A Travellerspoint blog

April 2015

Französisch-Polynesien - Teil 2

Inselhüpfen in den Gesellschaftsinseln (Îles de la Société)

sunny 30 °C

Französisch-Polynesien erstreckt sich über ein riesiges Gebiet im Pazifik. Um sich ein Bild davon zu machen, empfiehlt sich folgende Karte. Als Referenz ist im Hintergrund Europa dargestellt. Tahiti ist bei Paris eingezeichnet, die Marquesas in der Ostsee.
Karte PF

Nach kurzem Aufenthalt in Pape'ete gings auch schon weiter nach Mo'orea, der Nachbarinsel Tahitis. Da unser Flug dorthin Verspätung hatte, ergab sich eine absurde Situation: Wir warteten am Flughafen eine Stunde auf einen Flug, der gerade mal zehn Minuten dauern würde. Unser Ziel konnten wir dabei von der Wartehalle aus sehen.

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Kaum waren die Sicherheitshinweise nach dem Start verklungen, hiess es bereits wieder: "Veuillez attacher votre ceinture de sécurité ...".

Mo'orea erkundeten wir auf eigene Faust mit einem Scooter. Die Insel lässt sich in wenigen Stunden umrunden, unterwegs kommt man an malerischen Buchten und schönen Badeplätzen vorbei.

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Die achteckige Kirche im Hauptort Papetoai wurde von französischen Missionaren netterweise absichtlich auf einer Zeremonialanlage der Einheimischen errichtet. Wer wagte da noch, sich dem Christentum zu widersetzen?

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Baie d'Opunohu (baie = Bucht).

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Baie de Cook. Auch in PF hat Kapitän James Cook Fuss an Land gesetzt.

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Die vielen unterschiedlichen Blautöne des Wassers haben uns immer wieder in Staunen versetzt.

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Nach so viel Sightseeing war eine Abkühlung angesagt!

Nächste Station war die Insel Huahine. Hier kam wieder einmal richtiges Backpacker-Feeling auf: Unser Bungalow war eine windschiefe Bretterbude mit direktem Meeranstoss. In der kleinen Küche konnten wir unseren eigenen Znacht kochen und so unser strapaziertes Budget ein wenig schonen.

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Jeden Abend bot sich bei Sonnenuntergang ein farbenfrohes Spektakel. Fast schon etwas kitschig ...

Ein Highlight war eine Inseltour mit dem Boot und unserem Guide, der sich als versierter Alleinunterhalter entpuppte. Mit seiner typisch polynesisch-fröhlichen Art und virtuosem Ukulelespiel hat er die gesamte Gruppe bestens unterhalten. Zum Zmittag legten wir vor einem Motu an. Motus sind die kleineren, oftmals nur spärlich oder gar nicht bewohnten Inselchen, welche die Hauptinsel umgeben. Vor paradiesischer Kulisse zeigte unser singender Kapitän, wie man die Spezialität Polynesiens, "Poisson cru" (rohen Fisch) zubereitet. Poisson cru ist eine Art Salat mit fangfrischem rohem Fisch (z.B. Thon oder Schwertfisch), Zitronensaft, frischer Kokosmilch und Gemüse.

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Dazu gab es - bien sûr! - frisches Baguette und eisgekühltes Hinano, das Bier mit der schönsten Etikette in der südlichen Hemisphäre!

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Verdauungsbad in der seichten Lagune - auch mit vollem Bauch kann man hier nicht untergehen.

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Am Nachmittag durften wir dann noch mit Haien auf Tuchfühlung gehen. Diese werden mit Ködern angelockt (die Praxis ist umstritten) und man kann sie in Ruhe und aus sicherer Entfernung unter Wasser mit Maske und Schnorchel beobachten. Es handelt sich dabei nur um die relativ kleinen "black tips", Schwarzspitzen-Riffhaie, die für den Menschen weitgehend ungefährlich sind.

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Deutlich zu sehen ist die namengebende schwarze Spitze der Rückenflosse.

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Immer wieder sonntags wird im Restaurant "Chez Tara" zur Freude von Touristen und Einheimischen ein traditionelles polynesisches Mittagsbuffet ("four polynésien") aufgetischt. Gekocht wird ähnlich wie in Neuseeland oder Fidschi in Erdöfen: Fleisch - zum Beispiel ein Spanferkel - wird mit Beilagen in einem Erdloch auf glühenden Kohlen eingebuddelt, wo die Speisen mehrere Stunden lang garen. Das Ergebnis ist Geschmackssache - mein Fall war's leider nicht.

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Schweinefleisch (oben rechts und unten), dazu Spinat und jede Menge stärkehaltiges Gemüse wie Maniok, Taro usw.

