A Travellerspoint blog

Buenos Aires

Graffiti, Gräber, Grossstadtleben

sunny 24 °C

Nach so viel Eis und Einöde war wieder Grossstadtleben angesagt: Wir erkundeten die Hauptstadt Buenos Aires!

Unser Lager hatten wir mitten im Stadtzentrum aufgeschlagen in einem - im Nachhinein betrachtet - äusserst dürftigen Hostel. Dieses war wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie es eben nicht sein sollte: Kleine Zimmer ohne Tageslicht, leckende Heizung, kaum warmes Wasser, versiffte Gemeinschaftsküche, dubiose Kundschaft und Angestellte mit kleptomanischen Neigungen. Genug Gründe also, möglichst viel Zeit draussen zu verbringen, was bei den angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel ein Vergnügen war.

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Die imposante Avenida 9 de Julio, eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt.

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Die Casa Rosada, der Präsidentenpalast, an der Plaza de Mayo. Von deren Balkonen hielt Eva Perón ihre flammenden Reden zum Volk.

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Palacio del Congreso.

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Das Innere der barocken Catedral Metropolitana.

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Abseits des Microcentro, wie das Geschäftsviertel heisst, geht es beschaulicher zu und her.

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In Buenos Aires gibt es zahlreiche Pärke, die zum Flanieren und Verweilen einladen, und sogar einen japanischen Garten. Dort liessen wir uns für einen kurzen Moment an den Anfang unserer grossen Reise zurückversetzen.

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BA wartet für Kulturinteressierte mit einer Vielzahl hochrangiger Museen auf: Wir besuchten das MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) und das MAMBA (Museo de Arte Moderno de Buenos Aires), wo wir auf interessante und teilwese skurrile Kunstwerke stiessen (im Stil von: Tisch mit Geschirr, Besteck und zwei Kartoffeln).

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Plexiglas-Installation im MAMBA, die zu übermässigem Smartphone-Gebrauch anregt.

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Diese Installationen waren Teil einer Serie, die ungefähr "Zu Besuch beim Künstler" hiess.

Ein Muss für jeden Besucher ist der Friedhof im Barrio (Stadtviertel) Recoleta. Mit seinen engen Gässchen und kunstvoll gestalteten Mausoleen erinnert er ein wenig an die Friedhöfe von Paris und Mailand (auch wenn ich mich beharrlich weigere, Buenos Aires mit Paris zu vergleichen).

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Blick ins Innere einer Grabkammer.

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Ein paar verlauste Vierbeiner bringen Leben in den Friedhof - wenn sie nicht gerade Siesta machen.

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Auf dem Friedhof kann man das Grab Eva Peróns aufsuchen, der ehemaligen charismatischen First Lady Argentiniens. Noch heute pilgern viele Bewunderer an die Ruhestätte der berühmten Wohltäterin. Wer mehr üben ihr Leben und Wirken erfahren möchte, sollte unbedingt das Museo Evita aufsuchen. In einem historischen Gebäude sind viele Bilder, Videoausschnitte und Teile der eleganten Garderobe Evitas zu sehen.

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Juan und Eva Perón.

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Wem der Ohrwurm "Don't cry for me Argentina" aus dem Musical Evita gefallen hat, kann hier nochmals reinhören: Clip

Am dritten Tag unternahmen wir eine City-Tour der besonderen Art: Eine "Street Art Tour" durch die Viertel Colegiales und Palermo. Eine einheimische Journalistin zeigte uns die schrillen und fantasievollen Kunstwerke im öffentlichen Raum und erklärte uns allerlei Interessantes über das Phänomen "Street Art", das in Buenos Aires noch eine eher junge Erscheinung ist.

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Unsere fachkundige Führerin.

Unserem liebsten Antihelden aus Springfield ist eine ganze Wand gewidmet - ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Künstler.

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Unterwegs besuchten wir ein Künstleratelier.

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Im Bild rechts setzte sich ein Künstler mit der Hooligan-"Kultur" auseinander. Ein Problem, von dem auch der argentinische Fussball betroffen ist.

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Das obige Bild besteht aus Symbolen der indigenen Kulturen.

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Here's Johnny ...

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Der Rundgang endete in der ersten Street-Art-Gallerie Argentiniens.

Link zu den Anbietern der Street Art Tour (Non-Profit-Organisation)

Die Anreise zum vereinbarten Versammlungsort entpuppte sich übrigens als knifflig. Dazu mussten wir nämlich das öffentliche Bussystem von BA entschlüsseln. Und das geht so: Man kauft sich an einem Kiosk die offizielle Bus-Bibel. Auf den verschiedenen Karten der Stadtviertel schaut man nach, wo man ist und wohin man will, und überprüft anhand eines Rasters, ob an beiden Orten die gleichen Busse fahren (es gibt schätzungsweise 300 Linien). Nur, was nützt einem die Info, dass im Umkreis von vier Häuserblocks ein bestimmter Bus fährt, wenn man nicht genau weiss wo? Bushaltestellen sind zudem meist nur dezent mit Nummern an Strassenlaternen oder Bäumen markiert. Wir haben es jedenfalls nach einer Stunde Suchen aufgegeben und ein Taxi genommen. Mein Fazit: Das Bussystem in Kunming (China) hatte ich schneller und besser im Griff ...

