A Travellerspoint blog

July 2015

Zwei Gringos in São Paulo

Unterwegs in Brasiliens Megacity

rain 20 °C

Unsere erste Station in Brasilien, dem (leider!!!) letzten Land unserer Weltreise, war São Paulo. Dieser Moloch steht aus touristischer Sicht zu Unrecht im Schatten seiner glamourösen Schwester Rio de Janeiro. Für uns war dieser Umstand natürlich umso mehr ein Grund, einen Augenschein zu nehmen. Wir waren aber wieder einmal die einzigen Gringos auf weiter Flur und ein junger Kellner in einem Imbissrestaurant war ganz begeistert, dass er bei uns seine Englischkenntnisse einsetzen konnte - was uns auch recht war. :)

Nach einem kurzen Nachtflug von Bogotá mussten wir morgens früh die ersten Stunden überbrücken, bis wir unser Zimmer im Hotel Ibis (immer ein sicherer Wert) beziehen konnten. Wir nutzten die Zeit für ein einfaches Frühstück in der von uns üblicherweise geächteten Kaffeehauskette Starbucks. Zum Glück werden dort nebst mit Caramelsirup versetztem Türkentrank auch frischgepresster Orangensaft und Chai-Tee serviert ... Dazu ein Bagel mit Creamcheese und wir waren so weit happy.

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Unser Hotel spiegelt sich in dieser schmucken Fassade.

Unser Quartier bezogen wir im mondänen Geschäftsviertel Paulista, wo Bürotürme und breite Avenidas mit etwas Fantasie an Manhattan erinnern. Nach einer ausgedehnten Siesta machten wir uns im schicken Nachbarsviertel Jardins auf die Suche nach einem bestimmten Supermarkt, der angeblich Köstlichkeiten aus aller Welt im Angebot haben sollte (oberste Priorität: La vache qui rit!). Als wir ihn gefunden hatten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus - so viele Delikatessen auf einem Haufen hatten wir auf unserer gesamten Reise nicht gesehen! Dort pflegten offenbar die vermögenderen Paulistanos einzukaufen - eine Flasche belgisches Bier kostete so viel wie andernorts ein ganzes Mittagessen.

Überhaupt gilt "Sampa", wie die Einwohner São Paulos ihre Stadt nennen, als Feinschmeckerparadies. Diese Stadt der Superlative zählt über 12000 Restaurants mit 50 Küchen aus aller Welt. Wir entschieden uns an diesem Abend für ein französisches Bistrot, das uns mit Bœuf Bourgignon und Entrecôte Café de Paris in Versuchung geführt hatte.

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Blick aus unserem Zimmer auf die Avenida Paulista - es wurde wieder einmal lautstark demonstriert.

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Paulista bei Tag.

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Einmal durchatmen, bitte! Der Parque Siqueira Campos ist eine Oase der Ruhe abseits der geschäftigen Avenida Paulista und beherbergt Bäume aus dem atlantischen Regenwald, wie er hier existierte, bevor sich die Betonwüste ausgebreitet hat.

Am nächsten Tag folgten wir dem vorgeschlagenen Stadtrundgang unseres Reiseführers des Vertrauens und lernten so eine andere, spannende Seite São Paulos kennen. Das Centro Velho, das Stadtzentrum, ist für Touristen erstaunlich zugänglich, auch wenn man sich nicht immer ganz wohl fühlt - bestaunt man in einem Moment noch ein schön erhaltenes Kolonialgebäude, befindet man sich zwei Blocks weiter schon auf einem schummrigen Platz umgeben von dubiosen Gestalten, sodass man sich einmal mehr vergewissert, dass das Portemonnaie noch in der Hosentasche sitzt.

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Immer wieder weiten sich die Häuserschluchten zu offenen Plätzen.

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Mitten im Geschäftsviertel befindet sich das historische Teatro Municipal.

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Die koloniale Vergangenheit ist auch in Sampa noch gegenwärtig. Das Standbild stellt eine schwarze Frau dar, die ein weisses Kind stillt. Ein Sinnbild dafür, wie die Kolonialherren auf dem Rücken der Sklaven zu Reichtum gekommen waren.

Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne ist der Aufstieg zur Aussichtsterrasse des Edifício Itália, dem derzeit höchsten Gebäude São Paulos. Vom 42. Stock aus hat man einen grandiosen Ausblick über diese unglaubliche Megalopolis. Hochhäuser und Betonwüste so weit das Auge reicht. Es fehlt zwar das Glitzern und Funkeln von vergleichbaren Städten wie Tokio oder Seoul, aber die schiere Grösse dieses urbanen Ungetüms überwältigt einen dennoch - trotz Regenwetter wie in unserem Fall.

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Schöne Strände wie in Rio sucht man vergebens - Sampa ist ein einziges Meer aus Beton. Irgendwo muss man die 20 Millionen Einwohner schliesslich unterbringen ...

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Den Grossteil des Baustils in São Paulo würde ich als "sozialistischen Brutalismus" beschreiben (einige der Architekten müssen ein Praktikum in Pjöngjang gemacht haben). Hin und wieder blitzt jedoch ein wenig Art Déco durch. Erinnert das Gebäude im ersten Bild nicht fast ein wenig an einen berühmten Wolkenkratzer in New York?

Auch in São Paulo findet man selbstverständlich eine Kathedrale. Man muss nur aufpassen, dass man sie vor lauter Hochhäuser nicht übersieht!

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Ein Abstecher in das hauptsächlich von Exil-Japanern geprägte Viertel Liberdade entpuppte sich als eher enttäuschend, denn ausser ein paar chinesischen Ramschläden und einer Handvoll Sushi-Take-aways gab es nicht viel zu sehen. Unsere Erwartungen an dieses Viertel, in dem sich die grösste japanische Auswanderergemeinde der Welt niedergelassen hat, waren wohl zu hoch ... So entschieden wir uns, zurück in der Nähe unseres Hotels auf die Suche nach einem leckeren japanischen Restaurant zu gehen und wurden dank TripAdvisor fündig: Im Restaurant "Nagayama" assen wir so gut japanisch wie seit langem nicht mehr! Dass der Sake dabei aus brasilianischer Produktion stammte, tat dem kulinarischen Erlebnis keinen Abbruch, im Gegenteil: Serviert im traditionellen "Masu", einem viereckigen Holzgefäss, hat dieser Reiswein unser vorzügliches Mahl perfekt ergänzt! Für einen kurzen Moment wähnten wir uns wieder zurück in Osaka.

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Dieser moderne Torii markiert den Eingang ins asiatische Viertel.

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Schlemmen wie der Tenno!

Leider hatten wir nur die beiden Tage in São Paulo, wir hätten gerne mehr von dieser spannenden Stadt gesehen. Aber dieser Besuch war wohl kaum der letzte. Tags darauf flogen wir bereits wieder nordwärts in die schwüle Hitze des Amazonasgebiets in die wenig bekannte Stadt Belém. Weshalb? Das verraten wir in unserem nächsten Beitrag ...

Zum Schluss ein wenig brasilianischer Humor: In einer Shopping-Mall waren Werke von lokalen Cartoonisten ausgestellt, die sich mit dem aktuellen Thema "Selfie" (darin sind Brasilianer Weltmeister) auseinandergesetzt haben.

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Wie du denkst, dass du aussiehst * Wie du gerne aussehen würdest * Wie du dir wünschst, dass andere dich sehen * Wie du tatsächlich aussiehst

Posted by b.visser 13:20 Archived in Brazil Tagged sao_paulo sushi paulista liberdade Comments (0)

Von Spraydosenkunst und Goldschätzen

In Santa Fe de Bogotá

sunny 23 °C

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Zurück in der Zivilisation nach zehn Tagen wildem Norden fühlten wir den Karibik-Groove noch nachhallen. Irgendwie waren unsere Bewegungen langsamer als sonst und auch der Geist schien sich dem gemütlichen Rhythmus der Wellen angepasst zu haben und sich nicht mehr mitreissen lassen zu wollen. Wahnsinnig viel haben wir in den drei Tagen in der Hauptstadt Kolumbiens nicht unternommen ausser Alt- und Neubekannte getroffen, auf der autofreien Siebten flaniert, eine Street-Art-Tour besucht und uns im besten Museum Südamerikas vertan. Und das ist ja auch schon was!

