A Travellerspoint blog

August 2014

Auf ins Innere des Landes

Nach dem bisschen Grossstadtflair in Busan sind wir nach Gyeongju aufgebrochen. Es war ein Wunder, dass wir überhaupt ein Zugticket an den richtigen Ort lösen konnten, denn neben Gyeongju gibts auch noch ein Cheongyu, ein Jeonju und ein Chungju. Das ist etwa dasselbe, wie wenn es in der Schweiz neben Wallisellen auch noch ein Valisellen und ein Wallisollen gäbe, die dann auch noch alle im Umkreis von 50km lägen... Am besten, man kommt gleich mit dem Reiseführer an den Schalter, denn die subtilen Lautunterschiede sind für westliche Zugen nicht zu reproduzieren.

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Unsere Unterkunft in Gyeongju, ein traditioneller Hanok.

Gyeongju war das Zentrum der Shilla-Dynastie und wird gerne als "museum without walls" beschrieben. Interessant waren vor allem die grünen Grabhügel, in denen Herrscher aus vergangenen Zeiten bestattet sind und die überall in der Stadt zu finden sind. (Für alle Anglisten: Das Prinzip ist genau das Gleiche wie in Sutton Hoo. Unglaublich, nicht?) Leider hat uns das Wetter viel Regen beschert an diesem Tag. Und zwar monsunartiger Niederschlag. Nach nur einer Minute draussen war man komplett durchtränkt (meine Turnschuhe brauchten etwa drei Tage, bis sie wieder trocken waren - aber der Monsun lässt sich noch erriechen... ;-)

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Am nächsten Tag war das Wetter etwas besser und wir besuchten den in den nahen Bergen gelegene Bulguk-sa ("sa" steht für Tempel), der ebenfalls mit dem Gütesiegel der UNESCO ausgezeichnet ist. Die Tempelanlage stammt auch aus der Shilla-Dynastie. Man muss dazu noch sagen, dass praktisch alle Tempel und Paläste in Korea Replikas sind, denn die ursprünglichen Bauten fielen praktisch immer den Besuchen der feindlichen Nachbarn (sprich: Japan) zum Opfer.

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Als zweiter Punkt auf dem Tagesprogramm war die Grotte Seokguram (ebenfalls UNESCO W.H.), in der ein wunderschöner Buddha sitzt (Photos von Buddha-Statuen sind in Korea meist nicht erlaubt, so auch hier) und Richtung East Sea, also Pazifik, blickt. Wie unser Reiseführer schreibt: "Seokguram can be a magical place, especially when mist cloaks the mountain tops." Genauso war es.

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Die nächste Station war die Stadt Andong, die als solches für westliche Reisende nicht von grossem Interesse ist. Sie dient aber als guter Ausgangspunkt für das Hahoe Folk Village. Andere traditionelle Dörfer in Korea sind anscheinend Reproduktionen für die übrigens meist inländischen Touristen - Westler und Japaner sowie Chinesen sind rar gesät in Korea. In Hahoe leben aber noch etwa 200 Koreaner (mit staatlichen Subventionen) nach traditioneller Weise der Joseon-Dynastie. Das bedeutet, dass sie sich mehrheitlich selbst versorgen. Das Dorfbild folgt strikten Regeln. Eine Familie bewohnt jeweils einen Hanok (traditionelles Haus), das aus Holz und einem Ziegeldach besteht. Rund um das Hauptgebäude herum gibt es einfachere Häuser mit Reetdächern, die von den Angestellten bewohnt wurden. Zwischen den Häusern wachsen Chilis, Zuchettis und was der Boden sonst noch so hergibt.

Ein traditionelles Lehmhaus mit Reetdach

Ein traditionelles Lehmhaus mit Reetdach

Die Reetdächer eignen sich auch zur Gemüsezucht.

Die Reetdächer eignen sich auch zur Gemüsezucht.

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Hahoe wird von einem Fluss umwunden. Nach traditioneller Sichtweise soll dies dem Ort besonders viel Glück und Wohlstand bringen.

Die etwas tempelhaft anmutende Dorfkirche. Das Christentum ist in Südkorea weit verbreitet.

Die etwas tempelhaft anmutende Dorfkirche. Das Christentum ist in Südkorea weit verbreitet.