Um dem Grossstadtrummel zwischendurch ein wenig zu entfliehen, machten wir einen Abstecher ins neue Viertel Puerto Madero, den ehemaligen Hafen von BA. Ähnlich wie die Docklands in London oder Melbourne säumen zahlreiche Cafés und Restaurants einen Kanal und ausgediente Hafenkräne stehen dort rum, wo sie tatsächlich hingehören.

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Die Fussgängerbrücke stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava, der auch den Bahnhof Stadelhofen in Zürich entworfen hat.

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Weshalb dieser Platz der ehemaligen Königin der Niederlande gewidmet ist, wurde uns nicht klar.

Nach fünf Tagen hatten wir aber auch genug vom Verkehrslärm, den vielen Leuten und den gerammelt vollen Trottoirs. Wir freuten uns auf einen kurzen Abstecher in tropische Gefilde ...

Posted by b.visser 15:00 Archived in Argentina Tagged plaza_de_mayo palermo san_telmo recoleta evita_peron colegiales Comments (3)

Von Geiern und Gletschern

Das südliche Patagonien (Argentinien)

sunny 10 °C

Die folgende Karte vergegenwärtigt noch einmal den Weg von Punta Arenas bis nach Puerto Williams, den wir mit dem Schiff zurückgelegt hatten (blaue Strecke). Chilenisches Territorium ist gelb (Festland) und rosa (Inseln) eingefärbt, argentinisches grün.

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Von da ging es dann, wie gesagt, auf einer teuren Bootsfahrt über den Beagle-Kanal. Sie war ihr Geld wohl kaum Wert, aber immerhin eine spannende Art, in ein neues Land zu gelangen.

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Mit diesem kleinen Boot sind wir quer über den Beagle-Kanal gereist.

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Ushuaia ist von imposanten Bergen umgeben.

Es war schon immer einer meiner Träume gewesen, einmal den südlichsten Ort der Welt zu besuchen. Da Ushuaia aber einfach nur besseres Marketing betreibt und der südlichste Ort Puerto Williams bzw. Puerto Toro ist, war ich nicht mehr so beeindruckt von der Stadt. Der Ort ist nett, aber auch nicht mehr. Wir begegneten so vielen Touristen wie schon lange nicht mehr - die meisten von einer Antarktis-Reise herkommend. Die Stadt selber hat man schnell erkundet. Wir liefen zu Fuss zum Gletscher Martial hoch, der über der Stadt thront und von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Beagle-Kanal hat. Beim Aufstieg schlug das Wetter aber auf einmal um: Es begann heftig zu wehen und sogar zu schneien. Deshalb mussten wir etwa 15 Minuten, bevor wir die Gletscherzunge erreicht hätten, wieder umkehren. Dennoch: Ich hatte genügend Zeit, viele Fotos zu schiessen! ;-)

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Ein Blick zurück auf den Beagle-Kanal.

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Die nächste Station war El Calafate. Die Fahrt dorthin hatte es in sich: Erst mussten wir von Ushuaia nach Rio Gallegos gelangen. Normalerweise dauert die Fahrt etwa zwölf Stunden. Da es aber auf der Strasse einen Lastwagenunfall mit zwei Toten gab, standen wir über zwei Stunden fest. Wer sich die Karte oben noch einmal anschaut, sieht, dass die Fahrt nordwärts durch chilenisches Territorium geht. Der Stau des Unfalls verlagerte sich dann an die chilenische Grenze - und die Chilenen nehmen es ja sehr genau mit der Einreise. Es dürfen ja keine Früchte oder tierischen Produkte eingeführt werden und sämtliches Gepäck wird gescannt. So verbrachten wir noch einmal etwa anderthalb Stunden am Zoll. Schliesslich kamen wir bei Dunkelheit in Rio Gallegos an; einer der schlimmeren Orte, wo wir je waren. Die Argentinier selber können auch gar nicht verstehen, dass sich so ein Moloch im schönen Patagonien befinden kann. Immerhin ging unser nächster Bus morgens um sieben, sodass wir diese unwirtliche Gegend bald wieder verlassen konnten. Nach rund 29 Stunden seit unserer Abreise in Ushuaia kamen wir endlich in El Calafate an.

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Die Landschaft Patagoniens ist oft öde, wenn man aber die Berge sieht, fühlt man sich schon fast ein bisschen wie zu Hause.

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El Calafate liegt am Lago Argentino.

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Diese Lagune mit Flamingos war unser erstes Ausflugsziel und ist von El Calafate bequem zu Fuss erreichbar.

