A Travellerspoint blog

Quito

Auf der Grenze zwischen Nord und Süd

semi-overcast 25 °C

Nach einer langen Anreise kamen wir morgens um drei in der Hauptstadt Ecuadors an, wo wir zum Glück immer noch problemlos in unser Hostal einchecken konnten. Dieses Mal vertrauten wir auf einen Tipp unserer Weltenbummlerfreunde A. und Ch. aus E., die uns die "Casa Helbling" wärmstens empfohlen hatten. Uns wurde nicht zu viel versprochen: Das deutsch-schweizerische Management hatte selbst an die kleinsten Details gedacht, die den Aufenthalt für jeden gebeutelten Reisenden zur Erholung machen. Mein persönliches Highlight: Das Frühstück, das mit solch leckerem Brot aufwartete, dass mir nach 11 Monaten Toastbrot fast die Tränen kamen ...

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Genügend Platz zum Arbeiten gabs auch.

Quito selbst lockt mit einer wunderschönen Altstadt, die seit 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Auf einem langen Stadtspaziergang kamen wir an vielen Barockkirchen und Kolonialbauten vorbei, besuchten das Stadtmuseum und drangen bis in den Präsidentenpalast vor.

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Die neogothische Basílica del Voto Nacional.

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Im Innern der Basilika.

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Katja machte sich noch die Mühe, einen der Türme zu erklimmen.

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Quito liegt in einem engen Tal und erstreckt sich auf einer Länge von über 30 km!

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Die Plaza de la Independencia, auf der immer etwas los ist.

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Die Catedral Metropolitana.

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Von ihrem Dach aus hatte man einen schönen Ausblick über die Plaza.

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Die Kathedrale verfügt über eine eindrückliche Bibliothek.

Quito liegt gerade mal 22 km südlich des Äquators ("ecuador" = Äquator) und dieser Umstand wird natürlich gebührend vermarktet. Einen eigens dem Äquator gewidmeten Park mit verschiedenen Museen, einem Monument und unzähligen Souvenirläden kann man in einer 1,5-stündigen Busfahrt erreichen. Diese ist ein Erlebnis für sich: Nebst den vielen Fahrgästen drängen sich auch noch fliegende Händler, Bettler und Musikanten in die Busse, die ohnehin zum Bersten voll sind. Der Park "La Mitad del Mundo" (die Mitte der Welt) hat jedoch einen kleinen Haken: Allen Behauptungen zum Trotz liegt er nicht auf dem Äquator. Die Herrschaften, die 1736 die entsprechenden Messungen vorgenommen hatten, lagen rund 240 Meter daneben, wie moderne GPS-Auswertungen zeigen. Tja, es gilt das gleiche wie im Fussball: Knapp daneben ist auch vorbei.

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Im Hintergrund das Monument auf dem "falschen" Äquator, zu dem wir nicht zugelassen wurden, weil wir das falsche Ticket gelöst hatten.

In der Nähe des tatsächlichen Äquators befindet sich das kuriose “Museo Solar Inti Ñan”. Hier erfährt man Dies und Das über die Amazonas-Völker Ecuadors, wobei die zwei interessantesten Exponate zwei echte Schrumpfköpfe sind. Sie galten als Kriegstrophäen. Heute ist diese Praktik jedoch verboten. Des Weiteren werden mittels ein paar hanebüchener Experimente die wundersamen Kräfte des Äquators "demonstriert". Aber deswegen fliesst das Wasser auf der südlichen Hemisphäre immer noch nicht in die andere Richtung in den Abfluss ...

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Hier kamen wir dem Äquator schon ein wenig näher!

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Die besagten Schrumpfköpfe (links ein Faultier, rechts angeblich ein Mensch).

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Auf einer Wandmalerei wurde gezeigt, wie man Schrumpfköpfe herstellt. Don't try this at home, kids!

Im Stadtmuseum "Museo de la Ciudad" erfährt man alles über die Entwicklung Quitos von der Gründung durch die Spanier bis zur Moderne. Das Museum ist in einem ehemaligen Spital aus dem 16. Jahrhundert untergebracht, ein weiteres koloniales Schmuckstück.

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Nicht entgehen liessen wir uns den Besuch des Präsidentenpalastes, um zu sehen, wo in Ecuador Politik gemacht wird. Gezeigt wurden uns vor allem Konferenz- und Empfangsräume. Der Präsident hatte frei, da Sonntag war.

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Sitzungszimmer und Bankettsaal.