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Posted by birdfish 02:55 Archived in South Korea Tagged gyeongju andong hahoe folkvillage Comments (0)

Südkorea - Im Land der Morgenstille

Erste Station: Busan

semi-overcast 24 °C
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Bereits fünf Stunden, nachdem wir in Fukuoka abgelegt hatten, tauchten am Horizont die Hochhäuser Busans auf, der zweitgrössten Stadt Südkoreas. Es war ein besonderes Erlebnis, statt per Flugzeug mit dem Schiff in ein Land einzureisen, obwohl sich die Passkontrolle im Hafen nicht gross von jener am Flughafen unterschied.

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Einlaufen in Busan

Durchfahrt unter der Gwangan-Brücke.

Durchfahrt unter der Gwangan-Brücke.

Eine Unterkunft hatten wir bereits über Agoda reserviert, schliesslich war Wochenende und wir hatten keine Lust, lange auf die Suche zu gehen. Unsere Bleibe - mit dem unscheinbaren Namen "M2 Motel" - hielt jedoch eine Überraschung für uns bereit. Hatten wir in Japan noch über die "Love Hotels" geschmunzelt, wurde uns nach dem Check-In langsam bewusst, dass wir in eben solch einem gelandet waren. Der Empfangsbereich hatte uns bereits stutzig gemacht - auf einer Leuchttafel waren die verschiedenen Zimmer abgebildet, die meisten in poppigem 80er-Jahre-Design mit Wandtapeten und schnittigem Interieur. Der Frontdesk war ein Schalter mit verdunkelter Scheibe und einer Öffnung gerade mal so gross, dass man den Zimmerschlüssel und die Kreditkarte durchschieben konnte. Im Zimmer erwarteten uns eine etwas kitschige Moulin-Rouge-Wandtapete (die meinen Geschmack als Heimweh-Parisien durchaus traf), wahlweise schummriges Licht und auffallend viele Beauty-Produkte für weibliche Gäste. Und für vergessliche Liebespaare die entsprechenden "Schutzvorkehrungen" ^_^

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Kuschliges Ambiente auf Koreanisch


Ab ins Grüne

Am nächsten Tag zog es uns bereits aus dieser quirligen Metropole hinaus ins Grüne zum Beomeo-sa Tempel, der etwas ausserhalb, umringt von sattgrün bewachsenen Hügeln, liegt. Der stattliche, farbenfrohe Tempel war bereits gut besucht und so gingen wir nach kurzer Zeit weiter, denn eigentlich galt er uns nur als Ausgangspunkt für eine Tageswanderung im darüberliegendenen Fort Geumjeongsanseong . Von diesem ist ausser der Befestigungsmauer nichts mehr erhalten, aber das ehemalige Festungsgebiet dient heute als beliebtes Wandergebiet mit vielen verschiedenen Routen. Wir wählten die ca. 8 km lange Route vom Nordtor zum Südtor und spazierten und kletterten die nächsten 4 Stunden gemütlich der bestens (auf koreanisch) ausgeschilderten Route entlang. Zwischendurch boten sich uns Aussichten auf die Stadt hinunter und Ansichten, die mit etwas Fantasie an die Grosse Mauer in China erinnerten.

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Kunstvolles Zimmerhandwerk

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Die kleine Mauer von Südkorea

Das Osttor.

Das Osttor.

Am Abend machten wir Bekanntschaft mit einer südkoreanischen Institution, der wir sehr angetan waren: einem sogenannten "Hof". Hofs (oder Höfe?) sind Bierkneipen, die offenbar keine Lizenz für härtere Sachen haben, diese dafür mit einer beeindruckenden Bierauswahl wettmachen. Jene Biertrinkenden, die bereits einmal in Asien waren, wissen, dass der lokale Gerstensaft zwar durchaus schmackhaft ist, aber manchmal verleidet. Nun, da bietet ein koreanischer "Hof" die Lösung: Dutzende internationale Biere, offen oder in der Flasche, zu erschwinglichen Preisen. Ob Guinness, VB, Budvar, Hoegaarden oder Lapin Kulta - für jeden ist etwas dabei! Und als Holländer bin ich natürlich immer schwer beeindruckt, wenn ich Grolsch in der Bügelflasche vorfinde :)
Aber auch der steigende Bierpegel machte die Verständigung mit den koreanischen Gästen am Tresen nicht einfacher und so beschränkte sich unser Gespräch wie so oft auf ein Minimum (auch die Übersetzungs-App unseres Nachbars konnte da nicht helfen ...).

