A Travellerspoint blog

Im Südwesten Chinas - Die Provinz Yunnan

sunny 25 °C

Aufgrund unseres knapp bemessenen Zeitplans für China haben wir uns entschieden, die Distanz zwischen der Ostküste und der Provinz Yunnan per Flieger zu überbrücken. Im Endeffekt waren wir aber fast gleich lang unterwegs, wie wenn wir den Bus genommen hätten, denn ein Taifun (in unserem Empfinden eher einfach schlechtes Wetter) hatte zur Folge, dass am ganzen Flughafen in Shanghai Chaos ausgebrochen war. Erst hiess es, der Flug sei gestrichen, und als wir dann nach zwei Stunden Rumsitzen nachfragten, war er schon voll, wir wurden auf einen anderen gebucht, blieben aber am Security Check hängen, sodass wir diesen auch verpassten. So ging das noch eine Weile, bis wir dann auf einen weiteren Flieger mit Zwischenhalt in Anshun gebucht wurden. Mit etwa sieben Stunden Verspätung kamen wir nachts in Kunming an.

Die Stadt Kunming, die Partnerstadt Zürichs und von unserem Reiseführer angepriesen als "likely the most beautiful city in all China", versteckte ihren Charme aber erst einmal. Nachdem wir aber eine Woche in ihr verbracht hatten, da wir auf das Burma-Visum warten mussten, lernten wir die schönen Ecken doch noch kennen. Es war eine Zeit des Energie-Tankens und neu Organisierens.

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Besinnliche Ruhe im Yuantong-Tempel.

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Green Lake, an dessen Ufer Senioren morgens Tai Chi machen.

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Beliebtes Ausflugsziel am Wochenende: Die Western Hills mit Aussicht auf den Dianchi Lake.

Ab in die Berge
Die nächste Station war Dali, dank dem neuen Highway in unter sechs Stunden von Kunming aus zu erreichen. Bevor der chinesische Binnentourismus vor rund zehn Jahren begann, war Dali wie etwa Vangvieng in Laos ein "backpackers' heaven". Mittlerweile wurde sehr viel investiert in die Stadt, reiche Chinesen kaufen sich Zweitwohnsitze rund um den See und die Stadt wächst stündlich. Allein um unser Guesthouse herum befanden sich drei Baustellen. Die Altstadt ist schön wiederhergestellt, nur leider voll von Souvenirshops und eben Horden von chinesischen Touristen. Unser Besuch fiel auf den Nationalfeiertag (1. Oktober), der Teil der Golden Week ist, in der ALLE Chinesen Urlaub haben. Rund eine halbe Milliarde Chinesen war während dieser Zeit auf Achse; eine gefühlte Million allein in Dali ... Wir versuchten, den Massen zu entkommen, indem wir Velos ausliehen und dem wunderschönen See entlang, durch Dörfer, wo hauptsächlich das Volk der Naxi wohnt, radelten.

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Naxi-Dorf bei Dali

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Erntezeit

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Die nächste Station war Lijiang, ebenfalls von Chinesen überrannt, sodass wir die Stadt nur als Sprungbrett benutzten, um zur Tiger Leaping Gorge zu gelangen.

Die Tiger Leaping Gorge (Tigersprung-Schlucht) ist eine der tiefsten Schluchten weltweit. Vom höchsten Gipfel des Jade Dragon Snow Mountain (5596 m), dem Bergmassiv auf der Südseite der Schlucht, bis zum Flussbett hinunter sind es rund 3260 m. Der Jinshan-Fluss, der die Schlucht durchströmt, ist der Hauptzubringer des oberen Jangtze-Flusses. Der Legende zufolge soll ein Tiger an der schmalsten Stelle des Flusses (rund 25 Meter breit) auf der Flucht vor einem Jäger über denselben gesprungen sein. Der Tiger Leaping Stone kann mit dem nötigen Kleingeld (aus dem ganzen Gebiet wird, obwohl man schon 10 Dollar Eintritt bezahlt, kräftig Profit geschlagen) erklommen werden.

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Auf Passhöhe

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Chinesische Touristen werden hauptsächlich an den Fluss runter gekarrt, sodass der obere Pfad, der 15 km durch die Schlucht hindurchführt, ziemlich menschenleer ist. Auch wenn man aus der Schweiz kommt und punkto Bergszenerien hohe Ansprüche hat, so vermag die Schlucht einen doch in ihren Bann zu ziehen; sie ist einfach wunderwunderschön.

Wir sind die Etappe in zwei Tagen gelaufen. Die ganze Wanderung ist perfekt durchorganisiert. Man wird per Bus zum östlichen Ende gebracht, läuft rund sieben Stunden (davon etwa drei an der prallen Mittagssonne den Hang hinauf), übernachtet in einem Weiler - die meisten Westler steigen im Halfway Guesthouse ab - und absolviert am nächsten Tag die letzten zwei Stunden Fussmarsch bis zu Tina's Guesthouse, wo das Gepäck auf einen wartet und man den Bus für die Weiterfahrt zurück nach Lijiang oder Shangri-La besteigen kann.