Weiter gings nach Bora Bora, der glamourösesten Insel Polynesiens. Hier möchten alle hin, hier befinden sich die Topresorts mit ihren luxuriösen Überwasserbungalows ("pilotis"), den Galadiners und High-end-Spas. Alles, was in der Hotelbranche Rang und Namen hat, ist hier vertreten: Hilton, Intercontinental, Four Seasons, Radisson usw.

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Hier werden Honeymoon-Träume wahr.

Wir haben uns aber in einer kleinen Familienpension in einem Bungalow eingemietet, um die Gutbetuchten nicht weiter zu stören. Von unseren Gastgebern, einer jungen französischen Familie mit zwei kleinen Kindern, konnten wir allerhand über das Leben auf einem Motu erfahren. Hier gilt nämlich Selbstversorgung: Das Wasser kommt vom Himmel, der Strom von der Sonne, das Gemüse aus dem Garten; auf TV, Telefon und Internet wird weitgehend verzichtet.

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Die nächsten Gäste sind bereits im Anflug.

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Unser schmuckes Fare (Polynesisch für Bungalow).

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Wer braucht bei diesem Ausblick noch einen Fernseher?

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Mont Otemanu, das Wahrzeichen Boras und beliebtes Fotosujet.

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Bora Bora lässt sich ebenfalls gut auf einem Bootsausflug erkunden. Auch dieses Mal war unser Kapitän musikalisch begabt.

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Eine beliebte Attraktion sind die vielen Rochen, die man auf Schnorcheltrips bewundern kann.

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Der Patron unserer Unterkunft war Surflehrer und hat Katja in die Kunst des Windsurfens eingeweiht - mit Erfolg, wie man sieht!

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In der Mittagshitze in der Lagune sind wir sprichwörtlich auf den Hund gekommen. Auch diesem armen Tier war es zu heiss ...

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Ohne Photoshop!

Unser letzter Halt war Maupiti, Boras kleine Schwester. Hier war wieder beschauliches Inselleben angesagt. In den wenigen Krämerläden und Pensionen herrschte gerade Nahrungsmittelknappheit, da das Versorgungsschiff, das die Insel ohnehin nur einmal pro Monat bedient, einige Tage Verspätung hatte. Hier verbrachten wir unsere letzten Tage mit Baden, Schnorcheln und Bloggen (mein Bangladesch-Beitrag entstand übrigens unter der sengenden Sonne Maupitis).

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Hier erkennt man schön das Atoll: Ein ringförmiges Korallenriff, das die Lagune um die Hauptinsel umschliesst (erkennbar am hellblauen Wasser). Das Riff bildet einen Saum von schmalen Inseln, den so genannten Motus.

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Schweisstreibendes Vergnügen: Mit dem Kajak unterwegs in der Lagune.

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Blick auf das einzige Dorf, Vaiea.

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Eine der vielen obskuren polynesischen Sportarten ist Steinestemmen (Schweizern ja nicht ganz unbekannt).
Das Exemplar im Bild unten - gemeint ist der Stein - wiegt 132 kg und es geht darum, den Brocken in Rekordzeit auf der Schulter zu platzieren. Ein Angestellter unserer Pension zeigte, wie's geht. Um die Sache noch spannender zu machen, werden die Steine an Wettkämpfen mit glitschigem Kokosöl eingeschmiert. Na dann: Bon courage!

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Ich wurde auf die Ladefläche verbannt.

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Maupiti zählt gerade mal 1200 Einwohner. Weitaus zahlreicher vertreten sind die Einsiedlerkrebse, die in leeren Schneckenhäusern leben. Auf Französisch tragen sie den charmanten Namen "Bernard l'hermite": Bernhard der Einsiedler.

Am letzten Tag war dafür richtig etwas los auf der Insel: In der Dorfschule wurde aus zwölf teilnehmenden Kindern jenes ausgewählt, welches Maupiti offiziell vertreten darf. Eine kleine Miss/Mister-Maupiti-Wahl, sozusagen.
Die Kinder mussten für den Wettbewerb in traditionellen Gewändern auf Polynesisch eine Heldensage rezitieren. Dazwischen gab es immer wieder Musik und Tanz.

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Die drei Bestplatzierten. Das Mädchen ganz links war die Gewinnerin. Sie konnte in diesem Moment ihren Sieg noch gar nicht fassen. (In der obigen Zusammenstellung ist sie unten rechts während ihres Auftrittes zu sehen.)

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Das Schlusswort hatte der Häuptling.

Zurück in Pape'ete tauschten wir die blauen Lagunen gegen einen nicht weniger schönen Infinity-Pool und bereiteten uns auf die Weiterreise nach Südamerika vor. Doch auch auf diesem neuen Kontinent sollte uns die polynesische Kultur zunächst noch erhalten bleiben ...

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Unser letztes Abendrot über Tahiti, das wir vom Rand des Swimmingpools aus genossen.