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Der Ort verdankt seine Existenz grösstenteils der Ansammlung von Tour Operators und Hostels. Die Argentinier machen hier ebenfalls gerne Urlaub. Und warum? In der Nähe locken die Berge zum Trecken, das Highlight ist jedoch der Gletscher Perito Moreno, der sich vor der Haustür befindet. Dieser Gletscher, der sich im gleichnamigen Nationalpark befindet, der wiederum zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, wächst täglich. Wenn man genug lange wartet, kracht ein Stück davon in den Lago Argentino. Dem Gletscher beim "Kalben" zusehen zu können ist natürlich ein besonderes Erlebnis!

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Seit einiger Zeit kann man auf dem Gletscher Mini-Treckings oder einen grösseren Ausflug machen. Als ich davon hörte, war für mich klar: "Big Ice"! Diese Tour dauert einen ganzen Tag, rund vier Stunden davon spaziert man mit Steigeisen auf dem Gletscher rum. Für mich war dieser Tag einer der absoluten Höhepunkte auf unserer bisherigen Reise; wohl auch deswegen, weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Die Farben, die man in den Gletscherspalten sieht, sind einfach magisch. Im Folgenden ein paar Eindrücke, die dieser Erfahrung nur gering gerecht werden können:

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Die Guides von BigIce waren alle super!

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Ganz am Schluss auf der Rückfahrt gab's Whiskey on the Rocks - natürlich mit Gletschereis!

El Chaltén, unsere nächste Station, liegt inmitten der Bergen. Leider hatten wir nicht sehr viel Zeit, weil unser Flug von El Calafate nach Buenos Aires schon gebucht war, aber den Mount Fitz Roy zu sehen, wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Wir hatten das Glück, ihn an einem sonnenklaren Tag zu sehen, was anscheinend eher selten der Fall ist. Umso mehr genossen wir die super Aussicht von einem Aussichtspunkt oberhalb des Dorfes aus.

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Wer links sitzt im Bus von El Calafate nach El Chaltén, kann ein wunderbares Panorama bestaunen. Die "Ruta 40" quer durch Patagonien ist die schönste und berühmteste Strecke Argentiniens.

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Kondore fliegen über El Chaltén und es macht Freude, diesen Königen der Lüfte zuzuschauen. Der Andenkondor (Vultur gryphus) zählt zu den so genannten Neuweltgeiern.

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Rechts im Bild der Mount Fitz Roy, die Zacken links gehören zum Cerro Torre. Beide Berge gehören zum Campo de Hielo Sur ("südliches Eisfeld"), dem grössten Gletschergebiet der südlichen Hemisphäre nach der Antarktis.

Am zweiten Tag liefen wir rund 25 km zur Laguna de los Tres, die sich unterhalb des Gipfels befindet. Wir fuhren mit einem Sammeltaxi zum Parkplatz "Los Pilares" und liefen von dort dem Río Blanco entlang mit Sicht auf den Gletscher Piedras Blancas (drittes Bild).

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Die letzte Stunde zur Lagune hoch ist unglaublich steil. Da es ein paar Tage zuvor geschneit hatte, waren Teile des Weges verschneit und/oder vereist.

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Aber die Mühen lohnten sich alleweil bei diesem Anblick!

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Auch der Rückweg nach El Chaltén bot viele schöne Aussichten:

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Nach rund zwei Wochen im südlichen Patagonien hiess es nun endlich wieder: "Zurück in den Sommer"! Wir waren gespannt auf die Hauptstadt Argentiniens ...

Posted by birdfish 20:03 Archived in Argentina Tagged perito_moreno el_calafate ushuaia el_chalten fitz_roy beagle_kanal laguna_de_los_tres Comments (1)

Frühstück mit Walfisch

Das südliche Patagonien (Chile)

sunny 10 °C

Unsere Weiterreise brachte uns auf den südamerikanischen Kontinent. Wer von Westen her kommt, beginnt die Route meist in Santiago de Chile. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal da und wusste, dass die Stadt nicht gerade mit vielen Attraktionen lockt, deshalb begrenzte sich unser Aufenthalt auf zwei Tage. Da wir zudem auf der Osterinsel mit acht Stunden Verspätung abgeflogen waren, weil der Flughafen wegen eines schweren Unfalls mit anschliessender Evakuierung der Verletzten gesperrt wurde, verkürzte sich der Aufenthalt noch ein bisschen.

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Die Kathedrale bildet das Kernstück der Plaza de Armas, wie der Hauptplatz der meisten südamerikanischen Städte heisst.

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Das Rathaus heisst noch immer Palacio de la Moneda (Münzanstalt), weil hier früher Geld geprägt wurde.

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Dass die Südamerikaner fürs Leben gern protestieren und demonstrieren, haben wir schon am ersten Tag in Santiago bemerkt. Diese Studenten bekunden ihren Unmut über Abtreibungen.

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Das Mini-Viertel "Paris - Londres" lädt mit seinen Pflastersteinstrassen zum Verweilen - oder Reiseführer-Studieren - ein.