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Die Street-Art-Tour war zwar bei weitem weniger ausführlich und interessant wie in Buenos Aires, aber wir erfuhren trotzdem einiges Neues zu den Künstlern, die in dieser Stadt am Werk sind. Die drei am häufigsten auftretenden Themen sind die Biodiversität Kolumbiens (eine der höchsten der Erde), die indigene Bevölkerung sowie der anhaltende Konflikt zwischen der FARC, den Paramilitärs und den Regierungstruppen.

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"Nadie gana" - keiner gewinnt bei der bewaffneten Auseinandersetzung.

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Die Plaza de Bolívar (keine südamerikanische Stadt kommt ohne den allgegenwärtigen Freiheitshelden aus!) wird von der Kathedrale und dem Obersten Gerichtshof flankiert. Leider ist der Platz gerade im Umbau.

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Der Palacio Nariño, die Residenz des Präsidenten Juan Manuel Santos, wird natürlich streng bewacht.

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Der Stadtteil Candelaria ist Gringolandia, d.h. aufgrund der relativen Sicherheit für Touristen attraktiv, und bietet den Besuchern kleine, gepflasterte Gässchen, Restaurants und Bars sowie eine Handvoll Souvenirläden. Das Herz Candelarias ist die Plazoleta del Chorro de Quevedo, wo tagsüber Livebands spielen und sich Einheimische sowie Auswärtige gerne niederlassen, um dem Geschehen zuzusehen.

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Eine der eindrücklichsten Kirchen, die wir bislang in Südamerika besucht haben, ist die reich geschmückte Iglesia de Santa Clara im Stadtzentrum.

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In Medellín hatten wir keine Zeit, das Museum des ortsansässigen Künstlers Botero zu besuchen. Dies holten wir aber in Bogotá im sehr empfehlenswerten Botero-Museum nach, das freien Eintritt gewährt.

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Anders proportioniert, weist diese Dame jedoch schon gewisse Ähnlichkeiten mit dem Original von Da Vinci auf.

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In Polynesien wurde uns von einer Kolumbianerin empfohlen: "Macht, was ihr wollt, in Bogotá, aber besucht das Goldmuseum, das Museo de Oro." Wie Recht sie doch hatte! Und gäbe es nur etwas, was man sich im ganzen Land ansehen sollte, dann das eindrückliche, wundervolle, berauschende, verzaubernde Goldmuseum. Wie oft haben wir uns im letzten Jahr durch staubige Ausstellungen gekämpft mit hunderten von Schau- und vor allem Texttafeln in Schriftgrösse 12, deren Lektüre jeweils mindestens einen Halbtag erfordern würde. Aber so kommt das Goldmuseum nicht daher!

Klein gehalten, entspricht es etwa einer halben Abteilung des Metropolitan Museum of Art in New York und es ist auch mit der gleichen Sorgfalt und der gleich ausgeklügelten Balance zwischen Informationsvermittlung und Hervorhebung ästhetischer Qualitäten ausgestattet. Man lernt zwar einiges über die Goldschmiedekunst, aber was das Museum wirklich vermitteln will, ist die Freude, die es dem Besucher bereitet, diese kunstvoll angefertigten Artefakte zu bestaunen. Man merkt's: Ich war total begeistert! Und dies, obwohl wir uns durch Horden Einheimische drängen mussten, denn es war Wochenende und das Museum ist auch bei (Gross-)Familien sehr beliebt.

Und mit den folgenden Bildern verabschieden wir uns von Kolumbien, diesem wunderbaren Land mit seinen freundlichen Einwohnern. Und nicht vergessen, die Bilder sind bloss ein fades Abbild dessen, was man im Museum wirklich erleben kann bei der direkten Begegnung mit diesen faszinierenden funkelnden Objekten, die zum Glück der Menschheit bis in alle Ewigkeit erhalten bleiben werden.

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Die folgenden beiden Fotos sind in einem Multimedia-Raum aufgenommen, die den Höhepunkt und Abschluss der Ausstellung bilden. Hochkarätig! ;-)

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Posted by birdfish 15:37 Archived in Colombia Tagged bogota street_art botero goldmuseum museo_de_oro Comments (1)

Sonne, Strand und Wasserschaden

Cartagena und Karibikküste

sunny 33 °C

Nach unseren Streifzügen durch den Grossstadtdschungel Medellíns war es Zeit, ein Weilchen die Füsse in den Sand zu stecken. Kolumbien rühmt sich ja, an die Karibik zu grenzen, und da bot sich ein Abstecher an die Küste im Norden geradezu an. Mit der Billigairline VivaColombia (die Stimmung an Bord war etwa wie bei EasyJet nach Mallorca) gings rauf nach Santa Marta, dem Ausgangspunkt für Ausflüge, an die Karibikküste.

