A Travellerspoint blog

Farnwälder und Freiheitshelden

Samaipata und der Amboró-Nationalpark

rain 20 °C

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Santa Cruz verliessen wir per Sammeltaxi. Auch hier gilt, wie in Asien, "leave when full". Wenn man den günstigsten Preis für das Taxi bezahlen möchte, wartet man, bis alle Plätze (in der Regel vier bis sieben, je nach Grösse des Fahrzeugs) vergeben sind. Wir hatten jedoch einen flauen Nachmittag erwischt und nach einer Stunde Wartens sind wir mit lediglich einer deutschen Mitreisenden zum Maximalpreis aufgebrochen. Diesen konnten wir allerdings gerade noch verkraften, da Bolivien ein verhältnismässig günstiges Reiseland ist.

Unser Ziel war Samaipata, ein verschlafenes Dörfchen, das besonders bei Backpackern beliebt ist. In der Regel bedeutet das: Es hat günstige Unterkünfte, genug Verpflegungsmöglichkeiten und "easy" Leute, mit denen man sich übers Reisen austauschen kann. Wir wurden nicht enttäuscht. Das Örtchen wirkte wie ein verschlafenes Kaff aus einem Western. Nur das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen, Dauerregen war angesagt. Dies sollte uns jedoch nicht davon abhalten, die Umgebung zu erkunden.

In der Nähe befinden sich Inka-Ruinen, deren Besuch sich durchaus lohnt. Machu Picchu in Peru können sie natürlich niemals das Wasser reichen, aber sie zählen zu den wichtigsten noch erhaltenen Inka-Stätten in Südamerika. Eine zweistündige Wanderung brachte uns anschliessend wieder zurück ins Dorf.

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Überblick über die Inka-Ruine Fuerte de Samaipata. In die grosse Felsfläche sind zahlreiche Linien, Kanäle, Figuren und Tierdarstellungen eingemeisselt. Aber auch bei genauerem Hinsehen waren diese kaum mehr zu erkennen. Die Ruine diente offenbar einst Zeremonialzwecken.

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Von den einstigen Bauten sind nur noch die Grundmauern erhalten.

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In diesen Nischen waren einst die Leichname der Ahnen aufgebahrt, so vermutet man.

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Schon bald zog dichter Nebel auf und wir mussten uns auf unserem Rundgang beeilen.

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist der Amboró-Nationalpark. Dort lädt ein Farnwald zum Entdecken ein. Auf einem rund sechsstündigen, teilweise sehr anstrengenden Treck geht es tief in den Urwald hinein, wo man meterhohe und hunderte Jahre alte Farnbäume bestaunen kann. Diese kannten wir bereits von Neuseeland, einem der der wenigen weiteren Orte, wo diese Gewächse überhaupt anzutreffen sind. Und so stapften wir stundenlang durch knöcheltiefen Schlamm, kletterten über glitschige Wurzeln und Baumstämme und landeten immer wieder mal auf dem Hosenboden. Die Anstrengung hatte sich gelohnt, der Märchenwald war schlichtweg bezaubernd!

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Nicht umsonst nennt man diese Art von Wald "Nebelwald".

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Wenn man vor lauter Farne den Wald nicht mehr sieht ...

Am nächsten Tag taten wir uns mit einem holländischen Paar zusammen, um einen Wasserfall in der Nähe aufzusuchen. In unserem Hostal wurde uns empfohlen, einen gewissen "Benjamin", einen lokalen Führer, zu engagieren, da die Wanderung dorthin alleine nicht einfach zu bewältigen sei. Nach kurzem Herumfragen hatten wir Benjamin gefunden: Ein schätzungsweise achtzigjähriges, nahezu zahnloses Väterchen in Trainerhose, Turnschuhen und mit einer Machete bewaffnet. Und wir? Ausgerüstet mit Trekking-Schuhen, Trekking-Hosen, Regenschutz, Daypacks usw. Wir kamen uns leicht "overdressed" vor ...

Ein weiteres Mal ging es über Stock und Stein, Benjamin gab dabei den Takt an. Obwohl das Wetter wiederum ziemlich garstig war, wurden wir mit spektakulären Aussichten belohnt.

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Der alte Mann kennt den Weg ...

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Das Ziel unserer Wanderung:

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Die letzten Stunden des Comandante
Samaipata ist zudem der Ausgangsort für eine ganz besondere Pilgerreise: den Che-Guevara-Trail. Auf dieser Tour erfährt man alles über die letzten Stunden im Leben des legendären Revolutionsführers, der in Bolivien sein trauriges Ende fand.

