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Bangladesch - Teil 2

Auf den Spuren des Bengal-Tigers

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Zu den unbestrittenen Höhepunkten eines jeden Besuchs in Bangladesch gehört eine mehrtägige Bootstour durch die Sundarbans. Der mit rund 10000 km2 weltweit grösste Mangrovenwald (40 % davon auf indischem Staatsgebiet) lockt mit einer Vielzahl an Vogelarten, Hirschen, Wildschweinen und seinem prominentesten Bewohner, dem seltenen Bengal-Tiger. Diese scheue Wildkatze, von denen nur noch einige hundert Exemplare die Mangroven unsicher machen, zeigt sich jedoch höchst selten. Dennoch fallen ihr jedes Jahr Menschen zum Opfer, die beim Holzsammeln oder Honigernten angegriffen werden.

So sind wir von Dhaka mit einem erstaunlich komfortablen Bus (ich war immer noch traumatisiert von den burmesischen Bussen, die auf eine durchschnittliche Körpergrösse von 1,50 m ausgerichtet sind) in die Kleinstadt Khulna gefahren, wo wir an Bord unseres Schiffes gehen würden. Auf den Strassen Bangladeschs gilt übrigens eindeutig das Recht des Stärkeren. Die Stärkeren sind in diesem Fall die grossen Intercity-Busse, die mit chronisch übersetzter Geschwindigkeit sich einen Weg durch den Verkehr pflügen. Dabei ist es egal, wer sonst noch die Fahrbahn beansprucht oder entgegenkommt - alle müssen weichen. Unter permanentem, tösendem Gehupe drängen die Busse sämtliche andere Verkehrsteilnehmer zur Seite. Und auch bei den haarsträubenden, waghalsigen Überholmanövern wird erwartet, dass der Gegenverkehr ausweicht!

Leinen los!
Spät abends wurden wir im Hotel abgeholt und zum stockfinsteren Quai gefahren, wo unser Schiff auf uns wartete. Nachdem wir unsere Kajüte bezogen hatten, legten wir auch schon bald los. Während dreier Tage tuckerten wir mit einer gemischten Gruppe von westlichen und einheimischen Touristen durch die endlosen Wälder und Kanäle. Das Leben an Bord des Schiffes gestaltete sich beschaulich: Ausschau halten nach Tieren am Flussufer und warten aufs Essen, das die Crew in der Kombüse drei Mal im Tag zusammenzauberte. Dazwischen blieb immer wieder viel Zeit, uns mit den anderen Reisenden auszutauschen. So lernten wir unter anderem einen Feuerwehrmann aus Alaska, einen niederländischen Nuklearphysiker und einen norwegischen Filmemacher kennen.

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Unser Zuhause für die nächsten Tage.

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In aller Früh begaben wir uns jeweils mit einem Beiboot auf die Pirsch. Ein paar wenige Fischer waren zu dieser Stunde auch schon unterwegs.

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Bei Ebbe, wenn sich das Wasser aus den Mangrovenwäldern zurückgezogen hat, sind die Chancen, Wildtiere zu erspähen, am grössten.

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Axishirsche, die unser Guide mit ein paar Blätterzweigen angelockt hatte.

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Wildschweine sind auch für den Anfänger in der Wildtierbeobachtung leicht zu espähen.

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Dieser Herr war für unsere Sicherheit zuständig. Nicht aber, um uns vor angreifenden Tigern zu beschützen, denn das Tier steht unter Schutz und darf auch bei einem Angriff nicht getötet werden. Aber in den Wäldern sollen sich rabiate Wilderer herumtreiben, die nicht gerne bei ihrem Tun gestört werden.

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Es gibt ihn wirklich, den Bengal-Tiger! Davon zeugten diese frischen Spuren. Aber das war auch das einzige, was wir von ihm zu Gesicht bekamen. Einer der Parkranger erzählte uns, dass er in den 34 Jahren, seit er hier arbeitet, zweimal einen Tiger zu Gesicht bekommen hat.

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Bizarre Wurzelformationen.

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Ganz im Süden der Sundarbans hat es sogar einen Strand, an dem wir uns die Beine vertreten konnten.

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Nachmittags war jeweils Fotoshooting angesagt.

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Abendstimmung in den Sundarbans.

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Abends in geselliger Runde.

Kurz bevor unsere Tour startete, havarierte in der Nähe ein Öltanker, was natürlich verheerende Auswirkungen auf das heikle Ökosystem in den Sundarbans haben wird. Die Regierung wurde in den darauffolgenden Tagen von den lokalen Medien für ihr zögerliches Handeln scharf kritisiert. Wir und die Parkwächter konnten nur den Kopf darüber schütteln, weshalb ein Naturschutzgebiet überhaupt für den Schiffsgüterverkehr genutzt werden darf.

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Ob dieser kleine Kerl überlebt hat, wissen wir nicht. Er wurde von den Crewmitgliedern jedenfalls fein säuberlich geputzt und anschliessend wieder in die Freiheit entlassen.

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Am letzten Abend wurde uns die gesamte Crew vorgestellt, die uns auf der ganzen Reise bestens versorgt hat.

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Satellitenaufnahme der Mangrovenwälder. Deutlich zu sehen ist, wie das gesamte Gebiet von Flussläufen durchzogen ist.

Nachfolgend eine Dokumentation des englischen Kameramanns Mike Herd, die uns am letzten Abend an Bord des Schiffes gezeigt wurde. Es handelt sich um die bisher einzigen Filmaufnahmen des Bengal-Tigers. Gezeigt wird, mit welcher Ausdauer und Beharrlichkeit der Filmer vorgehen musste, um diese unglaublichen Aufnahmen zu machen.
Link: Swamp Tiger

Posted by b.visser 20:59 Archived in Bangladesh Tagged bengal tiger deer spotted khulna sundarbans

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