Zunächst quartierten wir uns in Taganga ein, einem kleinen Fischerdorf, das besonders bei Backpackern beliebt ist. Der Ort selber war mit seinen abgewrackten Backsteinhütten mit Wellblechdächern wenig einladend und die Tatsache, dass nach Einbruch der Dunkelheit nur noch wenige Strassen für Touristen sicher sind, stimmte auch nicht zuversichtlich. Das Ziel der meisten Besucher ist aber ohnehin der Tayrona-Nationalpark, der mit seinen palmengesäumten Stränden und dichtem Regenwald lockt. Dank simpler Übernachtungsmöglichkeiten (Zelt oder Hängematte im Freien) kann man sogar mehrere Tage dort verbringen. So hatten auch wir vor, erst am nächsten Tag zurückzukehren. Doch es kam anders ...

In Taganga entschieden wir uns, statt per Bus mit einem Motorboot zum Park zu fahren, denn Böötlifahren macht bekanntlich Spass. Ausser wenn der Kapitän mit seinem Fiberglasboliden mit gefühlten 80 Knoten quer durch die Wellen hindurchbrettert, so dass man erstens ein Schleudertrauma davonträgt und zweitens bis auf die Unterhosen klatschnass wird. Bilanz dieser Überfahrt: Ein Hut (Souvenir aus Neuseeland) ging flöten, ein iPhone ist unwiederbringlich abgesoffen in der Hosentasche*, eine Hose ist beim Aussteigen zerrissen und mein Reisegspäänli war eineinhalb Stunden lang seekrank. Ein kleines Mädchen an Bord war derart verängstigt, dass es wohl sein Leben lang nicht mehr in ein Boot steigen wird. Es herrschte also Superstimmung für die anschliessende Wanderung!

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Unser Ärger wurde zum Glück durch schöne Aussichten gemildert.

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Leider hat man es im Nationalpark versäumt, die Campingplätze deutlich auszuschildern. Und so kam es, dass wir nach rund drei Stunden Fussmarsch auf der Suche nach einer Bleibe bereits wieder am Ende des Trecks angelangt waren. Gegessen hatten wir den ganzen Tag auch noch nichts, sodass wir genervt beschlossen, den nächsten Bus zurück ins Dorf zu nehmen und diesen Tag als gescheitert abzutun. Gekrönt wurde er noch durch einen besserwisserischen Busfahrer, der uns eine Stunde zu spät aussteigen liess, sowie den lausigen Service im Hostel-Restaurant, wo wir eine Ewigkeit auf unser mittelmässiges Essen warten durften. Reisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein ...

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Wir gaben die Hoffnung auf ein paar schöne Tage an der Küste jedoch noch nicht auf und zogen weiter ostwärts nach Palomino, ein noch verschlafeneres Örtchen, wo man sich in einer Handvoll Pensionen beim Kokosnüssezählen erholen kann. Abends herrscht bescheidener Barbetrieb - um elf ist bereits Zapfenstreich - und der (traurige) Höhepunkt war das Spiel Kolumbien - Argentinien im Fernsehen, bei dem Kolumbien sich nach einem nervenaufreibenden Penalty-Schiessen aus dem Turnier verabschiedete.

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Unser Fazit: Karibikidylle wie auf Kuba oder den Antillen darf man in Kolumbien nicht erwarten, aber der Abstecher in den Norden lohnt sich alleweil. Das rauhe Meer ist aber nichts für ungeübte Schwimmer! Lagunendümpler wie ich bleiben besser an Land ...

Cartagena
"The undisputed queen of the Caribbean coast" nennt unser schlaues Buch Cartagena de Indias, wie die Stadt offiziell heisst. Sie gilt als eine der schönsten Kolonialstädte des gesamten Kontinents und tatsächlich: Es ist schwer, nicht dem Charme dieser bunten, pittoresken Stadt zu verfallen. Stundenlang kann man in den schmalen Strassen flanieren, die von farbigen Häusern mit ihren typischen Holzbalkonen gesäumt sind. Die Altstadt mit ihren Kopfsteinpflasterstrassen und unzähligen Bauten im andalusischen Stil zählt zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Interessant zu wissen für Freunde des "schlagfertigen" Humors: In und um Cartagena wurden Teile des Filmklassikers "Banana Joe" mit Bud Spencer gedreht.