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Da Muttertag war, bekamen alle Señoras und Señoritas Blumen geschenkt (mit besten Wünschen der Steuerzahler).

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Der Palast wird natürich streng bewacht!

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Ecuador ist einer der weltweist grössten Rosenproduzenten, was im Palast gerne zur Schau gestellt wurde.

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Unterwegs in den Strassen und Gässchen.

Nach vier Tagen verliessen wir Quito für eine Woche und tauschten die Abgase gegen eine frische Meeresbrise: Die Galapagos-Inseln warteten auf uns!

P.s.: Wer in den Neunzigern jung war und die Charts mitverfolgt hat, kann sich vielleicht noch an diesen Dance-Knaller erinnern:

Posted by b.visser 17:26 Archived in Ecuador Tagged quito mitatad_del_mundo Comments (3)

Von der Stadt des Friedens zum grössten See Südamerikas

La Paz, Copacabana und der Lago Titicaca

sunny 15 °C

In der 1.4-Millionen-Metropole Nuestra Señora de La Paz (wörtlich: unsere liebe Frau des Friedens) kreuzten sich die Wege, die ich auf anderen Reisen schon genommen hatte, wieder einmal mit meinen jetzigen. Vor fünf Jahren hatten meine Cousine und ich diesem Moloch schon einmal einen Besuch abgestattet, der mir beim zweiten Mal besser gefiel, obwohl ich noch immer finde, dass es in Südamerika weitaus schönere Städte gibt.

Der Flug von Santa Cruz in die Hauptstadt geht als einer der spektakulärsten Flüge unserer Reise in die Geschichte ein. Die letzten zehn Minuten sind Action-geladen. Zuerst passiert die Maschine ganz nah den 6438 m hohen Illimani, den Beschützerberg von La Paz, danach setzt sie in vollem Karacho auf der 4061 m.ü.M. gelegenen Piste des Aeropuerto Internacional El Alto, dem höchstgelegenen internationalen Flughafen der Welt, auf. (Wegen der dünnen Luft sind die Flugzeuge auf dieser Höhe schneller unterwegs als anderswo.) Und dann geht alles nur noch in Zeitlupentempo vor sich. Springt normalerweise die Hälfte der Passagiere sofort von den Sitzen auf, sobald das "Fasten Seatbelt Sign" auslöscht, bleiben auf diesem Flug erst alle sitzen. Vereinzelt rappeln sich dann die ersten Passagiere auf, aber Stille herrscht im Flieger: Jeder spürt die dünne Luft und das duselige Gefühl im Kopf.

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Zum Greifen nah: der Illimani.

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La Paz wird überflogen; im Hintergrund der Altiplano auf rund 4100 m.ü.M., die Hochebene, die sich bis nach Peru erstreckt.

Wir hatten ein Bed & Breakfast (B&B) gebucht, das sich aber als ausgebucht herausstellte, und so wurden wir an einen eher ungewöhnlichen Ort verfrachtet: in den 12. Stock eines Hochhauses, in downtown La Paz (im Stadtteil Sopocachi) und nicht etwa im "Backpacker Heaven" beim Hexenmarkt. Wir bezogen ein Zimmer in einer Wohnung, und damit doch etwas B&B-Feeling aufkam, waren zwei sehr nette Studenten rund um die Uhr vor Ort und schauten, dass es uns an nichts mangelte.

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Der Hausberg Illimani vom Mirador (Aussichtspunkt) Kili Kili aus gesehen.

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Die Stadt erstreckt sich über eine gewaltige Distanz. Dies ist nur eine Fraktion davon.

Unser erster Gang führte uns ins Herz der Stadt. Auf der Plaza Murillo befinden sich die wichtigsten Gebäude:

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Die Catedral Metropolitana.

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Der Präsidentenpalast.

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Taubenfüttern ist eine beliebte Beschäftigung auf der Plaza Murillo. Die Vögel ihrerseits haben keine Berührungsängste.

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Die Basílica de San Francisco mit der gleichnamigen Plaza markiert das südliche Ende der Backpacker-Meile.

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Auf dem Hexenmarkt wurde früher allerlei magischer Klimbim feilgeboten. Heute ist der Markt grösstenteils zu einer Shoppingstrasse für Gringos mutiert. In ihren Ausläufern lassen sich aber noch ein paar Kuriositäten wie diese Lama-Föten (Mitte) finden, die für rituelle Zwecke noch stets Abnehmer finden.