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Beim Schnauz des Konfuzius!

An unserem zweiten Tag in Busan hatten wir eine leidliche, aber immer wieder notwendige Mission: Bargeld auftreiben. Dies kann in Asien ein mühseliges Unterfangen sein, denn es gilt, sämtliche Geldautomaten abzuklappern und auszuprobieren, ob sie Maestro akzeptieren (denn wir weigern uns standhaft, mit der Kreditkarte Geld zu beziehen wegen der absurd hohen Gebühren).
Nachdem wir im Hauptbahnhof den Jackpot geknackt hatten, machten wir uns auf den Weg an einen der Stadtstrände Busans. Das Wetter hatte bereits umgeschlagen und so fuhren wir eigentlich nur noch hin, um uns den Wahnsinn einmal anzusehen. Denn Busan zählt 3,6 Millionen Einwohner und gerade mal sieben Strände - Rimini (oder Scheveningen) im Grossformat, sozusagen.

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Badespass in intimem Rahmen

Posted by b.visser 07:17 Archived in South Korea Tagged love motel busan haeundae beomeosa geumjeongsanseong Comments (1)

Kyushu

Unsere letzten Tage in Japan

overcast 25 °C
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Nach unserem Fuji-Abenteuer folgten wir der Einladung eines netten Ehepaares, das wir in der ersten Woche auf Irabu-jima kennengelernt hatten. Wir waren eben gerade ins Gespräch gekommen und schon wurden wir zu ihnen nach Hause in ihre Heimatstadt Kumamoto eingeladen. Das traf sich gut, denn wir hatten ohnehin vor, von Kyushu aus das Land Richtung Südkorea zu verlassen.

Kyushu ist nach Honshu und Hokkaido die drittgrösste der japanischen Hauptinseln; zu den berühmten Städten zählen Nagasaki und Fukuoka.

Mit dem rasendschnellen Shinkansen-Zug in Kumamoto angekommen, wurden wir von T. und K. in Empfang genommen und nach einem kurzen Zwischenhalt bei ihnen Zuhause sogleich in einen Onsen geführt. Onsen sind Thermalbäder, die man in Japan so häufig findet wie Sand am Meer. Meist - wie in unserem Fall - gehen Männlein und Weiblein getrennt baden. So schloss sich Katja T. an und ich K.
Wie immer, wird zuerst gewaschen, dann gebadet. Wir hatten unsere Onsen-Erfahrungen ja bereits vor fünf Jahren auf unserer Hochzeitsreise gemacht und so war mir bewusst, dass ich eine Stunde lang mit lauter fremden japanischen Herren pudelnackt in einem lauschigen Aussenbad vor mich hin pochieren würde - allerdings mit Aussicht aufs Meer und über die Bucht auf Nagasaki.

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Blick vom Bad aufs Meer (weit hinten am Horizont)

Den Abend verbrachten wir mit köstlicher Hausmannskost und viel Wein. Diesmal jedoch kein Reiswein, sondern "richtiger" Wein, wie wir ihn von Zuhause kennen. Denn es stellte sich heraus, dass unsere Gastgeber der europäischen Küche sehr angetan sind. So standen nebst Pferde-Sashimi, Bittergurkensalat und gedünsteten Okraschoten auch Auberginen-Gratin und Spaghetti mit selbstgemachtem Pesto auf dem Menu.

Am nächsten Morgen erkundeten wir Kumamoto auf eigene Faust, es wartete ein weiteres Schloss auf uns. Wie in Osaka auch handelte es sich leider nur um einen Nachbau, denn der ursprüngliche Bau fiel ebenfalls den Flammen zum Opfer. Japanische Schlösser (oder Burgen, wir sind uns nicht einig) bestanden ebenfalls wie Tempel, Schreine und Wohnbauten mehrheitlich aus Holz. Ein gut platzierter Brandpfeil und dahin war die ganze Pracht!

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Das Kumamoto-Castle-Figürchen

Das Kumamoto-Castle-Figürchen


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The last Samurai?

Der Bär "Kumamon" ist das Maskottchen von Kumamoto.

Der Bär "Kumamon" ist das Maskottchen von Kumamoto.