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Der Cerro San Cristobal, Santiagos Hausberg mit 880 m.ü.M., bietet einen schönen Überblick über die Stadt, eine 22 m hohe Statue der Jungfrau Maria inklusive.

Ein Weiterflug brachte uns in das südliche Patgonien, ein Gebiet, das von Argentinien und Chile geteilt wird. Ursprünglich war unser Plan, von da direkt mit dem Bus nach Ushuaia, in die südlichste Stadt der Welt zu fahren. Ich wurde aber auf eine Firma namens Transbordadora Austral Broom aufmerksam, die Schiffsreisen nach Puerto Williams organisiert, das noch südlicher als Ushuaia liegt. Zwischen Ankunft per Flieger in Punta Arenas und Abreise mit dem Schiff hatten wir einen Tag Zeit, die Umgebung des Ortes (übrigens mit etwas mehr als 117'000 Einwohnern die südlichste Grossstadt der Welt) zu erkunden. Wir machten eine sehr empfehlenswerte Tour, die zwar viel Busfahren beinhaltete, uns jedoch schliesslich zu einer Gruppe von etwa 80 Königspinguinen brachte.

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Punta Arenas war einst eine reiche Stadt, die im chilenischen Wollhandel aufblühte. Viele Ausländer haben sich hier niedergelassen, insbesondere Kroaten und auch viele Schweizer. Es gibt sogar einen Stadtteil "Zurich" mit einer Guillermo-Tell-Strasse! Wir fanden aber den Ort mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 6 Grad und 148 Regentagen eher unwirtlich.

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Der Friedhof zeugt heute noch vom Glanz vergangener Tage: Die Grabstätten der Schafbarone und anderer wichtiger Persönlichkeiten.

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Ein interessantes Museum in Porvenir führte uns in die Kultur der Ureinwohner, der Selk'nam, ein. Dieses Nomadenvolk kam von Asien her über die Beringstrasse auf den armerikanischen Kontinent und wanderte bis in den untersten Zipfel Südamerikas. Sie lebten hauptsächlich von Guanakos (kamelartigen wilden Tieren) und anderen Kleintieren, die sie jagten. Die Selk'nam wurden im Zuge der argentinischen Kolonialisierung von Südpatagonien ausgerottet.

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Es herrscht Weltendstimmung im Feuerland. Den Namen "Tierra del Fuego" hat übrigens Magellan geprägt, der 1520 auf einer Erkundungstour in diesen Gefilden unterwegs war. Er fand keine Siedlungen, sah aber des Nachts viele Feuer im Süden der Meerenge brennen, die von den Nomaden entfacht worden waren.

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Schafe gibt es übrigens immer noch viele. Bei denen hier heisst die nächste Station Schlachtbank, wie mir unser Guide versichert hat.

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Der Weg zu den Pinguinen führte an einer Lagune mit Flamingos vorbei.

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Die Königspinguine der Bahía Inútil sind seit neun Jahren dort angesiedelt und sind - nicht wie jene Kolonie auf der Isla Magdalena in der Nähe - das ganze Jahr über zugegen. Wir lernten, dass man erst ab der dritten Generation von einer Kolonie spricht, also dann, wenn solche Tiere, die da geboren wurden, sich wieder fortgepflanzt haben. Momentan zählt die Pinguingruppe zwei Generationen. Des Weiteren haben wir uns sagen lassen, dass die Königspinguine die schöneren Zeichnungen haben als die Kaiserpinguine, die es nur in der Antarktis gibt. Dem Treiben zuzuschauen und dem Geschnatter zuzuhören fand ich sehr eindrücklich.

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Im Dorf Cerro Sombrero war nicht gerade viel los. Auf die Schafzucht folgte die Entdeckug des schwarzen Goldes. Heute lebt die Bevölkerung hier hauptsächlich von der Petrochemie.

Am nächsten Abend hiess es einschiffen auf der Yanghan. In 30 Stunden würde uns das Schiff von Punta Arenas nach Puerto Williams bringen. Wir gönnten uns den Luxus der ersten Klasse, wo man den Sessel wirklich waagrecht legen konnte. Ich habe super geschlafen! Im Folgenden ein paar Eindrücke dieser wunderlichen Schiffsreise durch die Magellanstrasse und den Beagle-Kanal:

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Am zweiten Tag kamen Kinder schreiend durch die Kabine gerannt: "Balena! Balena!" Ich fasste sofort meine Kamera und eilte aufs Deck. Und da tummelten sich tatsächlich mindestens zwei Walfische in einer Bucht, die wir soeben passiert hatten. Das ist alles, was das Objektiv meiner Kamera rausholen konnte:

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Es gibt schlechtere Aussichten vom Klo aus!

Dann passierten wir einen der unzähligen Gletscher des Darwin-Gebirges. Dieser hier küsste den Ozean: Eine wunderbare Ansicht! Unsere Crew liess es sich nicht nehmen und zog Eis aufs Schiff, das beim Verlassen des Schiffs als - wenn auch vergängliches - Präsent an die Passagiere abgegeben wurde.