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Diese farbigen Gefährte des öffentlichen Transportwesens pflügen sich durch den Verkehr.

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Das Stadtbild La Paz' wird wie alle bolivianischen Städte von seinen indigenen Bewohnerinnen geprägt. Ich habe mich immer gefragt, wie diese Hüte auf dem Kopf festsitzen. Anscheinend werden sie ausbalanciert, denn sie scheinen nicht im Haar festgemacht zu werden.

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Auch Ausländer haben sich in La Paz niedergelassen und wir konnten natürlich von einem holländischen Zmittag nicht absehen ;-)

Nach drei Nächten zogen wir per Bus weiter zur letzten Station Boliviens: Copacabana. Das kleine Städtchen liegt direkt am Titicaca-See. Vor fünf Jahren war es bereits schon ziemlich touristisch, aber jetzt herrscht richtig Trubel da. Man hat das Gefühl, dass sämtliche Besucher des Machu Picchu noch schnell hier rüberkommen (Cuzco liegt eine Tagesreise entfernt), um zu chillen. Ausserdem muss es irgendwie eine direkte Verbindung zwischen der Khao San Road in Bangkok und dem Örtchen geben, denn die Dreadlock-Dichte ist relativ hoch. Was im Lonely-Planet-Jargon "budget traveller crashpad" heisst, trägt leider nicht unbedingt zu einem nachhaltigen Tourismus bei: Nirgends in Bolivien gibt es so viele schlechte Restaurants. Wir haben uns fünf Tage lang durch sämtliche Restaurants gegessen und können gerade mal drei empfehlen: La Orilla (leider oft geschlossen und sehr klein), La Cupula (professionell und gut, aber am oberen Ende der Preisskala) sowie Km 0 (für Drinks und schnelles Essen). Alle anderen Beizen bieten entweder gar keinen Service (Bedienung taucht nie auf), einen schlechten Service (die Hälfte oder auch gleich die ganze Bestellung geht vergessen und/oder es dauert eine Ewigkeit, bis das Essen auf den Tisch kommt) oder wirklich ungeniessbares Essen.

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Immer gut: das Cuy (Meerschweinchen)!

Aber schliessslich waren wir ja auch nicht (nur) wegen des Essens da. Den See, der fast wie ein Meer anmutet, fand ich auch beim zweiten Mal beeindruckend schön.

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Über den Dächern von Copacabana auf dem heiligen Hügel Cerro Calvario.

Die Kathedrale ist der Heiligen Jungfrau von Copacabana gewidmet und ist ein Pilgerort für Christen der Region. Ein besonderer Brauch ist es, neue Fahrzeuge, die eigens für die Zeremonie geschmückt werden, von einem Priester segnen zu lassen und dann mit Champagner zu begiessen. Günstiger als eine Fahrzeugversicherung, wie unser Reiseführer schreibt.

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Der Rest des Champagners wird natürlich nicht weggeschüttet (siehe rechts im Bild).

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"Copacabana begrüsst dich ...": Bald schon kommt Papst Franziskus nach Südamerika und Copacabana steht natürlich auf seiner "bucket list"!

Leider war das Wetter genau am Tag unseres grossen Ausflugs auf die Isla del Sol alles andere als prächtig. Die Inkas glaubten, dass die Sonne auf der Insel geboren wurde: Während unseres Besuchs zeigte sie sich leider kein einziges Mal, stattdessen regnete es...

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Der Konsum von Coca-Blättern ist in Bolivien übrigens legal. Und auch ich führte immer ein Säcklein mit, um am Morgen Tee davon zuzubereiten.

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Bolivien hat seit einiger Zeit zwei offizielle Flaggen. Rechts die Staatsflagge und links die Flagge der indigenen Andenvölker, auch Wiphala genannt. (Eigentlich wollten wir uns einmal mit unseren Backpacks ablichten lassen, aber das hat nur bedingt geklappt...)

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Nach fünf Tagen hiess es Abschied nehmen vom Titicaca-See und Bolivien. In der Mitte des Hintergrunds der Huayna Potosi (6088 m) mit weisser Haube, den ich eigentlich gerne noch bestiegen hätte, wenn die Zeit gereicht hätte.

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Von La Paz El Alto ging es mit Zwischenstopp in Lima, Peru, in die Hauptstadt Ecuadors: Gemächlich schiebt sich der Flieger auf die Reisehöhe hoch.

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Auf dem Weg in den Norden überflogen wir den Titicaca-See.