Und hier noch ein tahitianischer Gassenhauer, den unsere singenden Kapitäne im Repertoire hatten (nur Ton):
Rosalie

Posted by b.visser 16:18 Archived in French Polynesia Tagged french_polynesia moorea bora_bora huahine maupiti Comments (0)

Französisch-Polynesien - Teil 1

Pape'ete und die Marquesas

sunny 28 °C
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Nach unseren Camping-Eskapaden in Neuseeland war es höchste Zeit, uns von den Strapazen zu erholen. Und dafür gibt es zwischen Neuseeland und Südamerika kaum einen geeigneteren Ort als die weissen Strände und azurblauen Lagunen Tahitis.

Die Bezeichnung "Tahiti" wird meist stellvertretend für den gesamten Inselstaat verwendet, wobei es sich dabei lediglich um die Hauptinsel Französisch-Polynesiens handelt, das fünf Archipele umfasst: die Gesellschaftsinseln, die Tuamotus, die Marquesas, die Austral-Inseln und die Gambier-Inseln. Offiziell gehört La Polynésie Française (kurz "PF") zu Frankreich, es ist ein so genanntes Überseegebiet. Davon zeugt das Portraitfoto von Monsieur le Président, das in jedem Rathaus anzutreffen ist. PF geniesst aber weitgehend autonomen Status.
Nach unserer Ankunft auf Tahiti hatten wir in Pape'ete einige Tage Zeit, uns an das feucht-warme Klima zu gewöhnen und die Hauptstadt zu erkunden.

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Blick auf die Hauptstadt im Anflug auf den internationalen Flughafen Faa'a.

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Der Markt von Pape'ete - hier gibt's vor allem frisches Obst und Gemüse und jede Menge Souvenirs.

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Cathédrale Notre-Dame de Pape'ete.

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Der Leuchtturm von Point Vénus, einem beliebten Ausflugsziel nahe der Hauptstadt.

Marquesas
Nach einigen Tagen "Grossstadtlebens" traten wir den weiten Flug zu den Marquesas (Îles Marquises) an. Dieser Archipel liegt ca. 1600 km nordöstlich von Tahiti und erinnert auf den ersten Blick eher an Schottland als an ein tropisches Inselparadies. Weisse Sandstrände sucht man hier vergebens; dafür gibt es raue Felsen, steile Klippen und Vulkankrater, so weit das Auge reicht.

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Tropische Pflanzenpracht. Die bohnenähnlichen Gebilde sind unreife Vanilleschoten.

Auch die Einwohner, die Marquesiens, gelten unter den übrigen Polynesiern als "sauvage", wild. Ihre Kriegeslust, Tapferkeit und furchteinflössenden Tänze und Rituale sind weit über ihre eigenen Inseln hinaus berüchtigt.

Auf der Insel Hiva Oa brachte uns ein einheimischer Führer mit irischen Wurzeln die marquesische Kultur und Lebensweise näher. Die Marquesas sind ein beliebtes Ziel für Archäologiefreunde. Überall findet man gut erhaltene oder restaurierte "Marae" (markesianisch "Me'ae"), d.h. religiöse Stätten, die einst den Mittelpunkt der voreuropäischen Zivilisation bildeten. Hier wurden Rituale abgehalten, (Menschen-)Opfer dargebracht, wurde wild gefeiert usw.

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Ruine einer Marae, einer typischen Zeremonialanlage.

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Überall sind diese steinernen Gesellen anzutreffen: Tikis, Ahnen- bzw. Götterfiguren.

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Takai'i, der mit 2,3 m grösste Tiki in Polynsesien.

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Einzigartig: Ein lachender Tiki.

Interessant ist die Tatsache, dass die Kulturen (und auch die Sprachen) der verschiedenen pazifischen Völker sehr ähnlich sind. So praktizieren auch die Marquesianer Kriegstänze, die wir bereits von den Maori Neuseelands her kannten. Unser Guide und sein Bruder, den wir unterwegs kennen lernten, haben mit bescheidenem Erfolg versucht, einen französischen Mitreisenden und mich in die Kunst des Kriegstanzes einzuweihen.

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Mit unserem Guide legt man sich übrigens besser nicht an: In seiner Freizeit jagt er nachts in den Wäldern ausgewilderte Kühe, die er vor Ort eigenhändig zerlegt und mit seinem Pick-up zur Freude der gesamten Familie nach Hause bringt.

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Künstler im Paradies
Dass der französische Maler Paul Gaugin seinen Gefallen an den Inseln und Bewohnerinnen Polynesiens gefunden hatte, ist gemeinhin bekannt. Mit seinen farbenfrohen Bildern brachte er die polynesische Lebensfreude nach Paris. In Hiva Oa, wo er seine letzten Jahre verbracht hatte, ist ihm ein kleines Museum gewidmet.