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Um Mitternacht am nächsten Tag liefen wir im Hafen von Puerto Williams ein. Das Dorf zählt 2500 Einwohner und ist ... wirklich am Ende der Welt! Das Wetter war regnerisch, kalt, und wir fanden, dass auf einmal aus dem Motto unserer Reise, Let's Summer, nun "Let's Winter" geworden war ... o_O

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Im Hafen liegen viele europäische und amerikanische Yachten, deren Besitzer hier überwintern.

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Die Einwohner leben hauptsächlich von der Fischerei.

Eigentlich wollten wir den Ort baldmöglichst wieder verlassen, denn eigentlich war unser Ziel ja Ushuaia in Argentinien und nicht Puerto Williams in Chile. Da es aber am Sonntag keinen Bootservice über den Beagle-Kanal gab, blieben wir einen Tag länger und kamen in den Genuss einer Gratis-Bootsfahrt. Einmal pro Monat bedient die Yanghan, mit der wir gekommen waren, Puerto Toro, das mit seinen 18 Einwohnern der südlichste Ort der Welt ist, wo eine zivile Bevölkerung lebt. Auf einer Wanderung um das Dorf und auf einen dahinterliegenden Hügel konnten wir die subarktische Flora geniessen.

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Die wohl südlichste Kirche der Welt.

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Vergebens hatten wir am Yachthafen in Puerto Williams nachgefragt, ob zufällig bald jemand nach Ushuaia segeln würde, denn die halbstündige Bootsfahrt mit - wohlbemerkt - einem Schlauchboot kostet 120 Franken pro Person ... Aber was will man schon machen am Ende der Welt? Es war die einzige Möglichkeit, nach Argentinien zu gelangen.

Posted by birdfish 16:50 Archived in Chile Tagged santiago cerro_san_cristobal punta_arenas puerto_williams transbordadora_austral_broom Comments (0)

Rapa Nui / Isla de Pascua (Osterinsel)

Letzte Station in Polynesien

sunny 28 °C

Für uns lag Rapa Nui, wie die Osterinsel in der Sprache der Einheimischen heisst, quasi auf dem Weg. Von Tahiti aus gibt es Flüge mit der chilenischen Fluggesellschaft LAN, die anschliessend weitergehen nach Santiago. Wir liessen uns deshalb die Gelegenheit nicht entgehen, diesen mystischen Ort inmitten des Pazifiks aufzusuchen.

Diese entlegene Insel, 3500 km von der chilenischen Küste und über 4000 km von Tahiti entfernt, gilt als eine der ausgefallensten Reisedestinationen überhaupt. Jeder kennt die Bilder der berühmten Steinskulpturen, aber nur wenige nehmen den weiten Weg dorthin auf sich. Gerade mal 65000 Touristen besuchen die Insel jedes Jahr. Politisch gehört die Osterinsel (wider Willen) zu Chile, geografisch und kulturell zu Polynesien. Das merkt man bereits an der Sprache: Besucher werden wie in Tahiti mit einem herzlichen "iorana" begrüsst.

Zu Unrecht hat Rapa Nui den Ruf, eine teure Destination zu sein (ein kürzlich erschienener Blog-Eintrag auf "Tagi"-Online hat dieses Vorurteil wieder einmal zementiert). Es gibt jedoch genügend Familienpensionen, Bed and Breakfasts und sogar Campingplätze auf der Insel, sodass auch budgetbewusste Reisende Unterschlupf finden. Wir haben uns auf einem Camping in einem Zimmer eingemietet, wo wir die Küche mitbenützen durften. In den Dorfläden kann man sich mit Lebensmitteln eindecken, wenn auch das Angebot eher dürftig ist, und die Insel kann man auf eigene Faust per Moped oder Fahrrad statt auf einer teuren Tour entdecken.

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Unser Campingplatz. Im Holzhaus hinten befanden sich die Zimmer, falls man wie wir etwas mehr Komfort wünschte. Der steinerne Campingwächter ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts.

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Vom Zeltplatz aus war es ein Katzensprung zur rauhen Küste, wo jeden Abend dramatische Sonnenuntergänge lockten.

Zunächst erkundeten wir den Haupt- bzw. einzigen Ort auf der Insel: Hanga Roa. Dort erwarteten uns bereits die ersten Moai, die kolossalen Steinstatuen, und gaben uns einen Vorgeschmack auf den Rest der Insel. In einem kleinen, aber feinen Museum kann man sich über Geschichte und Theorien zu den Moai informieren.

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Viele Touristen besuchen die Osterinsel im Rahmen einer Pazifikkreuzfahrt.

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Dieser Moai ist der einzige auf der Insel, bei dem die muschelbestückten Augen noch erhalten sind.

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Überall auf der Insel grasen Pferde.

Wenn abends in Hanga Roa die Sonne untergeht, versammeln sich sowohl Touristen wie Einheimische bei den Moai, um sie vor atemberaubender Kulisse festzuhalten.