Posted by birdfish 16:00 Archived in Bolivia Tagged titicaca la_paz copcabana Comments (2)

Farnwälder und Freiheitshelden

Samaipata und der Amboró-Nationalpark

rain 20 °C

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Santa Cruz verliessen wir per Sammeltaxi. Auch hier gilt, wie in Asien, "leave when full". Wenn man den günstigsten Preis für das Taxi bezahlen möchte, wartet man, bis alle Plätze (in der Regel vier bis sieben, je nach Grösse des Fahrzeugs) vergeben sind. Wir hatten jedoch einen flauen Nachmittag erwischt und nach einer Stunde Wartens sind wir mit lediglich einer deutschen Mitreisenden zum Maximalpreis aufgebrochen. Diesen konnten wir allerdings gerade noch verkraften, da Bolivien ein verhältnismässig günstiges Reiseland ist.

Unser Ziel war Samaipata, ein verschlafenes Dörfchen, das besonders bei Backpackern beliebt ist. In der Regel bedeutet das: Es hat günstige Unterkünfte, genug Verpflegungsmöglichkeiten und "easy" Leute, mit denen man sich übers Reisen austauschen kann. Wir wurden nicht enttäuscht. Das Örtchen wirkte wie ein verschlafenes Kaff aus einem Western. Nur das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen, Dauerregen war angesagt. Dies sollte uns jedoch nicht davon abhalten, die Umgebung zu erkunden.

In der Nähe befinden sich Inka-Ruinen, deren Besuch sich durchaus lohnt. Machu Picchu in Peru können sie natürlich niemals das Wasser reichen, aber sie zählen zu den wichtigsten noch erhaltenen Inka-Stätten in Südamerika. Eine zweistündige Wanderung brachte uns anschliessend wieder zurück ins Dorf.

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Überblick über die Inka-Ruine Fuerte de Samaipata. In die grosse Felsfläche sind zahlreiche Linien, Kanäle, Figuren und Tierdarstellungen eingemeisselt. Aber auch bei genauerem Hinsehen waren diese kaum mehr zu erkennen. Die Ruine diente offenbar einst Zeremonialzwecken.

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Von den einstigen Bauten sind nur noch die Grundmauern erhalten.

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In diesen Nischen waren einst die Leichname der Ahnen aufgebahrt, so vermutet man.

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Schon bald zog dichter Nebel auf und wir mussten uns auf unserem Rundgang beeilen.

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist der Amboró-Nationalpark. Dort lädt ein Farnwald zum Entdecken ein. Auf einem rund sechsstündigen, teilweise sehr anstrengenden Treck geht es tief in den Urwald hinein, wo man meterhohe und hunderte Jahre alte Farnbäume bestaunen kann. Diese kannten wir bereits von Neuseeland, einem der der wenigen weiteren Orte, wo diese Gewächse überhaupt anzutreffen sind. Und so stapften wir stundenlang durch knöcheltiefen Schlamm, kletterten über glitschige Wurzeln und Baumstämme und landeten immer wieder mal auf dem Hosenboden. Die Anstrengung hatte sich gelohnt, der Märchenwald war schlichtweg bezaubernd!

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Nicht umsonst nennt man diese Art von Wald "Nebelwald".

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Wenn man vor lauter Farne den Wald nicht mehr sieht ...

Am nächsten Tag taten wir uns mit einem holländischen Paar zusammen, um einen Wasserfall in der Nähe aufzusuchen. In unserem Hostal wurde uns empfohlen, einen gewissen "Benjamin", einen lokalen Führer, zu engagieren, da die Wanderung dorthin alleine nicht einfach zu bewältigen sei. Nach kurzem Herumfragen hatten wir Benjamin gefunden: Ein schätzungsweise achtzigjähriges, nahezu zahnloses Väterchen in Trainerhose, Turnschuhen und mit einer Machete bewaffnet. Und wir? Ausgerüstet mit Trekking-Schuhen, Trekking-Hosen, Regenschutz, Daypacks usw. Wir kamen uns leicht "overdressed" vor ...

Ein weiteres Mal ging es über Stock und Stein, Benjamin gab dabei den Takt an. Obwohl das Wetter wiederum ziemlich garstig war, wurden wir mit spektakulären Aussichten belohnt.

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Der alte Mann kennt den Weg ...