Am Nachmittag nahm uns unsere Gastgeberin mit auf eine Fahrt ins Hinterland von Kumamoto auf den Mt. Aso. Wiederum kein eigentlicher Berg, sondern ein Vulkan und dazu noch ein halbwegs aktiver. Der Schwefelgestank und der dick emporsteigende Rauch liessen keine Zweifel darob offen!

Der aktive Vulkan Aso-Gebirge. An diesem Tag leider ohne grünes, blubberndes Wasser, dafür anscheinend mit unüblich starker Rauch-Emission.

Der aktive Vulkan Aso-Gebirge. An diesem Tag leider ohne grünes, blubberndes Wasser, dafür anscheinend mit unüblich starker Rauch-Emission.

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Mit unserer Gastgeberin auf Vulkantour beim Mount Aso.

Mit unserer Gastgeberin auf Vulkantour beim Mount Aso.

Dann hiess es auch schon Abschied nehmen von unseren Freunden (ein Wiedersehen in der Schweiz ist langfristig geplant). Wir entschlossen uns kurzerhand, mit unserem Railpass noch einen Abstecher in den Süden nach Kagoshima zu machen. Dort lud ein weiteres Aquarium zum Bestaunen der vielfältigen Meeresfauna ein. Zum Auftakt gab es eine kurze Delfin-Show und im Hauptbecken erwartete uns diesmal ein tatsächlicher Walhai. Korrigendum zum Osaka-Post: Walhaie sind keine Veganer, manchmal verschlucken sie auch Schalentiere, Sardinen und anderes kleines Getier. Man lernt nie aus ...

Unser letzter Abend in Fukuoka mit unseren Gastgebern in einem Izakaya (Kneipe mit günstigem Bier, Sake und viel Häppchen).

Unser letzter Abend in Fukuoka mit unseren Gastgebern in einem Izakaya (Kneipe mit günstigem Bier, Sake und viel Häppchen).

Blick über Kagoshima mit dem Hausvulkan Sakurajima.  Bei schlechter Laune nebelt er bisweilen die Stadt mit Schwefel ein.

Blick über Kagoshima mit dem Hausvulkan Sakurajima. Bei schlechter Laune nebelt er bisweilen die Stadt mit Schwefel ein.

Das Aquarium in Kagoshima beherbergt drei Delfine, die in einem "Aussengehege", das Teil des Ozeans ist, untergebracht sind.

Das Aquarium in Kagoshima beherbergt drei Delfine, die in einem "Aussengehege", das Teil des Ozeans ist, untergebracht sind.

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Sorry für die vielen Delfin-Föteli, aber ich LIEBE Delfine ;-) (Editor: birdfish :-D )

Sorry für die vielen Delfin-Föteli, aber ich LIEBE Delfine ;-) (Editor: birdfish :-D )

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Wailing Whalie.<br />Etwas seltsam - aber nicht so seltsam, wie die Fisch-Streichel-Abteilung, die es in jedem japanischen Aquarium zu geben scheint - ist dieser Whaleshark, der seine traurigen Runden im Pool von Kagoshima dreht. Hmmm... Ich (Katja) bin froh, dass ich meinen ersten Walhai in freier Wildbahn in Australien gesehen habe.

Wailing Whalie.
Etwas seltsam - aber nicht so seltsam, wie die Fisch-Streichel-Abteilung, die es in jedem japanischen Aquarium zu geben scheint - ist dieser Whaleshark, der seine traurigen Runden im Pool von Kagoshima dreht. Hmmm... Ich (Katja) bin froh, dass ich meinen ersten Walhai in freier Wildbahn in Australien gesehen habe.

Fukuoka sollte schliesslich unsere letzte Station in Japan sein. Fukuoka ist eine freundliche, unprätentiöse mittelgrosse Stadt, die weniger aufgrund ihrer Attraktionen als ihrer entspannten Atmosphäre gefällt. Wir nutzten die Gelegenheit, um die ersten Souvenirs nach Hause zu schicken und verbrachten unsere letzten Stunden auf dem Fukuoka-Tower, beim Baseball-Stadion der Fukuoka Hawks (für Unwissende: nebst Sumo-Ringen gilt Baseball als Nationalsport Japans) und im Stadtpark mit japanischem Garten. Das Ganze leider bei eher unwirtlichem Wetter - wir bekamen noch die Ausläufer eines Taifuns zu spüren.