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Unweit von Hanga Roa auf einem Vulkan liegt Orongo, ein verlassenes Dorf, das Zeremonialzwecken diente. Hier wurde der seltsame Vogelmannkult zelebriert. Die stärksten und tapfersten Männer der verschiedenen Inselclans versammelten sich hier jedes Jahr, von wo aus sie ins Meer stiegen und zu einer vorgelagerten Insel schwammen, um ein Seeschwalbenei zu suchen und heil an Land zu bringen. Unterwegs drohten vielerlei Gefahren wie steile Klippen, hungrige Haie und die rauhe Brandung. Der Gewinner durfte ein Jahr lang den ehrenvollen Titel Tangata manu, "Vogelmann", tragen und sein Clan genoss vielerlei Privilegien. Ob der Vogelmannkult den Moai-Kult abgelöst hat oder nebenher praktiziert wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde er rund 1860 von christlichen Missionaren unterbunden.

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Ziel des Wettkampfs: Das Inselchen Motu Nui.

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In diesen steinernen Rundbauten hausten die Wettkämpfer, Schiedsrichter, Priester und Angehörige während der Dauer des Wettkampfs.

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Blick in den Vulkankrater.

Mit unserem Scooter, den wir für den gesamten Verbleib auf der Insel gemietet hatten, fuhren wir in den Norden zur religiösen Stätte Ahu Akivi. Dort trafen wir auf sieben sehr gut erhaltene Moai. Anders als alle anderen Moai auf der Insel blicken diese zum Ozean; die übrigen sind landeinwärts ausgerichtet.

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Von Ahu Akivi aus kann man zu Fuss in rund 1,5 Stunden den mit 507 m.ü.M. höchsten Punkt der Insel erreichen, den "Berg" Maunga Terevaka. Von hier aus hat man einen schönen Rundumblick über die Insel.

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Die Osterinsel präsentiert sich stets in sattem Grün.

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Kleine Opferstätte auf dem Gipfel.

Der unbestrittene Höhepunkt von Rapa Nui ist Rano Raraku. Am Hang dieses Vulkans befinden sich die Steinbrüche, in denen die riesigen Moai-Statuen hergestellt wurden. Als der Moai-Kult endete (offenbar abrupt), wurden die Steinbrüche von einem Tag auf den anderen verlassen und alle Moai, ob fertig oder noch in Bearbeitung, dort zurückgelassen. Rund 400 dieser riesigen Steinfiguren kann man in allen möglichen Zuständen entdecken. Manche sind lediglich an ihren Umrissen im Felsen zu erkennen, andere waren bereit für den Transport an ihren Bestimmungsort (wie dies genau geschah, darüber streiten sich die Experten).

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Wer übrigens den Eindruck hat, die sähen alle gleich aus, der irrt! Es gibt tatsächlich feine Unterschiede im Gesichtsausdruck und in der Ausarbeitung.

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Work in progress.

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Die Osterinsel wurde immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Nicht alle Moai hielten den Erschütterungen stand.

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Man vermutet, dass die Moai Ahnenbilder der verschiedenen Clans darstellten, die verehrt wurden (ähnlich wie die Tiki auf Tahiti). Die Clans lagen sich übrigens ständig in den Haaren. Man vermutet, dass viele Moai im Rahmen von Clanfehden mutwillig umgestossen wurden. Jene Statuen, die heute aufrecht stehen, wurden erst in der Neuzeit im Rahmen von Renovationsarbeiten wieder aufgerichtet. Viele hat man liegen gelassen.

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Im Innern des Vulkankraters.

Unweit der Steinbrüche liegt die Stätte Ahu Tongariki, mit 15 Moai die grösste und eindrücklichste. Diese Anlage wurde 1960 bei einem Erdbeben und darauffolgendem Tsunami schwer beschädigt und in den 1990ern mit Hilfe von japanischen Experten wieder in Stand gesetzt.

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Das runde Gebilde, das einige Moais auf dem Kopf tragen, ist kein Hut, sondern soll einer bestimmten Haartracht nachempfunden sein, die wichtige Personen trugen. Viele sind zerbrochen oder davongerollt, als die Statuen umgestossen wurden.

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Unsere letzte Station auf unserer archäologischen Reise quer über die Osterinsel war der kleine Strand von Anakena, wo weitere fünf Moai auf uns warteten. Hinter ihren Rücken tummelten sich die Badegäste, die sich nach so viel Kultur ein erfrischendes Bad gönnten.

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Nun hiess es Abschied nehmen von der schönen, spannenden Inselwelt des Pazifiks. Ein neuer Kontinent wartete auf uns: Südamerika!

PS: Wer wie wir von den freundlich dreinblickenden Moai nicht genug bekommen kann, findet in unserer Fotogallerie (rechter Rand) die oben publizierten sowie noch viele weitere Fotos.