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Das Ziel unserer Wanderung:

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Die letzten Stunden des Comandante
Samaipata ist zudem der Ausgangsort für eine ganz besondere Pilgerreise: den Che-Guevara-Trail. Auf dieser Tour erfährt man alles über die letzten Stunden im Leben des legendären Revolutionsführers, der in Bolivien sein trauriges Ende fand.

In unserem Hostel hatten wir uns spontan mit ein paar weiteren Interessierten zusammengetan, nämlich einer Australierin, zwei jungen deutschen Mädels (die Küken der Gruppe), einer weiteren Deutschen und einem Franzosen. Zusammen charterten wir ein Taxi ins etwa zwei Stunden entfernte Vallegrande, von wo man die verschiedenen Orte aufsuchen kann, an denen sich die letzten Momente im Leben des Che abspielten. Da es Sonntag war und man nach unserer Ankunft nicht mehr viel unternehmen konnte, beschlossen wir, den Nachmittag mit ein paar Flaschen Wein auf dem Dorfplatz ausklingen zu lassen - zur Belustigung der lokalen Bevölkerung natürlich :)

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Mit einem professionellen Guide ging es am nächsten Tag um 7 Uhr los. Zunächst wurden wir zum lokalen Flugplatz geführt, wo ein Mausoleum zu Ehren Guevaras errichtet wurde. Hier nämlich hatte man ihn nach seiner Tötung am 9. Oktober 1967 heimlich verscharrt, damit keine Pilgerstätte für seine Bewunderer entstehen konnte. Erst Ende der Neunzigerjahre lüftete ein ehemaliger Militär gegenüber einem amerikanischen Journalisten das Geheimnis. Der Leichnam Ernestos wurde darauf exhumiert und nach Santa Clara in Kuba überführt, wo er offiziell beigesetzt wurde. Im Mausoleum in Vallegrande wird heute Che Guevaras und seiner Weg- und Revolutionsgefährten gedacht.

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Nächster Halt war ein kleines Dorf, La Higuera, von wo aus ein steiler Weg in ein Tal hinab zu der Stelle führt, wo das bolivianische Militär Che und seine Guerilleros am 8. Oktober 1967 aufgeschnappt und gefangen genommen hatte. Den Tipp bekamen die Militärs von einem Bauern, der die Guerillakämpfer in der Nacht beobachtete. Che hatte damals seine politischen Ämter in Kuba abgelegt, um von Bolivien aus eine erneute Revolution zu starten.

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Seite an Seite mit unserem kundigen Guide.

Nach seiner Verhaftung wurde Guevara ins Dorf gebracht, gefangen gehalten und verhört, bis von der Regierung (auf Druck des Militärs) entschieden wurde, wie es mit dem meistgesuchten Gefangenen weiterging. Es wurde nicht lange gefackelt und bereits am nächsten Tag wurde er (ohne Prozess) exekutiert.
Heute steht La Higuera ganz im Zeichen des Comandante. Ein Mini-Museum, einige Standbilder und unzählige Wandbilder erinnern an den Freiheitshelden mit Kultstatus.

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Nach seiner Ermordung wurde Che Guevara nach Vallegrande gebracht, wo er in einem Hintergebäude des örtlichen Spitals aufgebahrt wurde, damit sich die Öffentlichkeit vom Tod des Guerillaführers überzeugen konnte. Die Bilder davon gingen um die Welt. Auch diesen Ort konnten wir besichtigen, dazu mussten wir lediglich hinter das Spital gehen, was kein Problem war, da ohnehin alle Türen und Tore offenstanden.

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Der Leichnam wird der internationalen Presse vorgeführt (Quelle: La Repubblica).

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Derselbe Raum heute.

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Unser Grüppchen genoss diesen Tag in vollen Zügen, da wir so ein Stückchen südamerikanische Zeitgeschichte hautnah nachempfinden konnten.

Tags darauf ging es schnurstracks zurück nach Santa Cruz, wo wir uns nochmals eine vorzügliche Pizza gönnten. An Bord eines Flugzeugs nahmen wir anschliessend Kurs auf La Paz, die eigentliche Hauptstadt Boliviens.

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Auf der Rückfahrt von La Higuera nach Vallegrande.

Posted by b.visser 21:13 Archived in Bolivia Tagged amboro samaipata che_guevara la_higuera vallegrande Comments (1)

Sucre und Santa Cruz

Ruhige Tage in der "Hauptstadt" Boliviens

sunny 25 °C

In Sucre angekommen, nisteten wir uns für ein paar Tage in einem gemütlichen Bed & Breakfast ein, das von einem freundlichen Belgier geführt wurde. Gute Gelegenheit also, wieder einmal mit jemandem auf Holländisch zu plaudern. In dieser gemütlichen Herberge erholten wir uns von den Anstrengungen in Potosí; Sucre liegt nämlich "nur" auf 2800 m.ü.M., was das Atmen wieder erleichterte.