Für mich persönlich aber war der Hauptgrund, diesen entlegenen Ort mitten im Pazifik aufzusuchen, meine Liebe zur Musik von Jacques Brel, einem der grössten Chansonniers des 20. Jahrhunderts. Als ich mich vor über zehn Jahren im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Dolmetscherschule Zürich in das Leben dieses Ausnahmekünstlers vertiefte, erfuhr ich, dass er nach seinem Abschied von der Bühne ebenfalls Hiva Oa zu seiner neuen Heimat erkoren hatte. Da war für mich klar, dass ich eines Tages diese "Pilgerstätte" aufsuchen würde ...

In einem kleinen Hangar ist Brels restauriertes Privatflugzeug ausgestellt; Fotos, Liedtexte und Zitate erzählen aus dem Leben des belgischen Sängers. Sein Grab befindet sich unweit dessen von Gaugin auf dem Dorffriedhof von Atuona.

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Das Grab Jacques Brels.

Jacques Brel: "Amsterdam", Live-Aufnahme im legendären Konzertgebäude "Olympia" in Paris, 1966.

Nuku Hiva
Mit einer DHC Twin Otter, einer Art fliegenden Seifenkiste, flogen wir weiter nach Nuku Hiva, der grossen Schwester von Hiva Oa. Hier hatten wir ebenfalls einige Tage Zeit, die Insel zu erkunden.

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Kurz vor dem Abflug nach Nuku Hiva. Der Flughafen Hiva Oas ist nach Brel benannt.

Diesmal führte uns ein ausgewanderter Franzose herum und zeigte uns die entlegensten Winkel der Insel.

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Blick von der Passstrasse hinab auf den Hauptort Taiohae.

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Auch auf Nuku Hiva findet man überall Spuren der frühen marquesischen Kultur: Zwei Tikis und eine in Stein gehauene Schildkröte (ein wichtiges Symbol in den polynesischen Kulturen).

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"Copra", das Fleisch der Kokosnuss, wird getrocknet und anschliessend nach Pape'ete verschifft, wo daraus Kokosöl gewonnen wird.

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Das Innere einer der zahlreichen offenen Holzkirchen Polynesiens (PF ist heute weitgehend katholisch).

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Das Jesuskind landestypisch mit einer Brotbaumfrucht ("Uru").

Ein Treck führte uns durch feucht-heissen Dschungel bis zu einem eindrücklichen Wasserfall, dem wir uns allerdings wegen drohenden Steinschlags nicht ganz nähern durften. Unterwegs erzählte unser Führer allerlei Interessantes über die Clans und Könige, die einst über die Insel herrschten. Die lange Wanderung wurde anschliessend mit einem erfrischenden Bad in einer einsamen Bucht, die nur mit dem Boot erreichbar ist, belohnt.

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Eine weitere Bucht, die in einer Stunde zu Fuss vom Hauptort aus zu erreichen ist.

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Es gibt sie doch, die eine oder andere Palme in den Marquesas.

Nach einer Woche hiess es leider schon wieder Abschied nehmen von den wilden Marquesas und wir kehrten zurück nach Pape'ete, von wo aus unsere Reise zu den Gesellschaftsinseln weiterging.

Posted by b.visser 09:23 Archived in French Polynesia Tagged tahiti tiki pape'ete atuona taiohae marquesas paul_gaugin jacques_brel hiva_oa nuku_hiva Comments (0)

Neuseeland - Teil 4

Wanaka - Dunedin - Otago Peninsula - Akaroa - Christchurch

sunny 20 °C

Von der Westküste der Südinsel und dem regnerischen Franz Josef Town nahmen wir Abschied und fuhren über Passstrassen hoch ins Innere der Southern Alps durch diese schöne Landschaft.

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In Wanaka, einem Bergstädtchen, das aus mehr Resorts als Wohnhäusern besteht, mieteten wir uns in einem der Campings ein. Die Neuseeländer haben das Campieren übrigens perfektioniert. Nicht nur, dass es an jedem erdenklichen Ort meist mehrere Campings gibt, sie sind meistens auch sehr auf die Bedürfnisse der Besucher ausgerichtet. Es gibt zum Beispiel praktisch immer eine Barbeque-Area und Innen- sowie Aussenbereiche, in denen man sitzen kann. Anstehen beim Kochen mussten wir eigentlich nie, beim Abwaschen schon eher. Und des Öfteren waren die Kühlschränke zum Bersten voll. Abhilfe kann man auf den grossen Campings schaffen, indem man den Kühlschrank selber mitbringt oder vor Ort mietet. Viele Neuseeländer verbringen ihre Sommerferien mit Kind und Kegel auf dem Camping; wenn man sich zwei oder mehr Wochen am gleichen Ort einnistet, ist es durchaus sinnvoll, sich so gut auszurüsten. Wir beschränkten uns aber auf die Kühlbox, deren Inhalt wir jeweils auf einen, zwei oder manchmal auch mehrere Kühlschränke in verschiedenen Küchen verteilten. Im Folgenden ein paar Fotos, wie es da so zu und her ging:

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Frühstück mit Spiegelei (Kochfeld im Bus) ist schon fast ready.