Posted by b.visser 05:54 Archived in Chile Tagged moai anakena rapa_nui hanga_roa isla_de_pascua orongo rano_raraku ahu_tongariki ahu_akivi Comments (2)

Französisch-Polynesien - Teil 2

Inselhüpfen in den Gesellschaftsinseln (Îles de la Société)

sunny 30 °C

Französisch-Polynesien erstreckt sich über ein riesiges Gebiet im Pazifik. Um sich ein Bild davon zu machen, empfiehlt sich folgende Karte. Als Referenz ist im Hintergrund Europa dargestellt. Tahiti ist bei Paris eingezeichnet, die Marquesas in der Ostsee.
Karte PF

Nach kurzem Aufenthalt in Pape'ete gings auch schon weiter nach Mo'orea, der Nachbarinsel Tahitis. Da unser Flug dorthin Verspätung hatte, ergab sich eine absurde Situation: Wir warteten am Flughafen eine Stunde auf einen Flug, der gerade mal zehn Minuten dauern würde. Unser Ziel konnten wir dabei von der Wartehalle aus sehen.

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Kaum waren die Sicherheitshinweise nach dem Start verklungen, hiess es bereits wieder: "Veuillez attacher votre ceinture de sécurité ...".

Mo'orea erkundeten wir auf eigene Faust mit einem Scooter. Die Insel lässt sich in wenigen Stunden umrunden, unterwegs kommt man an malerischen Buchten und schönen Badeplätzen vorbei.

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Die achteckige Kirche im Hauptort Papetoai wurde von französischen Missionaren netterweise absichtlich auf einer Zeremonialanlage der Einheimischen errichtet. Wer wagte da noch, sich dem Christentum zu widersetzen?

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Baie d'Opunohu (baie = Bucht).

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Baie de Cook. Auch in PF hat Kapitän James Cook Fuss an Land gesetzt.

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Die vielen unterschiedlichen Blautöne des Wassers haben uns immer wieder in Staunen versetzt.

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Nach so viel Sightseeing war eine Abkühlung angesagt!

Nächste Station war die Insel Huahine. Hier kam wieder einmal richtiges Backpacker-Feeling auf: Unser Bungalow war eine windschiefe Bretterbude mit direktem Meeranstoss. In der kleinen Küche konnten wir unseren eigenen Znacht kochen und so unser strapaziertes Budget ein wenig schonen.

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Jeden Abend bot sich bei Sonnenuntergang ein farbenfrohes Spektakel. Fast schon etwas kitschig ...

Ein Highlight war eine Inseltour mit dem Boot und unserem Guide, der sich als versierter Alleinunterhalter entpuppte. Mit seiner typisch polynesisch-fröhlichen Art und virtuosem Ukulelespiel hat er die gesamte Gruppe bestens unterhalten. Zum Zmittag legten wir vor einem Motu an. Motus sind die kleineren, oftmals nur spärlich oder gar nicht bewohnten Inselchen, welche die Hauptinsel umgeben. Vor paradiesischer Kulisse zeigte unser singender Kapitän, wie man die Spezialität Polynesiens, "Poisson cru" (rohen Fisch) zubereitet. Poisson cru ist eine Art Salat mit fangfrischem rohem Fisch (z.B. Thon oder Schwertfisch), Zitronensaft, frischer Kokosmilch und Gemüse.

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Dazu gab es - bien sûr! - frisches Baguette und eisgekühltes Hinano, das Bier mit der schönsten Etikette in der südlichen Hemisphäre!

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Verdauungsbad in der seichten Lagune - auch mit vollem Bauch kann man hier nicht untergehen.

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Am Nachmittag durften wir dann noch mit Haien auf Tuchfühlung gehen. Diese werden mit Ködern angelockt (die Praxis ist umstritten) und man kann sie in Ruhe und aus sicherer Entfernung unter Wasser mit Maske und Schnorchel beobachten. Es handelt sich dabei nur um die relativ kleinen "black tips", Schwarzspitzen-Riffhaie, die für den Menschen weitgehend ungefährlich sind.

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Deutlich zu sehen ist die namengebende schwarze Spitze der Rückenflosse.

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Immer wieder sonntags wird im Restaurant "Chez Tara" zur Freude von Touristen und Einheimischen ein traditionelles polynesisches Mittagsbuffet ("four polynésien") aufgetischt. Gekocht wird ähnlich wie in Neuseeland oder Fidschi in Erdöfen: Fleisch - zum Beispiel ein Spanferkel - wird mit Beilagen in einem Erdloch auf glühenden Kohlen eingebuddelt, wo die Speisen mehrere Stunden lang garen. Das Ergebnis ist Geschmackssache - mein Fall war's leider nicht.

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Schweinefleisch (oben rechts und unten), dazu Spinat und jede Menge stärkehaltiges Gemüse wie Maniok, Taro usw.

Weiter gings nach Bora Bora, der glamourösesten Insel Polynesiens. Hier möchten alle hin, hier befinden sich die Topresorts mit ihren luxuriösen Überwasserbungalows ("pilotis"), den Galadiners und High-end-Spas. Alles, was in der Hotelbranche Rang und Namen hat, ist hier vertreten: Hilton, Intercontinental, Four Seasons, Radisson usw.