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Blick auf die Kathedrale - ein beliebtes Sujet für Postkarten.

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Die Plaza de la Aduana (Zollplatz) mit einer Statue Christoph Kolumbus'.

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Wir gebens gerne zu: Die Idee für dieses Fotosujet stammt nicht von uns :)

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Die Stadt war durch ihre Befestigungsanlagen und Stadtmauern stets gut geschützt. Immer wieder versuchten Piraten, Freibeuter und andere Angreifer (u.a. die Engländer), die Stadt einzunehmen, was ihnen jedoch nie richtig gelang. Dank ihrer Standhaftigkeit nennt man sie auch "La Heróica".

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Iglesia y Convento San Pedro Claver.

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Im Innern und im lauschigen Klostergarten.

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In diesem Kloster lebte und wirkte der Jesuitenpater Pedro Claver, der sich ein Leben lang als Arzt für das Wohlergehen der aus Afrika verschleppten Sklaven eingesetzt hatte. Cartagena war nämlich eine wichtige Drehscheibe für den Sklavenhandel in der Karibik.

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Im Palacio de la Inquisición kann man die schauerlichen Folterwerkzeuge bestaunen, mit denen die spanische Inquisition ihre Opfer (meist Frauen mit spanischer Herkunft) zu Bekenntnissen zwang und der Ketzerei schuldig sprach.

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Nach ein paar Tagen und einigen Kilometern zu Fuss unter der sengenden Karibiksonne setzten wir uns wieder bequem ins Flugzeug mit Kurs auf Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens.

(*) In Galapagos hatten wir gehört, dass man Geräte mit Wasserschaden in Reis legen soll, um ihnen die Feuchtigkeit zu entziehen. Unserer Erfahrung nach funktioniert dieser Trick so gut wie der bekannte Silberlöffel in der Schampusflasche: Effekt = nada.

Posted by b.visser 13:41 Archived in Colombia Tagged cartagena tayrona taganga palomino Comments (0)

In der Stadt des ewigen Frühlings

Modernes Medellín

sunny 25 °C

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In Cali setzten wir uns einmal mehr ins Flugzeug, denn die Weiterreise per Bus hätte sich als langwierig und anstrengend herausgestellt. So flogen wir in 50 Minuten bequem mit der kolumbianischen Gesellschaft Avianca nach Medellín. Diese Stadt, in der das ganze Jahr über angenehme Temperaturen herrschen - nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm - galt in den 70er- und 80er-Jahren als die gefährlichste Stadt der Welt. 1993 hat sie sich aus den Fängen des Medelliner Kartells unter der Herrschaft von Drogenbaron Pablo Escobar befreit und erlebt seither sozial und kulturell einen Aufschwung. Wirtschaftlich ist es der Stadt eigentlich schon immer gut gegangen, denn die umliegende Zona Cafetera, das Hauptanbaugebiet kolumbianischen Kaffees, verhalf ihr zu Reichtum.

Wir hatten drei Tage für die Erkundung der Stadt eingeplant und merkten, dass es in der Zeit knapp reicht, die Innenstadt oberflächlich kennen zu lernen. Es gibt so viel zu tun und zu sehen, und auch vor den Toren der Stadt lädt die grüne Umgebung mit den vielen Hügeln und Bergen zum Verweilen ein. Für mich war Medellín bislang das Highlight Kolumbiens und eine der interessantesten und eindrücklichsten Städte Südamerikas.

Das Black Sheep Hostel, in dem wir wohnten, bot viele Touren in und um Medellín an. Aufgrund der knappen Zeit entschieden wir uns für zwei: die Pablo-Escobar-Tour und den geführten Stadtrundgang.

Zu Hause bei Roberto

Die erste Tour wurde von einer gut informierten jungen Kolombianerin geleitet. An verschiedenen Stationen in der Stadt erfuhren wir alles zum Medelliner Kartell, zu Pablo Escobar und wie der Drogenhandel die Stadt beeinflusst hatte.