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Vorher und nachher.

Wanaka ist zwar ein Skigebiet, aber wir sahen keinen einzigen Skilift. Die Berge rundum laden aber zum Wandern ein und ich bereute es ein bisschen, dass wir nur einen ganzen Tag zur Verfügung hatten. Diesen verbrachten wir wandernd auf dem Minaret Burn Track, wobei wir nur einen kleinen Teil des 14-stündigen Rundgangs absolvierten. Wer jetzt an brennende Moscheen denkt, liegt leicht daneben: Minaret heisst ein Berg mit Doppelgipfel, den man vom Treck aus sehen würde, wenn er sich nicht gerade mit Wolken umhüllt, und ein Burn ist ein Bach oder Strom.

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Kalt war es am Lake Wanaka, wo wir unsere Mittagspause einlegten.

Weiter gings es mit dem Bus quer über die Alpen an die Ostküste und in die Stadt Dunedin, nach Christchurch die grösste Stadt der Südinsel und Zentrum der Otago-Region. Wir erfreuten uns an der Street Art, der Architektur, der entspannten Atmosphäre, den vielen Pubs und genossen die Vorzüge, so nahe an der Otago-Halbinsel zu sein, wo man Seelöwen, Albatrosse und andere Meeresbewohner beobachten kann.

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Dunedin schien uns das Street Art Capital Neuseelands zu sein. Auf dem ersten Bild wurde Queen Victoria verewigt.

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Das schmucke Bahnhofsgebäude.

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Auf der Otago-Halbinsel besuchten wir zuerst das Larnach Castle, das einem schottischen Bankier, Geschäftsmann und Politiker gehörte und liessen uns über die Familiengeschichte aufklären, die von Intrigen, Selbstmorden und anderen Schicksalsschlägen geprägt war.

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Dann ging es auf Wildlife-Tour!

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In einer langen Fahrt fuhren wir der Ostküste entlang zurück gen Norden und parkierten das Büsli unterwegs an ein paar interessanten Orten.

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Die Moeraki Boulders (Bild oben) liegen etwa 50 km nördlich von Dunedin. Am besten wäre wohl ein Besuch frühmorgens, denn es schien uns, dass sich sämtliche Touristen der Südinsel an diesem Tag hier versammelt hatten.

Oamaru nennt sich selbst Neuseelands "steampunk capital". Lonely Planet beschreibt es als coolstes Town des Landes. Wir hatten nicht viel Zeit, uns in die Steampunk-Kultur einzuleben, aber für das folgende Foto der Mole reichte es.

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In Akaroa, einem kleinen Ort an der Banks Peninsula, war unser letzter Halt, bevor wir nach Christchurch weiterzogen. Die Franzosen erwarben 1838 von einem Maori-Häuptling das Recht, sich da niederzulassen und hatten vor, diesen Ort in grossem Stil zu besiedeln und eine Walfangstation zu errichten. Als die Engländer von diesem Plan Wind bekamen, stellten sie schnell sicher, dass fortan die britische Flagge über dem Ort wehte. Als die Franzosen zwei Jahre später mit 63 Emigranten aus der Heimat die Halbinsel erreichten, konnten sie sich zwar niederlassen, aber das Gebiet war im Treaty of Waitangi, dem Vertrag, der Anfang 1840 zwischen den Maori und den Briten ausgehandelt worden war, bereits unter die Kontrolle der britischen Krone gefallen. Ausser Spesen nix gewesen für die Franzosen, die dem Ort aber dennoch einen "French touch" verleihen konnten.

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Wir konnten leider die schöne Vulkanlandschaft wegen des Regenwetters nicht richtig geniessen.

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Letzter Selfie mit unserem Büsli, bevor wir es zurückbringen mussten.

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Good Bye "Vanli", von jetzt an hiess es wieder auf den Bus umsteigen oder ... auf das Flugzeug!

Christchurch war unsere letzte Station in Neuseeland. Die Sonne brannte nieder und wir verbrachten die ganze Zeit im Freien. Seit dem schweren Erdbeben von 2011 ist vieles in der Innenstadt zerstört; von der Kathedrale ist nur noch eine baufällige Ruine übrig. Die Christchurcher beweisen viel Galgenhumor: Die Kathedrale sei zwar nicht mehr betretbar, dafür gebe es neuerdings so viele Parkplätze wie noch nie in einer Grossstadt. Und es ist wahr: Die ganze Innenstadt ist ein einziger grosser Parkplatz.

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Die zerstörte Kathedrale. 185 Menschen verloren im Februar von vier Jahren beim Beben der Stärke 6,3 ihr Leben.