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Am nächsten Morgen gingen wir an Bord der Camellia-Fähre, die uns in sechs Stunden nach Busan in Südkorea bringen sollte. Wehmütig nahmen wir auf dem Aussendeck des Schiffes von Fukuoka und Japan Abschied, das am Horizont immer kleiner wurde und schliesslich im Grau des trüben Regenwetters verschwand.

Die Camellia-Fähre fährt einmal pro Tag zwischen Fukuoka und Busan. Der teurere Hydrofoil fährt hingegen mehrmals.

Die Camellia-Fähre fährt einmal pro Tag zwischen Fukuoka und Busan. Der teurere Hydrofoil fährt hingegen mehrmals.

Letztes Selfie aus Japan :-(

Letztes Selfie aus Japan :-(

Posted by b.visser 07:35 Archived in Japan Tagged mt. fukuoka kyushu aso kagoshima kumamoto Comments (0)

Wie man sich bettet, so liegt man

Übernachten in Japan

Dem Japanreisenden bieten sich viele verschiedene Möglichkeiten, die Nacht zu verbringen. Für unser Verständnis eher ungewöhnlich sind die bereits
beschriebenen Internet-Cafés oder die "Capsule Hotels" - eine wie Bienenwaben angeordnete Ansammlung von Kojen, gerade mal lang und breit genug für eine Person, dafür günstig. Ideal für den überarbeiteten Salaryman, der den letzten Zug verpasst oder wegen eines ausufernden Sake-Gelages mit den Bürokollegen nicht gefunden hat.

Um einiges einladender sind da die sogenannten Business-Hotels, von denen auch wir immer wieder Gebrauch machten. Vor allem in den Städten sind Hotel-Ketten wie Toyoko Inn oder Nishitetsu gut vertreten und bieten kleine, aber mit allen Annehmlichkeiten ausgestattete Zimmer für - wie der
Name erahnen lässt - Geschäftsleute. Aber auch gewöhnliche Touristen sind stets willkommen, denn ein Einzelzimmer mit Queen-Size-Bett wird dann
kurzerhand als "Small Double" verkauft. Seine Kleider kann man in Münzautomaten waschen und auf jeder Etage steht ein Getränkeautomat bereit, damit man auch zu später Stunde nicht auf ein kühles Asahi-Bier verzichten muss.
Der Nachteil solcher Kettenhotels liegt auf der Hand: Die Zimmer gleichen sich wie ein Ei dem anderen und überzeugen nicht gerade durch gemütliches
Ambiente.

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Manchmal wird's eng zu zweit im Business-Hotel (aufgenommen von der Zimmertüre aus, links befindet sich die Nasszelle)

Besonders kurios sind die sogenannten "Love Hotels". Was schlüpfrig klingt, ist in Tat und Wahrheit die pragmatische Lösung für ein simples Problem:
Die Bevölkerungsdichte und die Wohnkosten in Japan sind enorm hoch. Junge Leute wohnen oftmals bis zur Heirat bei ihren Eltern in beengten Platzverhältnissen, wo wenig Raum für Privatsphäre bleibt. So mieten sich verliebte Paare in Love Hotels ein, um ungestört einige Stunden oder die Nacht in trauter Zweisamkeit zu verbringen. Um der Liebe etwas auf die Sprünge zu helfen, haben die Zimmer manchmal ein besonderes Thema: 1001 Nacht, tropisches Inselparadies ... oder Weihnachten (?!).

Wer aber wirklich in den Genuss japanischer Gastfreundschaft kommen möchte, sollte in einem Ryokan oder Minshuku übernachten. Ryokan sind traditionelle Gasthöfe, nicht selten mit eigenem "Onsen", einer Thermalquelle; Minshuku sind mit Bed-and-Breakfast zu vergleichen. Betten gibt es jedoch in keinem der beiden, denn geschlafen wird auf einem Futon, einer dünnen Matratze, welche direkt auf dem mit Reisstrohmatten (Tatami) ausgelegten Boden ausgerollt wird.
Ein japanisches Zimmer ist stets schlicht gehalten. Ein niedriger Salontisch mit ein paar Sitzkissen, ein kleiner Kühlschrank und ein Wasserkocher
mit einigen Teebeuteln müssen reichen. In einer Nische hängt meist eine Schriftrolle oder ein Bild.