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Unser Gastgeber hat an alles gedacht, Erfrischung inklusive.

In Sucre nutzten wir wieder einmal die Zeit, unsere Travel-Angelegenheiten zu erledigen: Fotochips sichern, Wäsche waschen, Hosen flicken lassen, Paket aufgeben, bloggen usw. Da wir am Wochenende da waren, lagen Museumsbesuche ohnehin nur eingeschränkt drin. Dazu kam noch, dass genau dann ein Autorennen stattfand, bei dem eine Etappe durch die Innenstadt führte, sodass viele Strassen abgesperrt waren. Man muss dazu sagen, das Sucre nicht gerade Monte Carlo ist - sowohl platz- als auch sicherheitsmässig.

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Blick auf die Altstadt vom hoch gelegenen Viertel Recoleta aus.

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Convento de Recoleta.

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Abstieg ins Stadtzentrum.

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Auf dem Dach der Iglesia de la Merced.

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Blick auf die Kirche San Felipe de Neri gegenüber, die leider geschlossen war.

Sucre bezeichnet sich selbst als "La Capital", die Hauptstadt Boliviens. In der Tat ist sie die konstitutionelle Hauptstadt des Landes, hier wurde auch die Unabhängigkeit Boliviens ausgerufen. Der Regierungssitz befindet sich allerdings in La Paz, das gemeinhin als Landeshauptstadt bekannt ist.

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Plaza 25 de Mayo mit Blick auf die Kathedrale.

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Im Innern der Catedral Metropolitana.

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Der Oberste Gerichtshof Boliviens.

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Immer wieder stösst man in Sucre auf pittoreske Gässchen.

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Diese Boliden machten am Wochenende die Innenstadt unsicher.

Da wir in unserem Hostal die (piekfeine!) Küche benützen durften, bot sich ein Einkaufsbummel auf dem Markt an. Dort wird alles feilgeboten, was das kulinarische Herz begehrt (oder eben nicht ...):

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Da ich für Kuhschnauzen kein geeignetes Rezept zur Hand hatte, haben wir uns halt doch für Poulet entschieden.

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Das Ergebnis haben wir uns im Esszimmer schmecken lassen, das wir für uns alleine hatten.

Santa Cruz
Nach ein paar Tagen flogen wir bequem per Flugzeug weiter nach Santa Cruz de la Sierra, der grössten und wirtschaftlich bedeutendsten Stadt Boliviens. Mit an Bord waren einige der Rennfahrer, die mit ihren riesigen Pokalen die Fächer fürs Handgepäck belegten.
Die Metropole überwältigt mehr mit ihrer Grösse als mit ihrem Charme und wir beschlossen, nicht allzu viel Zeit hier zu verlieren. Nicht entgehen liessen wir uns allerdings einen Besuch in der angeblich besten Pizzeria der Stadt und wir wurden nicht enttäuscht.

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Die Plaza Principal mit der Catedral de Santa Cruz.

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Wiederum ein schönes Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum.

Am besten gefallen hat uns in Santa Cruz unser gefiederter Mitbewohner Simon. Gemeint ist nicht etwa Freiheitsheld Simon Bolívar, sondern der handzahme Tukan, der im Garten unseres Hostals hauste. Andere Leute fahren in den Urwald, um diese besonderen Vögel zu beobachten, wir konnten dies vom Frühstückstisch aus tun. Manchmal war er jedoch nicht so guter Laune, sodass man um seine Zehen und Finger fürchten musste.

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Toucans in their nests agree
Guinness is good for you
Try some today and see
What one or toucan do

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Simon hatte auch ein Gspänli, Manuela, das aber weitaus weniger zutraulich war.

Nach zwei Tagen flohen wir aber bereits nach Samaipata, einem beschaulichen Backpacker-Dörfchen am Rande des Amboró-Nationalparks. Dort würden wir uns wieder auf die Spuren Ernestos begeben - mehr dazu im nächsten Beitrag ...