Erste Station war der Friedhof, wo Pablo Escobar zusammen mit seiner Familie begraben ist. Ein Junge aus eher ärmlichen Verhältnissen, unternahm er Reisen in benachbarte Länder wie Bolivien, um dort Rohmaterial zur Kokainherstellung nach Kolumbien zu schmuggeln, und kam so zu Reichtum. Ihm gehörte halb Medellín und er konnte sich alles und jeden kaufen, was bzw. den er wollte. Ein Mythos besagt, dass er seinen Schlägern 1000 Dollar für jeden toten Polizisten bezahlte.

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Pablos Familiengrab auf dem örtlichen Friedhof ist immer mit Blumen geschmückt, die Familienmitglieder oder Unbekannte hinterlassen. Links im Bild unsere Führerin Ana.

Gefürchtet und gehasst, war er seit den späten 80er-Jahren auf der Flucht und wurde am 2. Dezember 1993 von einer Sondereinheit der Polizei (natürlich mit Unterstützung der USA) erschossen. (Die offizielle Version der Familie ist, dass er sich selbst das Leben nahm, als er sich von Polizisten umzingelt sah.)

Der interessanteste Teil der Tour war die Besichtigung des Hauses der Familie Escobar. Sein Bruder lebt dort mit seiner Familie. Das Haus ist halb Museum, halb Wohnsitz. Es war speziell, da herumstreifen zu dürfen, während gleichzeitig die Familie darin lebt.

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Mit diesem Auto soll Pablo Escobar jahrelang Drogen über die Grenze gechmuggelt haben. Später kaufte er sich Flugzeuge und nutzte den Flughafen in der Stadt für seine Kurierfahrten.

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Pablo lebte ein extravagantes Leben, besass mehrere Anwesen, darunter eine riesige Ranch mit exotischen Tieren und einem Wasserpark.

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Zeitweise war Pablo auch Politiker und nutzte seine diplomatische Immunität, um seine Geschäfte im Ausland abzuwickeln. Sein Geld soll er im kolumbianischen Dschungel sowie auf seinen persönlichen Anwesen vergraben haben. Ich vermute aber, dass viel davon ins Ausland geschafft wurde.

Der heutige Hausherr Roberto Escobar war passionierter und erfolgreicher Radrennfahrer, bevor er auf Geheiss seines Bruders ins Drogenbusiness einstieg. Roberto übergab sich 1991 freiwillig der Polizei, da sein Leben aufgrund der "Pepes" in Gefahr war und er sich im Gefängnis sicherer wähnte. Die Pepes (kurz für: Perseguidos por Pablo Escobar, Verfolgte von P.E.) waren eine paramilitärische Gruppe, deren Ziel die Hinrichtung Pablo Escobars sowie seiner Vertrauten war.

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Im Haus, das selber schon ziemlich verborgen abseits einer Nebenstrasse liegt, gibt es zahlreiche Verstecke.

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Roberto ist ein netter Gastgeber, der aber von seiner kriminellen Vergangenheit gezeichnet ist. Anderthalb Monate nach Pablos Tod erreichte ihn eine Briefbombe im Gefängnis, deren Explosion sein Gesicht verletzte. Nach unzähligen Operationen sieht er zwar einigermassen genesen aus, aber er hört kaum noch und seine Sehkraft ist stark eingeschränkt. Dennoch signiert er fleissig Bücher für Touristen (mit Fingerabdruck!) und posiert gerne auf Fotos. Auf meine Frage, wann er seinen Bruder zuletzt gesehen habe, meinte er, etwa ein Jahr vor seinem Tod sei die ganze Familie noch einmal zusammengekommen und er hätte bis morgens um zwei Uhr mit seinem Bruder geredet. Danach habe er ihn nie wieder gesehen.

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Auf der Tour wurde versucht, uns zu verdeutlichen, dass die Medelliner geteilter Meinung sind, was Pablo Escobar betrifft. Grundsätzlich hat die Bevölkerung unter dem Drogenkrieg gelitten, denn die Stadt war unsicher und kriminell und viele Familien hatten Angehörige, die durch das Medelliner Kartell umgebracht worden waren. Pablo Escobar war aber auch beliebt, denn er spendete vielen Armen Wohnungen, Schulen und soziale Einrichtungen. Von vielen gehasst, von vielen verehrt: Wir fanden es spannend, diese kontroverse Figur und ein Stück Medelliner Geschichte auf dieser Tour kennen zu lernen.

