie, wovon heute die teilweise erhaltenen Paläste noch zeugen. Wie so oft handelt es sich dabei um Rekonstruktionen, da viele historische Bauten durch die japanischen Invasoren zerstört worden sind. Die Schautafeln und Erklärungen lassen oft durchblicken, dass immer noch starke Ressentiments gegenüber den Japanern vorhanden sind (Japan hat sich mit seinen aggressiven Expansionsgelüsten und Kolonialisierungsversuchen in Asien nicht gerade beliebt gemacht).

Der Gyeongbokgung-Palast, einer der fünf Paläste Seouls.

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Traditionelle Tempelwächter.

Traditionelle Tempelwächter.

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Führung durch den Secret Garden des Changdeokgung-Palastes mit Guide in traditionellem koreanischen Gewand.

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Wiederum lockte ein Aussichtsturm, der N Seoul Tower, der einen eindrucksvollen Rundumblick über die Metropole bietet. Dieser wird als perfektes romantisches Ziel für Paare angepriesen, denn Tickets gelten für zwei Personen, überall gibt es Möglichkeiten, die sogenannten "Love Locks" anzubringen, und ein künstlicher Wunschbrunnen garantiert ewige Liebe, wenn man die eigens dafür geschaffene herzförmige Münze kauft und treffsicher im Brunnen versenkt. Pech für jene, die daneben werfen.

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Blick nach Norden

Blick nach Norden

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Ein weiteres Highlight für uns war das Dongdaemun Design Plaza, das an der Stelle eines ehemaligen Sportstadiums erbaut wurde. Für das Projekt verantwortlich zeichnete Zaha Hadid, die irakische Stararchitektin, deren Bauten oft durch fliessende, organische Formen bestechen.

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Mehr moderne Architektur fanden wir in Gangnam vor, einem eher teuren Viertel, das südlich des Han-Flusses gelegen ist. Weltruhm erlangte Gangnam erst vor Kurzem dank des koreanischen Popstars Psy, dessen Track "Gangnam Style" letztes Jahr um die Welt ging. Über die musikalische Qualität lässt sich natürlich streiten ... ;)
Gangnam ist bei Weitem nicht Manhattan, aber wer hohe Bauten aus Stahl, Beton und Glas liebt, kommt hier bestens auf seine Kosten :)

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Selbst im modernen Gangnam lassen sich noch immer Spuren des alten Seoul finden: der Bongeun-Tempel.

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Leinen los!

Dann hiess es Abschied nehmen von Südkorea: Eine schier endlose Metro-Fahrt brachte uns nach Incheon, der mit Seoul verwachsenen Nachbarstadt. Sie beherbergt zwar den internationalen Flughafen, wir aber entschieden uns für die Fähre nach China. Nach einem letzten typisch koreanischen Zmittag mit Reis, Suppe und vielen kleinen Beilagen bei einem sehr, sehr gesprächigen Restaurantführer (sein längerer Aufenthalt in den USA hat dafür gesorgt, dass er uns während einer Stunde ohne Punkt und Komma bestens unterhalten konnte), machten wir uns auf den Weg an den Hafen.

Kaum im Departure-Terminal angekommen, wähnten wir uns bereits in einer anderen Welt: in China. Denn der einzige Zweck der Fähre zwischen Südkorea und China scheint darin zu bestehen, dass Chinesen nach SK kommen können, um einzukaufen und dick beladen wieder heimzufahren. Und inmitten dieses ganzen Trubels irrten drei Westler herum: Wir beide und ein Amerikaner, der mit seinem Velo eine 3000 km Tour durch China plant. Wir kamen uns wieder einmal wie der sprichwörtliche bunte Hund vor.