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Japaner mögens schlicht - nichts soll von einem erholsamen Schlaf ablenken

Vor allem in den günstigeren Minshuku verfügen die Gästezimmer über keine eigenen Badezimmer und die Gäste teilen sich den Waschraum. Dafür steht für den müden Reisenden bei der Ankunft schon ein heisses Bad bereit. Aber wehe dem, der da einfach so hineinsteigt! Das Bad ist dazu da, sich zu entspannen und die müden Muskeln zu verwöhnen. Gewaschen wird vorher: Eine Duschbrause, ein kleiner Holzzuber und ein Schemel stehen bereit, damit man sich im Sitzen der gründlichen Körperreinigung widmen kann. Erst wenn man sauber gewaschen ist, setzt man sich ins heisse Wasser, denn dieses muss noch für weitere Gäste reichen!
Anschliessend kleidet man sich mit dem bereitliegenden Yukata, einer Art Bademantel, den Westler oft fälschlicherweise Kimono nennen, und begibt
sich ins Esszimmer, wo für die hungrigen Gäste bereits aufgedeckt ist. Bei dieser Art von Übernachtung sind die Mahlzeiten meist inbegriffen, denn
mit grosser Wahrscheinlichkeit befindet man sich in einem kleineren Ort, wo es ohnehin keine Verpflegungsmöglichkeiten gibt.
Hat man sich in einem edleren (und merklich teurerem!) Ryokan einquartiert, werden die Futons bereits für die Nacht ausgelegt sein, wenn man auf
sein Zimmer zurückkehrt. In einem Minshuku macht dies der Gast selbst.

Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht (der Schreibende bevorzugt aller Japanliebe zum Trotz eine weiche Matratze) wartet der Gastgeber
mit einem typisch japanischen Frühstück auf. Dazu gehören mindestens eine Miso-Suppe und eine Schüssel warmer Reis, in den man ein rohes Ei oder
eine Portion Natto, fermentierte Sojabohnen, mischen kann. Nicht fehlen darf natürlich Fisch, der meist grilliert auf den Tisch kommt oder den
der Gast über einem Teelicht zuerst noch selbst braten darf. Etwas Gemüse und Umeboshi, salzig-sauer eingelegte Pflaumen, runden den morgendlichen Schmaus ab. Gestärkt und bereit für den neuen Tag kann der Gast nun seine Reise fortsetzen oder die nächste Bakery für ein Croissant aufsuchen ...

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Typisches Frühstück (im Uhrzeigersinn, oben rechts angefangen): Grüntee, Tamago (süssliche Omelette), Gedämpfter Reis (des Japaners täglich Brot), grillierter Fisch, eingelegter Rettich und Pflaume, Misosuppe, gedämpfte Aubergine und Bohnen, gedämpfte Sojasprossen und nicht näher identifiziertes Grünzeug - En Guete!

Posted by b.visser 05:42 Archived in Japan Tagged accommodation hotel love ryokan business minshuku Comments (1)

Ain't No Mountain High Enough

Unsere Expedition auf den Mount Fuji

semi-overcast 5 °C
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Nach einem Abstecher in die Tempel- und Bergwelt von Nikko führte uns die Weiterreise in die Region um den Mount Fuji, den höchsten und heiligsten Berg Japans. Eigentlich handelt es sich um einen Vulkan, der allerding seit über 300 Jahren vor sich hin schlummert und heute als beliebtes Ziel bei japanischen Pilgerern und Touristen gilt. Dank seines nahezu symmetrischen Kegels gilt er als besonders schön und wurde immer wieder in der japanischen Kunst aufgegriffen, sowohl in der Malerei als auch in der Literatur, sodass er sogar in die Liste des UNESCO-Welterbes als Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Lake Kawaguchiko mit dem Fuji-san

Lake Kawaguchiko mit dem Fuji-san

Im Vergleich zu anderen Dreitausendern gilt der Fuji-san, wie er im Japanischen genannt wird, als relativ einfach zu besteigen. Mit einer vernünftigen Outdoor-Ausrüstung und ein wenig Kondition schaffen sogar Kinder und Rentner, wie wir feststellen konnten, den Aufstieg.