Posted by b.visser 16:22 Archived in Bolivia Tagged santa_cruz sucre Comments (1)

Bei den Teufelskumpeln vom Silberberg

Unter Tage in Potosí

sunny 20 °C

Nach unserem Ausflug in die Salzwüste sind wir auf über 4000 m.ü.M. in die Silberstadt Potosí geklettert. Diese hübsche Kolonialstadt war einst die Schatzkammer des spanischen Reiches. Hier wurde seit Anfang des 16. Jahrhunderts Silber gefördert - die schwere Arbeit verrichteten dabei die geknechteten Einheimischen sowie teilweise auch importierte Sklaven. Die spanischen Kolonisatoren holten riesige Edelmetallmengen aus der Mine, die sie in die ganze Welt verschifften. Potosí war die Hauptquelle des spanischen Silbers und ein bedeutender Standort der Münzprägung.

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Gässchen mit Blick auf den Hausberg Cerro Rico.

Die Minen von Potosí befinden sich im nahe gelegen Berg Cerro Rico ("reicher Berg") und sind heute noch in Betrieb. Die Arbeitsumstände haben sich in den letzten 500 Jahren jedoch kaum verbessert. Die Kumpels sind giftigem Staub ausgesetzt, der sie im Alter von gerade mal 45 Jahren an einer Staublunge sterben lässt. Ihre Arbeitsgeräte bestehen lediglich aus Dynamitstangen und Presslufthammer. Es gibt keine Bewetterung (Frischluftzufuhr), Beleuchtung, Aborte oder Fluchtstollen. Um den Gang zur Toilette zu vermeiden, verzichten die Kumpels den ganzen Tag aufs Essen und kauen stattdessen Coca-Blätter, die den Appetit hemmen und aufputschend wirken.
Man sagt, rund 8 Millionen (!) Bergleute hätten in den Minen schon ihr Leben gelassen. Die Indígenas, die Einheimischen, nennen den Cerro Rico deshalb auch "den Berg, der Menschen frisst".

Wer das nicht glauben mag, kann sich auf einer geführten Tour durch die Minen vor Ort selbst einen Eindruck verschaffen. Diese Touren sind heute eine wichtige Einnahmequelle für die Minenkooperativen, denn von der Silber-, Zinn- und Bleiförderung alleine können die Mineros, die Kumpels, und ihre Familien kaum noch leben.

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Blick vom Cerro Rico auf die Stadt.

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Vor den Minen ruhen sich die Kumpels aus, die gerade nicht Schicht schieben.

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Ein frisch geleerter Förderwagen auf dem Weg in den Stollen.

Und so haben auch wir uns in einen Overall und Gummistiefel geschmissen, einen Helm aufgesetzt und uns auf den Weg zum Cerro Rico gemacht. Bevor wir in die Mine einfuhren, haben wir uns auf dem Mercado de Mineros mit Coca-Blättern, Dynamitstangen und Singani, einem lokalen Schnaps, eingedeckt. Diese dienen als Geschenke für die Kumpels, denen wir unterwegs in den Stollen begegnen würden.

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Links hinter mir der knapp mannshohe Eingang zur Mine.

Nachdem wir in die Mine eingefahren waren, galt es zunächst, den "Tío" zu besänftigen. Dabei handelt es sich um eine teufelartige Gottheit, welche die Spanier erfanden, um die Einheimischen einzuschüchtern und zur Arbeit anzuspornen. Noch heute bieten die bolivianischen Mineros dem Tío Opfergaben (Coca-Blätter, Zigarretten, Schnaps usw.) dar und hoffen dabei, von Unglücken verschont zu bleiben. Obschon katholischen Glaubens meinen die Mineros nämlich, die Macht Gottes reiche nicht bis in den Berg hinein. Unser Guide betete natürlich für das Wohlergehen seiner Turistas. Na dann, "glückauf"!

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Anschliessend erkundeten wir in rund zwei Stunden einen kleinen Teil der Mine. Unter durchgebrochenen Stützbalken gingen wir geduckt durch niedrige Stollen, krochen auf allen Vieren durch enge Durchgänge, kletterten auf maroden Holzleitern schmale Schächte hinab und zwängten uns immer wieder an Förderwagen vorbei. Unterwegs trafen wir die Bergmänner an, die uns über ihre Knochenarbeit Auskunft gaben. Als wir in deren staubige Gesichter blickten, verstanden wir, weshalb sie den ganzen Tag an der Singani-Flasche nippen. Sie machen einen Höllenjob, der anders nicht auszuhalten ist ...

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Ein Minero (hinten) macht sich bereit für die Arbeit im Bohrschacht.

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Dynamit wird für die nächste Sprengung bereitgemacht.