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Architekt dieser Kartonkathedrale ist Shigeru Ban. Der Japaner baut mit Billigmaterial aus Altpapier Konzerthallen und Museen, aber auch Häuser und Brücken in Katastrophengebieten. Die neue Kirche für 700 Gläubige wurde überwiegend aus Kartonröhren gebaut und hat eine Lebensdauer von rund 50 Jahren.

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Weniger Häuser bedeutet, dass man die Kunstwerke nun besser sieht. ;-)

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Der Rosengarten im botanischen Garten hatte es mir besonders angetan.

An unserem letzten Abend war die Eröffnungszeremonie des Cricket World Cup, der in Neuseeland ausgetragen wurde. Das ganze Spektakel spielte sich im Park gleich neben unserem Hostel ab. So kamen wir zum Abschied noch gratis zu einer Maori-Show, Song-Einlagen und einem spektakulären Feuerwerk.

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Und dann hiess es Abschied nehmen von Neuseeland. Wir würden der polynesischen Kultur, die wir ja bei den Maori schon kennen gelernt hatten, aber vorerst noch ein paar Wochen treu bleiben.

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Neuseeland - Teil 3

Von Seelöwen bis Gletscher

rain 17 °C

Als wir wieder festen Boden unter den Rädern hatten, fuhren wir sogleich los in den Abel Tasman National Park, der sich im Nordwesten der Südinsel befindet. Das Wetterglück hatte uns vorübergehend verlassen, sodass wir unseren Aufenthalt in diesem Nationalpark, der mich sehr stark an ähnliche Gegenden in Tasmanien erinnerte, etwas abkürzten. Im Folgenden ein paar Fotos unserer Tour per Schiff und etwa vier Stunden Fussmarsch von der Medlands Beach zur Anchorage Bay:

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Cleopatra's Pool diente uns als Mittagshalt.

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Der Nationalpark ist übrigens nach dem holländischen Seefahrer und Entdecker Neuseelands Abel Janszoon Tasman benannt, der auch der australischen Insel Tasmanien ihren Namen verlieh.

Weiter südlich liegt Westport, ein verschlafenes Nest an der Westküste. Interessant ist es vor allem wegen der Seelöwen-Kolonie an der Tauranga Bay, die auf einem einstündigen, sehr schönen Spaziergang vom Cape Foulwind aus besichtigt werden kann.

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Der Leuchtturm des Cape Foulwind.

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Schafe gibt es wirklich überall! Meist sind sie aber kamerascheu und springen davon, bevor man die Linse auf sie richten kann.

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Dieser Geselle hielt gerade Verdauungsschlaf (wie 99 % seiner Genossen am selben Ort).

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Die Tauranga Bay lockt auch bei regnerischem Wetter - wobei hier schon wieder eine Besserung zu erkennen war.

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Unser Camping bot Sicht auf eine dramatisch-romantische Landschaft.

Wir folgten der Westküste nach in den Süden. Unterwegs machten wir einen kurzen Pitstop bei den eigenartigen Felsformationen der Pancake Rocks von Punakaiki. Die horizontalen Gesteinsschichten erinnern an aufeinandergestapelte Pfannkuchen. Horden von Pauschaltouristen liessen uns aber bald das Weite suchen.

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Unser letztes Ziel an der Westküste war ein Kaff, das nach einem Gletscher benannt ist, der wiederum den Namen mit einem österreichischen Kaiser teilt: Franz Josef! Der kleine Ort ist das westliche Tor zu den Southern Alps. Es gibt mehrere Gletscher in der Region: Franz Josef, Fox und Tasman. Der wunderbare Mount Cook, mit 3724 m.ü.M. der höchste Berg Neuseelands, ist auch mehr oder weniger um die Ecke gelegen. Das schlechte Wetter hielt an, aber wir hatten es nach langem Warten doch geschafft, uns auf einen Rundflug über die Gletscher und rund um den Gipfel des Mount Cook einzubuchen - ein unvergessliches Erlebnis!

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Subtropisches Klima herrschte in unserem Camp.

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Absolut interessant und einmalig ist die Tatsache, dass der Franz-Josef-Gletscher wegen speziellen klimatischen Bedingungen bis in den subtropischen Regenwald auf 300 m.ü.M. vordringen kann (siehe die Farnbäume unten und das Eis im Hintergrund).

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Ein Wasserfall, den wir auf dem Weg zum Gletscher hoch angetroffen haben.

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Grundsätzlich ist der Gletscher im Rückzug, aber 2008 stiess er so weit vor wie noch nie. Wie alle Gletscher ist auch der Franz Josef ständig in Bewegung. Den doch eher ungewöhnlichen Namen erhielt er vom deutschen Forscher Julius von Haast. Auf Maori heisst der Eisstrom Ka Roimata o Hinehukatere (dt. 'die Tränen von Hinehukatere'). Der Legende nach liebte Hinehukatere das Bergsteigen und überzeugte ihren Liebhaber Wawe, mit ihr in die Berge zu steigen. Er war jedoch weniger trittfest als sie und wurde von einer Lawine mitgerissen. Hinehukatere war untröstlich über den Tod ihres Gefährten. Der Gletscher symbolisiert ihre zu Eis erstarrten Tränen.