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Hier werden Honeymoon-Träume wahr.

Wir haben uns aber in einer kleinen Familienpension in einem Bungalow eingemietet, um die Gutbetuchten nicht weiter zu stören. Von unseren Gastgebern, einer jungen französischen Familie mit zwei kleinen Kindern, konnten wir allerhand über das Leben auf einem Motu erfahren. Hier gilt nämlich Selbstversorgung: Das Wasser kommt vom Himmel, der Strom von der Sonne, das Gemüse aus dem Garten; auf TV, Telefon und Internet wird weitgehend verzichtet.

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Die nächsten Gäste sind bereits im Anflug.

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Unser schmuckes Fare (Polynesisch für Bungalow).

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Wer braucht bei diesem Ausblick noch einen Fernseher?

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Mont Otemanu, das Wahrzeichen Boras und beliebtes Fotosujet.

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Bora Bora lässt sich ebenfalls gut auf einem Bootsausflug erkunden. Auch dieses Mal war unser Kapitän musikalisch begabt.

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Eine beliebte Attraktion sind die vielen Rochen, die man auf Schnorcheltrips bewundern kann.

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Der Patron unserer Unterkunft war Surflehrer und hat Katja in die Kunst des Windsurfens eingeweiht - mit Erfolg, wie man sieht!

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In der Mittagshitze in der Lagune sind wir sprichwörtlich auf den Hund gekommen. Auch diesem armen Tier war es zu heiss ...

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Ohne Photoshop!

Unser letzter Halt war Maupiti, Boras kleine Schwester. Hier war wieder beschauliches Inselleben angesagt. In den wenigen Krämerläden und Pensionen herrschte gerade Nahrungsmittelknappheit, da das Versorgungsschiff, das die Insel ohnehin nur einmal pro Monat bedient, einige Tage Verspätung hatte. Hier verbrachten wir unsere letzten Tage mit Baden, Schnorcheln und Bloggen (mein Bangladesch-Beitrag entstand übrigens unter der sengenden Sonne Maupitis).

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Hier erkennt man schön das Atoll: Ein ringförmiges Korallenriff, das die Lagune um die Hauptinsel umschliesst (erkennbar am hellblauen Wasser). Das Riff bildet einen Saum von schmalen Inseln, den so genannten Motus.

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Schweisstreibendes Vergnügen: Mit dem Kajak unterwegs in der Lagune.

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Blick auf das einzige Dorf, Vaiea.

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Eine der vielen obskuren polynesischen Sportarten ist Steinestemmen (Schweizern ja nicht ganz unbekannt).
Das Exemplar im Bild unten - gemeint ist der Stein - wiegt 132 kg und es geht darum, den Brocken in Rekordzeit auf der Schulter zu platzieren. Ein Angestellter unserer Pension zeigte, wie's geht. Um die Sache noch spannender zu machen, werden die Steine an Wettkämpfen mit glitschigem Kokosöl eingeschmiert. Na dann: Bon courage!

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Ich wurde auf die Ladefläche verbannt.

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Maupiti zählt gerade mal 1200 Einwohner. Weitaus zahlreicher vertreten sind die Einsiedlerkrebse, die in leeren Schneckenhäusern leben. Auf Französisch tragen sie den charmanten Namen "Bernard l'hermite": Bernhard der Einsiedler.

Am letzten Tag war dafür richtig etwas los auf der Insel: In der Dorfschule wurde aus zwölf teilnehmenden Kindern jenes ausgewählt, welches Maupiti offiziell vertreten darf. Eine kleine Miss/Mister-Maupiti-Wahl, sozusagen.
Die Kinder mussten für den Wettbewerb in traditionellen Gewändern auf Polynesisch eine Heldensage rezitieren. Dazwischen gab es immer wieder Musik und Tanz.

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Die drei Bestplatzierten. Das Mädchen ganz links war die Gewinnerin. Sie konnte in diesem Moment ihren Sieg noch gar nicht fassen. (In der obigen Zusammenstellung ist sie unten rechts während ihres Auftrittes zu sehen.)

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Das Schlusswort hatte der Häuptling.

Zurück in Pape'ete tauschten wir die blauen Lagunen gegen einen nicht weniger schönen Infinity-Pool und bereiteten uns auf die Weiterreise nach Südamerika vor. Doch auch auf diesem neuen Kontinent sollte uns die polynesische Kultur zunächst noch erhalten bleiben ...

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Unser letztes Abendrot über Tahiti, das wir vom Rand des Swimmingpools aus genossen.

Und hier noch ein tahitianischer Gassenhauer, den unsere singenden Kapitäne im Repertoire hatten (nur Ton):
Rosalie

Posted by b.visser 16:18 Archived in French Polynesia Tagged french_polynesia moorea bora_bora huahine maupiti Comments (0)

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