In unserem Hostel hatten wir uns spontan mit ein paar weiteren Interessierten zusammengetan, nämlich einer Australierin, zwei jungen deutschen Mädels (die Küken der Gruppe), einer weiteren Deutschen und einem Franzosen. Zusammen charterten wir ein Taxi ins etwa zwei Stunden entfernte Vallegrande, von wo man die verschiedenen Orte aufsuchen kann, an denen sich die letzten Momente im Leben des Che abspielten. Da es Sonntag war und man nach unserer Ankunft nicht mehr viel unternehmen konnte, beschlossen wir, den Nachmittag mit ein paar Flaschen Wein auf dem Dorfplatz ausklingen zu lassen - zur Belustigung der lokalen Bevölkerung natürlich :)

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Mit einem professionellen Guide ging es am nächsten Tag um 7 Uhr los. Zunächst wurden wir zum lokalen Flugplatz geführt, wo ein Mausoleum zu Ehren Guevaras errichtet wurde. Hier nämlich hatte man ihn nach seiner Tötung am 9. Oktober 1967 heimlich verscharrt, damit keine Pilgerstätte für seine Bewunderer entstehen konnte. Erst Ende der Neunzigerjahre lüftete ein ehemaliger Militär gegenüber einem amerikanischen Journalisten das Geheimnis. Der Leichnam Ernestos wurde darauf exhumiert und nach Santa Clara in Kuba überführt, wo er offiziell beigesetzt wurde. Im Mausoleum in Vallegrande wird heute Che Guevaras und seiner Weg- und Revolutionsgefährten gedacht.

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Nächster Halt war ein kleines Dorf, La Higuera, von wo aus ein steiler Weg in ein Tal hinab zu der Stelle führt, wo das bolivianische Militär Che und seine Guerilleros am 8. Oktober 1967 aufgeschnappt und gefangen genommen hatte. Den Tipp bekamen die Militärs von einem Bauern, der die Guerillakämpfer in der Nacht beobachtete. Che hatte damals seine politischen Ämter in Kuba abgelegt, um von Bolivien aus eine erneute Revolution zu starten.

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Seite an Seite mit unserem kundigen Guide.

Nach seiner Verhaftung wurde Guevara ins Dorf gebracht, gefangen gehalten und verhört, bis von der Regierung (auf Druck des Militärs) entschieden wurde, wie es mit dem meistgesuchten Gefangenen weiterging. Es wurde nicht lange gefackelt und bereits am nächsten Tag wurde er (ohne Prozess) exekutiert.
Heute steht La Higuera ganz im Zeichen des Comandante. Ein Mini-Museum, einige Standbilder und unzählige Wandbilder erinnern an den Freiheitshelden mit Kultstatus.

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Nach seiner Ermordung wurde Che Guevara nach Vallegrande gebracht, wo er in einem Hintergebäude des örtlichen Spitals aufgebahrt wurde, damit sich die Öffentlichkeit vom Tod des Guerillaführers überzeugen konnte. Die Bilder davon gingen um die Welt. Auch diesen Ort konnten wir besichtigen, dazu mussten wir lediglich hinter das Spital gehen, was kein Problem war, da ohnehin alle Türen und Tore offenstanden.

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Der Leichnam wird der internationalen Presse vorgeführt (Quelle: La Repubblica).

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Derselbe Raum heute.

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Unser Grüppchen genoss diesen Tag in vollen Zügen, da wir so ein Stückchen südamerikanische Zeitgeschichte hautnah nachempfinden konnten.

Tags darauf ging es schnurstracks zurück nach Santa Cruz, wo wir uns nochmals eine vorzügliche Pizza gönnten. An Bord eines Flugzeugs nahmen wir anschliessend Kurs auf La Paz, die eigentliche Hauptstadt Boliviens.

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Auf der Rückfahrt von La Higuera nach Vallegrande.

Posted by b.visser 21:13 Archived in Bolivia Tagged amboro samaipata che_guevara la_higuera vallegrande

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Comments

Indrukwekkend als je op de plaats bent waar zo iemand gestorven is. Datzelfde gevoel had ik ook als ik voor de eerste keer op de Victory stond. Ook in St. Paul's Cathedral, waar Nelson beigezet is. Weer heel mooi bericht. Pappa

by Jan Visser

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