Anders als von Japan nach Südkorea hatten wir diesmal die Nachtfähre gebucht. Es trennten uns 17 Stunden von einem Land zu nächsten - ein Flug hätte ca. 2 h gedauert, aber das wäre nur der halbe Spass gewesen. Denn eine Fahrt mit einer Fähre ist für uns immer ein Erlebnis! Es gibt einen Duty-Free-Shop, Restaurants, einen Minimarkt und Karaoke-Räume, um die wir einen grossen Bogen gemacht haben. Aber das Beste an allem: Wir gönnten uns den "Luxus" einer Royal-Kajüte. Mit zwei Betten, einer Sitzecke und einer Minibar waren wir besser bedient als in jedem japanischen Business-Hotel zuvor! Die gelegentlichen Lautsprecherdurchsagen im Zimmer, wenn wieder ein gewisser Mr. Hong oder Lee gesucht wurde, konnten unsere Freude nicht schmälern.

Kurz vor dem Ablegen.

Kurz vor dem Ablegen.

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Und so tuckerten und schaukelten wir gemütlich Richtung Qingdao (Tsingtao), wo wir beide zum ersten Mal Fuss in Festlandchina setzen würden. Die Spannung war gross ...

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Posted by birdfish 09:03 Archived in South Korea Tagged architecture palace seoul gangnam n-tower Comments (1)

Koreas kulinarische Köstlichkeiten


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Die koreanische Küche ist bei uns anders als beispielsweise in den USA relativ unbekannt. Bulgogi, Bibimbap und Gimbap sind bei uns lange noch nicht so bekannt wie Sushi, Thai Curry oder Nasi Goreng. Umso spannender ist es daher, vor Ort auf kulinarische Entdeckungsreise zu gehen.
Die koreanische Küche ist natürlich stark geprägt vom grossen Nachbarn China. Reis und Nudeln tauchen bei jeder Mahlzeit auf, Fisch und Fleisch, vor allem Schwein, sind sehr beliebt. Zu den geschmacksgebenden Zutaten zählen Sojasauce, Zwiebel, Knoblauch, Ingwer, Sesam und Chili. Auf letzteres sind die Koreaner besonders stolz: Unentwegt wird betont, dass man in Korea, anders als in Japan, gerne scharf isst. Wobei "scharf" immer relativ ist ... ;)

Des Koreaners täglich Kohl

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Der Grundpfeiler der koreanishen Küche, das eigentliche Nationalgericht, kommt unauffällig daher: Zu jeder Mahlzeit wird eine kleine Schüssel mit leicht welkem, rötlichen Kohl gereicht. Es handelt sich um Kimchi - scharf eingelegter, fermentierter Chinakohl. Trotz seiner etwas labbrigen Erscheinung hat der Kohl noch Biss und nebst der Chilischärfe und den Gewürzen schmeckt man deutlich die durch die Gärung entstandene Säure. Im Prinzip ist Kimchi das koreanische Pendant zu unserem Sauerkraut. Kohl - in diesem Fall Chinakohl - wird durch Salzen und Fermentieren so für den Winter haltbar gemacht. Heute gibt es Kimchi natürlich in jedem Supermarkt zu kaufen, aber viele koreanische Haushalte pflegen diese Tradition der Herstellung immer noch.

Grillieren mit Zange und Schere
Bei Einheimischen und Besuchern gleichermassen beliebt ist das koreanische Barbecue, Bulgogi. Wo man hinkommt, werben BBQ-Restaurants mit ihrem reichhaltigen Fleischangebot - beliebt sind Rinderrippe, Sirloin, Schweinekoteletten, Schweinebauch, aber auch jegliche Arten von Innereien. Hat man sich für ein Restaurant entschieden, setzt man sich an einen Tisch mit einer runden Öffnung in der Mitte. Nachdem verschiedene kleine Beilagen wie (natürlich) Kimchi, eingelegtes Gemüse, Suppe und verschiedene Saucen aufgetragen wurden, wird ein Topf mit glühenden Kohlen in das Loch platziert. Auf einem Rost grilliert man anschliessend das zuvor ausgewählte Fleisch, das man mit einer Schere in mundgerechte Stücke schneidet. Ist das Fleisch gar, packt man ein Stückchen davon zusammen mit den Beilagen seiner Wahl in ein Salatblatt und verzehrt das Päckchen in einem Biss.
In der Regel darf der Gast sein Fleisch selber grillieren (macht Spass). Manchmal wird einem die Arbeit aber auch abgenommen (macht weniger Spass). Da Koreaner in der Regel beim Essen keine Zeit verlieren, ist der Grillplausch so nämlich nach knapp 15 Minuten vorbei und der Kohlepott wird wieder abtransportiert. Wir haben nicht herausgefunden, ob sie uns Westlern das korrekte Zubereiten des Fleisches nicht zutrauen oder ob es als höfliche Dienstleistung gelten soll ...