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Warten auf den Sonnenuntergang mit unseren "fellow trekkers".

Die Hartgesottenen machen sich am zweiten Tag nach Ankunft in Tina's auf den Weg ganz runter zum Flussbett und dem Tiger Leaping Stone. Ich habe mich mit sechs anderen zusammengetan und wir haben den etwa zweistündigen Rundgang unter die Füsse genommen. Der Rückweg ist etwas vom anstrengendsten und wohl auch gefährlichsten, was ich bislang auf Wanderwegen erlebt habe. Der Mount Fuji ist gerade ein Sonntagsspaziergang dagegen. Er dauert zwar nur eine halbe Stunde, dafür führt er praktisch senkrecht den Berg hoch. Unter anderem muss man eine etwa 50 Sprossen lange Leiter erklimmen, die in der Mauer hängt und mit rostigen Drähten irgendwie an diesem Berg befestigt ist... "Not for the faint-hearted", zitiere ich da den Lonely Planet Travel Guide.

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You'll never walk alone

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Der besagte Stein, von dem der Tiger gesprungen sein soll.

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Panorama-Aufnahme beim Flussbecken.

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Die Weiterreise führte uns nach Shangri-La, das im tibetischen Vorland auf 3200 m.ü.M. liegt. Hier ist bereits alles auf Tibetisch und Chinesisch angeschrieben und der tibetische Einfluss ist in der Architektur wie auch im Essen spürbar. Statt Rind- gab's jetzt Yakfleisch und dazu tibetschen Buttertee. Wir haben einige Leute kennen gelernt, denen es da nicht gefallen hat. Dieser Meinung können wir uns nicht anschliessen. Verantwortlich dafür, dass wir eine super Zeit da hatten, war sicher unser von einer Tibeterin und einem Belgier geführtes Guesthouse sowie die Bekanntschaft mit einem deutschen Ehepaar aus Hannover, das schon die ganze Welt bereist hat (anno 1976 mit einem Volkswagen Samba unterwegs von Deutschland bis nach Indien) und mit denen wir uns drei Tage über alle Herren Länder austauschten.

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Gebetsfähnchen flattern im Wind.

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Die Altstadt von Shangri-La.

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Ausgelöste Yakschädel trocknen an der Sonne, bevor sie zu geschmacklosen Souvenirs weiterverarbeitet werden.

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Songzanlin-Kloster.

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Decken-Mandala.

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Blick vom Dach der Hauptgebetshalle auf Shangri-La

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Das Kloster wurde streng bewacht.

Letzte Station in Yunnan war das wunderbar verschlafene Dörfchen Shaxi, wo sich nicht Fuchs und Hase, wohl aber Hühner und Kühe gute Nacht sagen. Wir hatten Glück, denn jeweils am Freitag ist Provinz-Wochenmarkt und das ganze Dorf wir kurzerhand von fliegenden Händlern heimgesucht. Kaufen kann man alles, was das Herz begehrt. Und es ist natürlich der perfekte Ort, um "local people spotting" zu betreiben. ;-)

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Frittierter Schafskäse, eine lokale Spezialität... und seeehr lecker!

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Die ältere Generation trägt meist noch traditionelle Gewänder.

Am allerletzten richtigen Tag in China organisierte das Guesthouse eine sechsstündige Wanderung ins Shinbaoshan-Gebirge, der wir uns natürlich gerne anschlossen.

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Reis wurde zum Trocknen ausgelegt.

Am nächsten Tag führte uns ein knapp 32-stündiger Monstertrip mit verschiedenen Gefährten - von Minibus über Intercity, Local und Shuttle Bus, Zug, Flugzeug und Taxi - aus der chinesischen Provinz über Kunming nach Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars. Wir blicken auf rund vier Wochen exzellentes Essen, im Allgemeinen freundliche, hilfsbereite Menschen und wunderschöne Landschaften zurück. China - wir werden dich vermissen!

Posted by birdfish 08:54 Archived in China

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Comments

Danke Bastiaan für Deinen wiederum sehr interessanten und informativen Bericht. Freue mich schon auf den nächsten :-)). Liebe Grüsse Margrit

by Margrit Vögele

Danke, nehme das Kompliment gerne entgegen, denn der Bericht geht auf meine Kappe (siehe Autor: birdfish). Er war schon lange vorgeschrieben, da aber in Burma die Internetverbindungen so schlecht waren, konnten wir die Bilder erst jetzt einfügen.

by b.visser

Warum jetzt b.visser steht, kann ich auch nicht nachvollziehen... Gruss nach Steimer, Katja

by b.visser

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