Die Anreise

Als grösste Herausforderung erwies sich für uns allerdings die Anreise. Die ausführende Reiseplanerin hatte zwar alles minutiös herausgesucht, dummerweise jedoch den falschen Zielbahnhof gewählt. Zum Glück stand bei unserer Ankunft ein Bus bereit, der uns zum richtigen Bahnhof bringen würde, von wo aus wir Anschluss an unser Ziel hätten. So einfach wars leider nicht und so standen wir an einem weiteren Bahnhof ohne Ahnung, wie es weiter gehen sollte. Die Tatsache, dass in der Region um den Mt. Fuji jede Haltestelle, jeder Bahnhof und jede Strasse "Fuji..." heisst, trug auch nicht gerade zu einer besseren Orientierung bei.
Zum Glück fiel einer jungen Japanerin unsere Ratlosigkeit auf. Denn Westler, die frenetisch in einem Reiseführer blättern, während sie unter dem Gewicht ihrer Rucksäcke beinahe zusammenbrechen, bleiben meist nicht lange unbemerkt. Die junge Dame bot uns an, herauszufinden, wo unser Bus oder Zug fahren könnte. Nach kurzer Rücksprache mit der Zeitungsdame und der Frau vom Ticketoffice war klar, dass von hier gar nichts fahren würde, das uns hätte weiterbringen können. Sie bot uns daher an, uns mit dem Auto an einen weiteren Bahnhof zu bringen (an jenen nämlich, an den wir von Anfang an hätten fahren sollen). Kurz darauf fuhr ihre Kollegin, mit der sie zum Lunch verabredet war, mit dem Auto vor und schon waren wir unterwegs. Es dauerte nicht lange, da wurden wir gefragt, ob sie uns gleich an unseren Bestimmungsort bringen sollten. Die beiden hätten ohnehin den Nachmittag frei und ein kleiner Ausflug würde ihnen überhaupt nichts ausmachen. Und so befanden wir uns schon auf einem Road-Trip mit zwei netten Japanerinnen, die einfach so zwei wildfremden Backpackern ihre Hilfe angeboten hatten.
Unterwegs machten wir Halt bei einer Raststätte, die eigentlich ein Bauernhof war (ob echt oder nur nachgestellt, das haben wir nicht herausgefunden), und luden die Mädels zu einer Nudelsuppe ein. Am späteren Nachmittag und einer ausgiebigen Foto-Session vor unserer Unterkunft hatten wir unser vorläufiges Ziel erreicht. Die letzten Stunden vor Sonnenuntergang nutzten wir, um ein paar Bilder von jenem Berg zu schiessen, den wir am nächsten Tag erklimmen sollten.

Die Roadgirls beim Lunch

Die Roadgirls beim Lunch

Beim Hotel angekommen

Beim Hotel angekommen

Der Aufstieg

Verschiedene Wege führen zum Gipfel auf 3776 Meter Höhe hinauf und wir hatten uns für die beliebte Yoshida-Route entschieden. Bestiegen werden kann der Fuji-san lediglich im Juli und August, in den übrigen Monaten ist seine Kuppe von Schnee bedeckt und auch das Wetter auf dem Gipfel ist nicht besonders einladend. Die kurze Saison bringt daher mit sich, dass relativ viele Leute in kurzer Zeit den Berg erstürmen. Man spricht von bis zu 3000 Touristen täglich, davon 99 Prozent (so kam es uns vor) einheimische. Die Routen zum Gipfel sind eigentlich Pilgerwege, die in verschiedene Stationen unterteilt sind. Besucher, die lediglich den Berg besteigen möchten, machen dies üblicherweise von der 5. Station aus, der letzten, die von Bussen angefahren werden kann. Sie bildet quasi das Basecamp für die Horden von Bergsteigern und Abenteuerlustigen. Hier kann man noch einmal sein Equipment aufrüsten, bevor der Spass beginnt.

Als wir uns so umsahen, wurde uns klar, dass Japaner die Besteigung des heiligen Fuji sehr ernst nehmen. Viele machten den Eindruck, als würden sie an einer Polarexpedition teilnehmen, andere waren in Anzüge gehüllt, als wären sie an den Aufräumarbeiten in Fukushima beteiligt. Da kamen wir uns gleich ein wenig underdressed vor mit unserer 08/15-Outdoor-Bekleidung ...