Das Fleisch wird fachmännisch auf dem Grill drapiert ...

Das Fleisch wird fachmännisch auf dem Grill drapiert ...

... und mit viel Geschick zerteilt

... und mit viel Geschick zerteilt

Viel Grünes und Scharfes als Beilage

Viel Grünes und Scharfes als Beilage

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Gut gewickelt ist halb gegessen
Dass man in Korea die Speisen gerne in etwas einwickelt, merkt man auch beim Gericht Ssambap: Eine vielzahl kleiner Gerichte, darunter verschiedenes eingelegtes Gemüse, getrockneten Fisch, eingelegter Tintenfisch, Tofu usw. werden gemeinsam mit etwas Reis in verschiedene Blätter gewickelt und in Sauce gedippt. Die Anzahl der servierten Gerichte wird durch den Preis und die Qualität des Restaurants bestimmt. Wir waren überrascht, als wir für umgerechnet 18 Franken zwölf (!) Gerichte aufgetischt bekamen, inklusive gratis Nachschlag, auf den wir danken verzichteten.

Eine reich gedeckte Tafel

Eine reich gedeckte Tafel


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Klein und fein
Eher ein Snack als eine eigentliche Mahlzeit sind Mandu, kleine frittierte oder gedämpfte Teigtaschen, gefüllt mit Schwein oder Poulet und Gemüse. Sie sind eng verwandt mit den japanischen Gyoza oder den chinesischen Jiaozi. Man nennt sie manchmal auch "potsticker dumplings". Bei dieser Variante werden die Teigtäschchen in eine Bratpfanne gesetzt und angebraten, wobei sie am Pfannenboden festbacken. Dann werden sie mit Flüssigkeit abgelöscht und fertig gedämpft. Beim Essen werden sie schliesslich in ein Gemisch aus Sojasauce und Reisessig getunkt, das ausgezeichnet mit dem feinen Geschmack der saftigen Füllung harmoniert.

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In Korea bleibt keine Kehle trocken
Und was passt besser zu all diesen Leckereien als Soju, das Nationalgetränk Koreas? Dieses Destillat erinnert geschmacklich an japanischen Sake, denn er wird meistens auch aus Reis hergestellt, es gibt aber auch Varianten aus Getreide, Kartoffeln oder Süsskartoffeln. Für unseren Gaumen ist er am ehesten mit trockenem, wässrigen Sherry zu vergleichen. Am Anfang mag Soju etwas gewöhnungsbedürftig sein und es gibt bestimmt geeignetere Durstlöscher, aber mit der Zeit kommt man zum Schluss, dass er ausgezeichnet zu den manchmal etwas strengen Geschmäcken der koreanischen Küche passt bzw. diese zu neutralisieren vermag.
Der allgegenwärtige Soju - auch erhältlich im handlichen Tetra-Päckli zum Mitnehmen

Der allgegenwärtige Soju - auch erhältlich im handlichen Tetra-Päckli zum Mitnehmen

Posted by b.visser 04:31 Archived in South Korea Tagged food bbq mandu korean soju Comments (4)

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