Nach dieser ernsten Angelegenheit war "programme léger" für den Nachmittag angesagt: Kolumbien spielte gegen Peru in der Copa América (dem südamerikanischen Pendant zur Fussball-EM) und so kleidete ich mich in gelb und wir machten uns auf zum Parque Lleras, um die "Selección", das nationale Fussballteam, anzufeuern.

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"Hopp Kolumbie!"

Auf der empfehlenswerten Citytour, die auf Trinkgeldbasis funktioniert, erfuhren wir einiges zu Kolumbiens Geschichte und sie war eine sehr gute Ergänzung zur Escobar-Tour, weil sie die Vergangenheit der Stadt von einem anderen Blickwinkel her zeigte: von dem ihrer gewöhnlichen Bewohner und ihrem Alltag. Pablo, unser enthusiastischer Guide, brachte uns auch in Winkel der Stadt, wo Touristen alleine kaum hingehen, wie zum Beispiel auf den Platz vor der Kathedrale, wo Obdachlose neben der Polizeistation Crack rauchen und gleichzeitig ganz normale Bürger zugegen sind. Kolumbien ist ein Land, wo Gegensätze aufeinandertreffen und koexistieren, und zwar auf engstem Raum!

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Die schöne Seite der Kathedrale (in meinem Rücken liegt der verruchte Park "Parque Bolívar").

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Unser sympathischer Führer Pablo.

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Das Monumento a la Raza von Arenas Betancur erzählt die Geschichte des Departements Antioquia.

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Medellín ist die Heimatstadt des bekanntesten Künstlers Lateinamerikas: Fernando Botero. Seine molligen Figuren sind weltbekannt.

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Der Parque de la Luz (von unserem Führer auch "Crimes Square" genannt) war früher der gefährlichste Platz der Welt. Heute ziert ihn eine Leuchtinstallation mit 300 Lampen, die für ein nächtliches Spektakel sorgen.

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Scharf bewacht werden in Kolumbien alle öffentlichen Einrichtungen wie hier die Kathedrale.

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Das alte Polizei-Hauptquartier wurde zum Konsumtempel umfunktioniert. Die Jugend freut's.

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Zum Abschluss des Tages fuhren wir mit der Seilbahn hoch über die Stadt und verschafften uns einen Rundumblick über diese eigentümliche Metropole, in der wir viel über ihre bewegende Geschichte und Kolumbien erfahren haben.

Posted by birdfish 14:43 Archived in Colombia Tagged cable_car medellin pablo_escobar real_city_tour Comments (1)

Kolumbien - ein Land im Umbruch

Erste Stationen: von Quito nach Popayán

sunny 26 °C

Nach unserer Seelöwen- und Tölpelsafari in Galapagos erholten wir uns noch einige Tage in Quito und genossen erneut die Gastfreundschaft der Casa Helbling, bis wir uns auf den Weg nach Kolumbien machten.

Heute ist es möglich - und vor allem sicher -, auf dem Landweg nach Kolumbien einzureisen. Überhaupt befindet sich das Land derzeit im Wandel: Nachdem jahrzehntelange Drogenkriege jeglichen Tourismus in Kolumbien zum Erliegen brachten, öffnet sich das Land nun wieder den ausländischen Besuchern. Die Sicherheit hat sich massiv verbessert und es wird fleissig in die Infrastruktur investiert. Der Tourismus als wirtschaftliche Chance will genutzt werden!

Ein Bus und ein Taxi brachten uns für wenig Geld an den Grenzübergang Rumichaca, wo die Einreiseformalitäten in Kürze erledigt waren. Die Dekoration im Zollhäuschen liess bereits erahnen, dass Kolumbien ganz dem Fussballfieber erlegen war. Im Juni nämlich fand die "Copa America" statt - das südamerikanische Pendant zur Fussball-Europameisterschaft. Und wie wir später erfahren würden, war Kolumbien mit Herz und Seele dabei!