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Ich durfte den Sprengstoff mal kurz halten, das Scharfmachen überliess ich aber dem Sprengmeister. Man beachte übrigens den hochwertigen Atemschutz, den wir erhielten.

Die hohen Temperaturen, die stickige Luft, der Staub, die Dunkelheit und die klaustrophobische Enge unter Tage machten mir mehr zu schaffen, als ich erwartet hatte. Am liebsten wäre ich gleich wieder umgekehrt, aber dann hätte unsere ganze Gruppe die Tour meinetwegen abbrechen müssen. Am Schluss war ich jedenfalls heilfroh, als wir endlich wieder Tageslicht erblickten!

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Nicht allen wars so schmauchlig zumute wie mir! Links unser Guide, die Pausbacken voller Coca-Blätter (was nicht gerade zu einer deutlichen Aussprache beigetragen hat ... ;) ).

Wer mehr über den harten Alltag der Mineros von Potosí erfahren möchte, dem empfehle ich den Dokumentarfilm "The Devil's Miner". Er erzählt die bewegende Geschichte des Waisenjungen Basilio, der mit 14 Jahren in den Minen arbeitet, um seine Familie zu ernähren.

Trailer zum Film:




Vom Silber zum Geld
Wie es mit dem geförderten Silber aus dem Cerro Rico weiterging, erfährt man während eines Besuchs der Casa Real de la Moneda, der königlichen Münzanstalt. Hier wird erklärkt, wie die spanische Krone Münzen prägte und damit das gesamte Kolonialreich und die Heimat versorgte. Man versteht plötzlich, weshalb Potosí einst reicher und prunkvoller war als Paris oder London.

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Fassade und Innenhof der Moneda.

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Mit dieser durch Esel angetriebenen Maschinerie wurden die Silberbarren gewalzt.

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Später wurden die Esel von Dampfmaschinen abgelöst. Oben rechts sieht man die Antriebsriemen.

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Interessante Anekdote zum Prägestempel der Münzanstalt (unten links im Bild): Der Stempel setzt sich aus den vier Buchstaben P, T, S und I (Poto) zusammen. Später vielen das P und das T weg, sodass man ein durchgestrichenes S erhielt - das uns bekannte Dollarzeichen, das ursprünglich das Zeichen für sämtliche in Südamerika verwendeten Pesos war. So lautete jedenfalls die Version unseres Guides ... ;)

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Nebst Münzen wurde das Silber auch dazu verwendet, allerlei Kunstgegenstände herzustellen.

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Ebenfalls zu bestaunen war ein kunstvoll verzierter Sekretär, wie sie von begabten einheimischen Handwerkern auf Anweisung der Jesuiten angefertigt wurden.

Ein freundlicher Fremdenführer zeigte uns anschliessend noch einige schöne Ecken und Gässchen in der Stadt.

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Dass es in Potosí auch ausgelassen zu- und hergehen kann, bewiesen immer wieder die vorbeiziehenden Marschkapellen, die vom lautstarken Gedonnere von Feuerwerk und Dynamit (!) begleitet werden.

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Das prunkvoll verzierte Tor der Iglesia de San Lorenzo.

Ein Besuch im Convento de San Francisco:

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Blick vom Dach auf die Kathedrale von Potosí und den Cerro Rico.

Vor unserer Abreise besuchten wir noch den Convento de Santa Teresa, ein Karmelitinnenkloster, das immer noch von einer Handvoll Nonnen bewohnt wird.

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Blick in Küche und Speisesaal. In letzterem heisst es: "Memento mori!". Man sieht es auf dem Bild kaum, aber vor dem Tisch in der Mitte erinnert ein Totenschädel daran, dass irdisches Leben vergänglich ist. Na dann, guten Appetit!

In einem Sammeltaxi, das wir uns mit einem Schweizer Reisekollegen teilten, machten wir uns schliesslich auf den Weg nach Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens. Dort hofften wir, endlich wieder einmal richtig durchatmen zu können - Sightseeing auf 4000 m ist nämlich sehr, sehr anstrengend.

P.s.: Wo wir schon beim Thema Bergbau sind: Hier noch ein Country-Klassiker der Bergmannstochter Loretta Lynn.

"Coal miner's daughter"

Posted by b.visser 18:22 Archived in Bolivia Tagged potosí cerro_rico the_devil's_miner casa_de_la_moneda convento_de_santa_teresa convento_de_san_francisco Comments (2)

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