Nebliger Start

Nebliger Start

Um elf gings los und gemeinsam mit hunderten weiteren Wanderern\Extremsportlern\Atomwissenschaftlern machten wir uns auf den steilen Weg zum Gipfel. Der Aufstieg war anstrengend, aber dank unseres intensiven Vortrainings (Uetliberg und grosser Mythen) und meiner mittlerweile bewährten Wanderstöcke war das ganze weniger schlimm als anfangs befürchtet. Die Wege waren meist mit Schotter und Lavasteinen bedeckt, wodurch man so manches Mal ins Stolpern und Rutschen geriet. Dazwischen führte die Route aber über steile, felsige Abschnitte, auf denen hohe Konzentration gefragt war. Die Umgebung glich einer Mondlandschaft - ab der sechsten Station nahm die Vegetation rasch ab und um uns herum war alles nur noch grau in grau.

Im Nebelmeer

Im Nebelmeer


Nach der 7th station wirds unwegsam...

Nach der 7th station wirds unwegsam...

Nach fünf schweisstreibenden Stunden kamen wir schliesslich bei der 8. Station an, wo wir den Abend verbrachten, bevor es in der Nacht weitergehen sollte auf den Gipfel, den man idealerweise kurz vor Sonnenaufgang erreicht.
Da wir früh losmarschiert waren, kamen wir bereits um vier Uhr bei der 8. Station an, worauf uns sogleich das Abendessen aufgetischt wurde. Denn wer früh aufbrechen will, muss früh ins Bett! Dass wir im Gegensatz zu den meisten Asiaten uns nicht einfach hinlegen und in Tiefschlaf fallen können, spielte dabei keine Rolle. So lagen wir die nächsten Stunden mit Dutzenden weiteren Bergsteigern eingepfercht in einem muffligen, unbequemen Massenschlag und warteten, bis wir um drei Uhr morgens weiterlaufen konnten.

Vor dem Fujisan-Hotel, 8th station, 3400 m.ü.M.

Vor dem Fujisan-Hotel, 8th station, 3400 m.ü.M.

Die letzte Etappe bis zum Gipfel glich einer eigentlichen Prozession - im Dunkeln konnte man lediglich die langen Lichterketten erkennen, die durch die vielen Stirnlampen gebildet wurden und sich den Berg hinaufschlängelten. Da auf dieser Höhe die verschiedenen Routen zusammentreffen, war das Gedränge auf dem Weg entsprechend gross, sodass es zu regelrechten Staus kam. Mit viel Geduld und ein wenig Ellenbogeneinsatz erreichten wir genau zum Sonnenaufgang, der sich wegen der dichten Wolken ein wenig verzögerte, den Gipfel und konnten uns mit vielen weiteren erschöpften Wanderern der wunderschönen Aussicht erfreuen.

Zwei Löwen bewachen den Torii, durch den man gehen muss. Das Ziel ist erreicht! Der Fuji-san mit 3776 m.ü.M. ist erklommen! Zeit: ca. 04.40 Uhr.

Zwei Löwen bewachen den Torii, durch den man gehen muss. Das Ziel ist erreicht! Der Fuji-san mit 3776 m.ü.M. ist erklommen! Zeit: ca. 04.40 Uhr.


Man beachte die Handschuhe (fast schon japanisch...)

Man beachte die Handschuhe (fast schon japanisch...)


Es gibt tausende von Sonnenaufgängen auf dem Mount Fuji!

Es gibt tausende von Sonnenaufgängen auf dem Mount Fuji!


Blick auf den Yamanaka-ko-See

Blick auf den Yamanaka-ko-See


Beim Kraterrand

Beim Kraterrand

Wir trotzten der eisigen Kälte und dem beissenden Wind jedoch nur kurz, bevor wir uns nach einem heissen Kaffee und einer Miso-Suppo wieder auf den Weg hinunter machten. Der Abstieg war im grossen und ganzen eine einzige Rutschpartie, der lose Schotter brachte so manchen zu Fall.

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Nach zackigen 3 Stunden erreichten wir schliesslich wieder unseren Ausgangspunkt und wir verstanden nun, weshalb wir am Vortag so viele Rückkehrer gesehen hatten, die zwar zu Tode erschöpft aussahen, dafür aber ein zufriedenes Lächeln im Gesicht trugen. Auch wir waren nun stolz auf uns, hatten wir den verehrten und gefürchteten Fuji-san, den Piz Palü Japans, bezwungen!

(dramatische Musik und Abspann)

Posted by b.visser 20:08 Archived in Japan Tagged mt. fuji fuji-san Comments (0)

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