Weiter gings mit einem Taxi nach Ipiales, von wo man das spektakulär gelegene "Santuario de Las Lajas" besuchen kann, ein Wallfahrtsort mit Basilika, die in der Tiefe der Guáitara-Schlucht erbaut wurde. Wir waren an einem Sonntag da, als der Ort von Tausenden Einheimischen besucht wurde, was für eine Volksfest-ähnliche Stimmung sorgte. Nach einem kurzen Aufenthalt fuhren wir per Minibus weiter nach Pasto, einer eher unscheinbaren Provinzstadt. Das Hotel, das uns empfohlen wurde, lag leider ausserhalb des Stadtzentrums in einem etwas schummrigen Viertel, sodass wir für unser Nachtessen notgedrungenermassen eine Imbisskette namens "Mr. Pollo" aufsuchen mussten. Der Name war Programm: Pollo (Poulet) in allen Variationen, aber hauptsächlich frittiert. Aber daran hatten wir uns nach drei Monaten Südamerika ja bereits gewöhnt ...

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Das barocke Innere, wo gerade eine Messe abgehalten wird.

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Überall sind Plaketten angebracht, auf denen Gläubige sich für die vollbrachten Wunder der heiligen Jungfrau bedanken.

Pasto erkundeten wir in ein paar Stunden zu Fuss, unter anderem in der Hoffnung, einen Transport zur nahe gelegenen Laguna de la Cocha zu finden, einem See, der mit schönen Aussichten locken sollte. Aber aus irgendeinem Grund war an diesem Tag niemand aufzutreiben, der uns hätte dahinbringen können, und so kehrten wir unverrichteter Dinge in unser Hotel zurück, um im TV den nächsten Fussballmatch zu verfolgen.

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Der Hauptplatz, die Plaza de Nariño.

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"Meine" Kirche: die Iglesia de San Sebastián.

Nächster Halt war Popayán, das als eine der schönsten Städte Kolumbiens angepriesen wird. Unser Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen: Das ganze Stadtzentrum erstrahlt im typischen Weiss und die vielen spanischen Kolonialbauten verzaubern den Besucher. Wenn nur der Verkehr nicht wäre - in Europa hätte man das Stadtzentrum schon lange zur autofreien Zone erklärt, aber hier muss man sich einen Weg durch die vielen Autos, Taxis, Busse usw. bahnen, welche die staubigen Strassen durchpflügen. Zuflucht findet man in den ruhigen Patios (Innenhöfen) der zahlreichen kleinen Museen und auf dem von schattenspendenden Bäumen gesäumten Hauptplatz, dem Parque Caldas.

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Wiederum zieren viele Kirchen die Innenstadt Popayáns.

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Das Teatro Municipal mit seinem gepflegten Äusseren.

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Das Museo Guillermo Valencia. In dieser prunkvollen Villa lebte einst der Dichter Guillermo Valencia, ein Sohn der Stadt.

Im lokalen naturhistorischen Museum kann man u.a. die vielfältige Vogelwelt Kolumbiens bestaunen. Die Exponate haben zum Teil schon etwas Staub angesetzt bzw. einige Federn gelassen, aber interessant wars trotzdem.

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So nahe sind wir dem Kondor, dem wichtigsten Vogel aller Andenvölker, noch nie gekommen (rechts das Männchen).

Bald gings auch schon weiter nach Cali, der drittgrössten Stadt Kolumbiens. Diese Stadt hat nicht besonders viel zu bieten, wir nutzten sie lediglich als Zwischenhalt auf dem Weg nach Medellín. Wir nahmen uns jedoch die Zeit, der Hitze im Schatten des zoologischen Gartens zu entfliehen, des besten seiner Art in Kolumbien. Dabei kamen wir uns selbst ein wenig wie Tiere im Zoo vor, denn viele der einheimischen Besucher fanden uns bisweilen interessanter als die Tiere in den Käfigen ... ;) Ein Gefühl, das wir seit Bangladesch nicht mehr hatten ...

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Schildkröten nehmen ein Kaiman-Taxi.

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Die saumässige Hitze machte allen zu schaffen.

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Ein Capybara verschafft sich Abkühlung im Teich. Diese überdimensionierten Meerschweinchen sind mit bis zu 130 cm Körperlänge die grössten Nagetiere der Erde.

Damit war aber auch schon Schluss mit dem Streichelprogramm - von Cali machten wir uns auf den Weg nach Medellín, dem einstigen Hauptsitz der kolumbianischen Drogenmafia!

Posted by b.visser 15:30 Archived in Colombia Tagged cali pasto ipiales popayan santuario_de_las_lajas Comments (0)

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