A Travellerspoint blog

Französisch-Polynesien - Teil 1

Pape'ete und die Marquesas

sunny 28 °C
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Nach unseren Camping-Eskapaden in Neuseeland war es höchste Zeit, uns von den Strapazen zu erholen. Und dafür gibt es zwischen Neuseeland und Südamerika kaum einen geeigneteren Ort als die weissen Strände und azurblauen Lagunen Tahitis.

Die Bezeichnung "Tahiti" wird meist stellvertretend für den gesamten Inselstaat verwendet, wobei es sich dabei lediglich um die Hauptinsel Französisch-Polynesiens handelt, das fünf Archipele umfasst: die Gesellschaftsinseln, die Tuamotus, die Marquesas, die Austral-Inseln und die Gambier-Inseln. Offiziell gehört La Polynésie Française (kurz "PF") zu Frankreich, es ist ein so genanntes Überseegebiet. Davon zeugt das Portraitfoto von Monsieur le Président, das in jedem Rathaus anzutreffen ist. PF geniesst aber weitgehend autonomen Status.
Nach unserer Ankunft auf Tahiti hatten wir in Pape'ete einige Tage Zeit, uns an das feucht-warme Klima zu gewöhnen und die Hauptstadt zu erkunden.

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Blick auf die Hauptstadt im Anflug auf den internationalen Flughafen Faa'a.

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Der Markt von Pape'ete - hier gibt's vor allem frisches Obst und Gemüse und jede Menge Souvenirs.

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Cathédrale Notre-Dame de Pape'ete.

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Der Leuchtturm von Point Vénus, einem beliebten Ausflugsziel nahe der Hauptstadt.

Marquesas
Nach einigen Tagen "Grossstadtlebens" traten wir den weiten Flug zu den Marquesas (Îles Marquises) an. Dieser Archipel liegt ca. 1600 km nordöstlich von Tahiti und erinnert auf den ersten Blick eher an Schottland als an ein tropisches Inselparadies. Weisse Sandstrände sucht man hier vergebens; dafür gibt es raue Felsen, steile Klippen und Vulkankrater, so weit das Auge reicht.

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Tropische Pflanzenpracht. Die bohnenähnlichen Gebilde sind unreife Vanilleschoten.

Auch die Einwohner, die Marquesiens, gelten unter den übrigen Polynesiern als "sauvage", wild. Ihre Kriegeslust, Tapferkeit und furchteinflössenden Tänze und Rituale sind weit über ihre eigenen Inseln hinaus berüchtigt.

Auf der Insel Hiva Oa brachte uns ein einheimischer Führer mit irischen Wurzeln die marquesische Kultur und Lebensweise näher. Die Marquesas sind ein beliebtes Ziel für Archäologiefreunde. Überall findet man gut erhaltene oder restaurierte "Marae" (markesianisch "Me'ae"), d.h. religiöse Stätten, die einst den Mittelpunkt der voreuropäischen Zivilisation bildeten. Hier wurden Rituale abgehalten, (Menschen-)Opfer dargebracht, wurde wild gefeiert usw.

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Ruine einer Marae, einer typischen Zeremonialanlage.

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Überall sind diese steinernen Gesellen anzutreffen: Tikis, Ahnen- bzw. Götterfiguren.

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Takai'i, der mit 2,3 m grösste Tiki in Polynsesien.

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Einzigartig: Ein lachender Tiki.

Interessant ist die Tatsache, dass die Kulturen (und auch die Sprachen) der verschiedenen pazifischen Völker sehr ähnlich sind. So praktizieren auch die Marquesianer Kriegstänze, die wir bereits von den Maori Neuseelands her kannten. Unser Guide und sein Bruder, den wir unterwegs kennen lernten, haben mit bescheidenem Erfolg versucht, einen französischen Mitreisenden und mich in die Kunst des Kriegstanzes einzuweihen.