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Nach dem Betrachten der Landschaft vom Boden aus schwangen wir uns in die Lüfte. Dieser Rundflug zählt zu den absoluten Highlights unseres Neuseeland-Aufenthaltes. Im Folgenden der bescheidene Versuch, diese unglaubliche Landschaft und der Eindruck, den sie auf uns machte, festzuhalten:

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An Bord dieser Gippsland GA-8 Airvan genossen wir die grandiose Aussicht über das Gletscherparadies.

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Das Schmelzwasser bahnt sich einen Weg durch die Ebene ins offene Meer.

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Lange hiess es, wegen zu vieler Wolken und schlechten Wetters könne der Flug nicht durchgeführt werden. Am späten Nachmittag kam dann doch das Okay vom Piloten. Das Warten hatte sich gelohnt, wenn auch die Welt in "unter den Wolken" und "über den Wolken" zweigeteilt war.

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Der Mount Cook hüllte sich auf der einen Seite in Wolken.

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Die andere Seite war wolkenfrei.

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Der Tasman-Glacier.

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Der Fox-Glacier.

Mit diesen schönen Erinnerungen im Gepäck und auf der Speicherkarte stiegen wir in unser Büsli und verliessen die Westküste Richtung Central Alps und Ostküste. Ob das Wetter wohl endlich mal umschlagen und die Sonne zum Vorschein kommen würde?

Posted by birdfish 18:35 Archived in New Zealand Tagged glacier abel_tasman tauranga franz_josef mount_cook cape_foulwind seal_colony Comments (0)

Neuseeland - Teil 2

Rotorua, Waitomo und Wellington

sunny 26 °C

Eine lange Fahrt brachte uns in den südlichen Teil der Nordinsel. Da die Küste nie mehr als 200 km entfernt liegt, haben wir unsere Etappen jeweils so geplant, dass wir am Meer übernachten konnten. Was gibt es schon Schöneres, als nachts im Bus der Brandung zu lauschen?

Rotorua, der Hauptort der Geysire, besticht weder durch schöne Bauten noch durch seine frische Luft - überall qualmt es aus dem Boden und die Rezeptoren der Nase werden durch sulphurhaltige Dämpfe arg strapaziert. Wir entschieden uns deshalb für einen Campingplatz am Lake Rotorua, etwas ausserhalb der Stadt, wo die Dämpfe von der frischen Seeluft weggeblasen werden.

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Le chef de cuisine wusste immer wieder von Neuem mit wenig Ressourcen geschickt umzugehen.

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Bon appétit!

Der Waiteki Stream Holiday Park (siehe oben) war im Rückblick der Sieger aller Unterkünfte, die wir in Neuseeland hatten. Die Anlagen wie Küche und Duschen waren zwar etwas alt, aber dafür hatte man genügend Platz, der Kühlschrank platzte nicht aus allen Nähten und die einzelnen Campsites waren durch Büsche getrennt, sodass man etwas Privatsphäre hatte. Unser Platz lag 5 m vom Trout Stream, wo man angeln, baden und kayaken konnte. Das beste fand ich aber neben dem Badespass die vielen Enten, die den Camping besiedelten in der Hoffnung auf barmherzige Touristen, die ihnen etwas Toast abtreten.

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Die gefrässigen Enten kamen jeden Tag vorbeigewatschelt.

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Kalt war's! Die Besitzer des Campings sprachen von 7 Grad; ich glaube aber, es war schon etwas wärmer ...

Rotorua hat viel an Action zu bieten wie Bungee Jumping, Skydiving oder Zorbing, bei dem man sich in eine aufblasbare Kugel setzt und den Berg hinunterrollt, entweder 150 m geradeaus, 180 m im Zickzack oder 250 m "drop" für die Hartgesottenen. Wir gaben uns mit weniger adrenalinfördernden Aktivitäten zufrieden: Geysire betrachten und in den Hotsprings (Thermalquellen) baden.

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Es gibt mehrere Orte, an denen man sich in infernalem Szenario wähnt. Wir entschieden uns für die Geysir-Landschaft von Te Puia.

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Der Geysir Pohutu ("Big Splash") wartet etwa 20 Mal am Tag mit einer eindrücklichen Explosion auf.

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Ich übe mich in einer Stellung des Haka (Kriegstanzes): Furchteinflössend oder eher ulkig?

Im Wai-O-Tapu Thermal Wonderland genossen wir einen Nachmittag lang die heissen Quellen und wähnten uns fast wieder in Japan und den dortigen Onsen:

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Der Weg zu den Thermalquellen führte durch eine eindrückliche Vulkanlandschaft.