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Mit unserem Guide legt man sich übrigens besser nicht an: In seiner Freizeit jagt er nachts in den Wäldern ausgewilderte Kühe, die er vor Ort eigenhändig zerlegt und mit seinem Pick-up zur Freude der gesamten Familie nach Hause bringt.

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Künstler im Paradies
Dass der französische Maler Paul Gaugin seinen Gefallen an den Inseln und Bewohnerinnen Polynesiens gefunden hatte, ist gemeinhin bekannt. Mit seinen farbenfrohen Bildern brachte er die polynesische Lebensfreude nach Paris. In Hiva Oa, wo er seine letzten Jahre verbracht hatte, ist ihm ein kleines Museum gewidmet.

Für mich persönlich aber war der Hauptgrund, diesen entlegenen Ort mitten im Pazifik aufzusuchen, meine Liebe zur Musik von Jacques Brel, einem der grössten Chansonniers des 20. Jahrhunderts. Als ich mich vor über zehn Jahren im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Dolmetscherschule Zürich in das Leben dieses Ausnahmekünstlers vertiefte, erfuhr ich, dass er nach seinem Abschied von der Bühne ebenfalls Hiva Oa zu seiner neuen Heimat erkoren hatte. Da war für mich klar, dass ich eines Tages diese "Pilgerstätte" aufsuchen würde ...

In einem kleinen Hangar ist Brels restauriertes Privatflugzeug ausgestellt; Fotos, Liedtexte und Zitate erzählen aus dem Leben des belgischen Sängers. Sein Grab befindet sich unweit dessen von Gaugin auf dem Dorffriedhof von Atuona.

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Das Grab Jacques Brels.

Jacques Brel: "Amsterdam", Live-Aufnahme im legendären Konzertgebäude "Olympia" in Paris, 1966.

Nuku Hiva
Mit einer DHC Twin Otter, einer Art fliegenden Seifenkiste, flogen wir weiter nach Nuku Hiva, der grossen Schwester von Hiva Oa. Hier hatten wir ebenfalls einige Tage Zeit, die Insel zu erkunden.

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Kurz vor dem Abflug nach Nuku Hiva. Der Flughafen Hiva Oas ist nach Brel benannt.

Diesmal führte uns ein ausgewanderter Franzose herum und zeigte uns die entlegensten Winkel der Insel.

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Blick von der Passstrasse hinab auf den Hauptort Taiohae.

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Auch auf Nuku Hiva findet man überall Spuren der frühen marquesischen Kultur: Zwei Tikis und eine in Stein gehauene Schildkröte (ein wichtiges Symbol in den polynesischen Kulturen).

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"Copra", das Fleisch der Kokosnuss, wird getrocknet und anschliessend nach Pape'ete verschifft, wo daraus Kokosöl gewonnen wird.

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Das Innere einer der zahlreichen offenen Holzkirchen Polynesiens (PF ist heute weitgehend katholisch).

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Das Jesuskind landestypisch mit einer Brotbaumfrucht ("Uru").

Ein Treck führte uns durch feucht-heissen Dschungel bis zu einem eindrücklichen Wasserfall, dem wir uns allerdings wegen drohenden Steinschlags nicht ganz nähern durften. Unterwegs erzählte unser Führer allerlei Interessantes über die Clans und Könige, die einst über die Insel herrschten. Die lange Wanderung wurde anschliessend mit einem erfrischenden Bad in einer einsamen Bucht, die nur mit dem Boot erreichbar ist, belohnt.

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Eine weitere Bucht, die in einer Stunde zu Fuss vom Hauptort aus zu erreichen ist.

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Es gibt sie doch, die eine oder andere Palme in den Marquesas.

Nach einer Woche hiess es leider schon wieder Abschied nehmen von den wilden Marquesas und wir kehrten zurück nach Pape'ete, von wo aus unsere Reise zu den Gesellschaftsinseln weiterging.

Posted by b.visser 09:23 Archived in French Polynesia Tagged tahiti tiki pape'ete atuona taiohae marquesas paul_gaugin jacques_brel hiva_oa nuku_hiva

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