Die Nordinsel Neuseelands und im Besonderen die Gegend um Rotorua sind stark von der Kultur der Maori geprägt. In Rotorua machen sie 35 % der Bevölkerung aus. Um uns mit der Kultur vertraut zu machen, haben wir eine Veranstaltung besucht, die von Musik, Gesang und Tanz geprägt war. Zudem wurden wir Zeugen eines imposanten Haka, des typischen Kriegstanzes der Maori.

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Das Marae (meeting house) ist der Ort, wo sich Fremde begegnen. Unsere Gruppe wurde in einem eigens inszenierten Ritual aufgefordert (eingeladen), das Meeting House im Hintergrund zu besuchen, wo sich dann die Aufführung vollzog.

Ein Highlight der Region sind die verschiedenen Seen. Wer genug Schwefeldämpfe eingeatmet hat, steigt am besten ins Auto und macht sich auf den Weg in die Natur.

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Der Lake Tarawera lädt wie alle Seen der Region zum baden, bööteln oder wandern ein.

Der Lake Tikitapu (Blue Lake) und der Lake Rotokakahi (Green Lake) bezaubern ebenfalls durch ihre Vegetation und Farbe. Ersteren haben wir umrundet auf der Suche nach einem verlassenen Strand. Letzterer ist den Maori heilig, deshalb sind aquatische Aktivitäten untersagt.

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Die Weiterfahrt führte uns nach Waitomo, wo wir die Grotten besucht haben. Zuerst werden die Besucher an verschiedenen Stalaktiten- und Stalakmiten-Formationen in eine grosse Höhle geführt, die "Cathedral" genannt wird. Dort haben berühmte Musiker schon Konzerte gegeben, denn die Akustik soll sehr gut sein. Wir wurden Zeugen einer spontanen Gesangseinlage einer Touristin und können nur bestätigen, dass die Töne glasklar durch die Luft klangen. Der Höhepunkt war aber die Bootsfahrt am Ende der Tour, die uns durch eine Höhle mit abertausenden von Glühwürmchen führte. Diese Käfer spinnen einen Faden von der Decke nach unten, setzen sich mit ihrem leuchtenden Hinterteil ans Ende und warten geduldig, bis Insekten, die sich in der dunklen Höhle verirrt haben, an ihrem Faden kleben bleiben.

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Nach der Fahrt mit Blick auf die Milchstrasse en miniature kamen wir am anderen Ende wieder ans Tageslicht. Hier navigiert unser Guide (knapp zu erkennen) das Boot zurück in die Höhle.

Bevor wir die Hauptstadt Neuseelands erreichten, logierten wir eine Nacht in der Nähe von Whanganui an der Kai Iwi Beach. Der wunderschöne Sandstrand (siehe unten) lädt zum Baden ein, hat aber seine Tücken, denn im Wasser befinden sich Steine mit messerscharfen Kanten. Nach dem Schwumm musste mein rechter Fuss im Bus verarztet werden und ich humpelte dann drei Tage lang durch Wellington.

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Die Fahrt von Kai Iwi in die Hauptstadt brachte uns durch das Whanganui River Valley, laut unserem Führer eine der schönsten Routen in Neuseeland.

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Wellington ohne Wind gibt es nicht. Und so war der 28. Januar 2015 ein ganz besonderer Tag, denn an diesem Tag war der Himmel stahlblau bei 27 Grad und es wehte nicht einmal eine leichte Brise. Die ganze Stadt setzte sich nach draussen und frönte dem Hochsommer. Im Folgenden ein paar Eindrücke dieser Stadt, die uns im Vergleich mit Auckland fast noch etwas besser gefiel.

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Immer wieder ist der Farn ein Sujet, das kunstvoll verarbeitet wird.

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Der "bee hive" (Bienenstock) ist Teil des Parlamentsgebäude-Komplexes.

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Dieses Kriegskanu der Maori kann man im äusserst sehenswerten Te-Papa-Museum bestaunen.

Die Neuseeländer, die vom Schlechtwetter ja nicht gerade verschont bleiben, hatten immer wieder betont, wie wunderschön dieser Sommer sei. In der Tat hatten wir in den ersten beiden Wochen auf der Nordinsel einmal für etwa 30 Minuten Regen und sonst nur eitel Sonnenschein. Ob uns das Wetter auf der Südinsel auch so gut gesinnt sein würde? Die Überfahrt mit der Autofähre nach Picton im Norden der Südinsel liess auf jeden Fall keine Zweifel: Die Landschaft und das Klima waren rauer da unten!

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Grüner Norden, karger Süden? Wir waren gespannt auf die Südinsel, die um ein Haar französische Kolonie geworden wäre; dann wäre Neuseeland heute wie Kanada zweisprachig.

Posted by birdfish 17:19 Archived in New Zealand Tagged rotorua wellington waitomo Comments (1)

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