A Travellerspoint blog

Sonne, Strand und Wasserschaden

Cartagena und Karibikküste

sunny 33 °C

Nach unseren Streifzügen durch den Grossstadtdschungel Medellíns war es Zeit, ein Weilchen die Füsse in den Sand zu stecken. Kolumbien rühmt sich ja, an die Karibik zu grenzen, und da bot sich ein Abstecher an die Küste im Norden geradezu an. Mit der Billigairline VivaColombia (die Stimmung an Bord war etwa wie bei EasyJet nach Mallorca) gings rauf nach Santa Marta, dem Ausgangspunkt für Ausflüge, an die Karibikküste.

Zunächst quartierten wir uns in Taganga ein, einem kleinen Fischerdorf, das besonders bei Backpackern beliebt ist. Der Ort selber war mit seinen abgewrackten Backsteinhütten mit Wellblechdächern wenig einladend und die Tatsache, dass nach Einbruch der Dunkelheit nur noch wenige Strassen für Touristen sicher sind, stimmte auch nicht zuversichtlich. Das Ziel der meisten Besucher ist aber ohnehin der Tayrona-Nationalpark, der mit seinen palmengesäumten Stränden und dichtem Regenwald lockt. Dank simpler Übernachtungsmöglichkeiten (Zelt oder Hängematte im Freien) kann man sogar mehrere Tage dort verbringen. So hatten auch wir vor, erst am nächsten Tag zurückzukehren. Doch es kam anders ...

In Taganga entschieden wir uns, statt per Bus mit einem Motorboot zum Park zu fahren, denn Böötlifahren macht bekanntlich Spass. Ausser wenn der Kapitän mit seinem Fiberglasboliden mit gefühlten 80 Knoten quer durch die Wellen hindurchbrettert, so dass man erstens ein Schleudertrauma davonträgt und zweitens bis auf die Unterhosen klatschnass wird. Bilanz dieser Überfahrt: Ein Hut (Souvenir aus Neuseeland) ging flöten, ein iPhone ist unwiederbringlich abgesoffen in der Hosentasche*, eine Hose ist beim Aussteigen zerrissen und mein Reisegspäänli war eineinhalb Stunden lang seekrank. Ein kleines Mädchen an Bord war derart verängstigt, dass es wohl sein Leben lang nicht mehr in ein Boot steigen wird. Es herrschte also Superstimmung für die anschliessende Wanderung!

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Unser Ärger wurde zum Glück durch schöne Aussichten gemildert.

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Leider hat man es im Nationalpark versäumt, die Campingplätze deutlich auszuschildern. Und so kam es, dass wir nach rund drei Stunden Fussmarsch auf der Suche nach einer Bleibe bereits wieder am Ende des Trecks angelangt waren. Gegessen hatten wir den ganzen Tag auch noch nichts, sodass wir genervt beschlossen, den nächsten Bus zurück ins Dorf zu nehmen und diesen Tag als gescheitert abzutun. Gekrönt wurde er noch durch einen besserwisserischen Busfahrer, der uns eine Stunde zu spät aussteigen liess, sowie den lausigen Service im Hostel-Restaurant, wo wir eine Ewigkeit auf unser mittelmässiges Essen warten durften. Reisen kann manchmal ganz schön anstrengend sein ...

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Wir gaben die Hoffnung auf ein paar schöne Tage an der Küste jedoch noch nicht auf und zogen weiter ostwärts nach Palomino, ein noch verschlafeneres Örtchen, wo man sich in einer Handvoll Pensionen beim Kokosnüssezählen erholen kann. Abends herrscht bescheidener Barbetrieb - um elf ist bereits Zapfenstreich - und der (traurige) Höhepunkt war das Spiel Kolumbien - Argentinien im Fernsehen, bei dem Kolumbien sich nach einem nervenaufreibenden Penalty-Schiessen aus dem Turnier verabschiedete.

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Unser Fazit: Karibikidylle wie auf Kuba oder den Antillen darf man in Kolumbien nicht erwarten, aber der Abstecher in den Norden lohnt sich alleweil. Das rauhe Meer ist aber nichts für ungeübte Schwimmer! Lagunendümpler wie ich bleiben besser an Land ...

Cartagena
"The undisputed queen of the Caribbean coast" nennt unser schlaues Buch Cartagena de Indias, wie die Stadt offiziell heisst. Sie gilt als eine der schönsten Kolonialstädte des gesamten Kontinents und tatsächlich: Es ist schwer, nicht dem Charme dieser bunten, pittoresken Stadt zu verfallen. Stundenlang kann man in den schmalen Strassen flanieren, die von farbigen Häusern mit ihren typischen Holzbalkonen gesäumt sind. Die Altstadt mit ihren Kopfsteinpflasterstrassen und unzähligen Bauten im andalusischen Stil zählt zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Interessant zu wissen für Freunde des "schlagfertigen" Humors: In und um Cartagena wurden Teile des Filmklassikers "Banana Joe" mit Bud Spencer gedreht.

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Blick auf die Kathedrale - ein beliebtes Sujet für Postkarten.

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Die Plaza de la Aduana (Zollplatz) mit einer Statue Christoph Kolumbus'.

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Wir gebens gerne zu: Die Idee für dieses Fotosujet stammt nicht von uns :)

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Die Stadt war durch ihre Befestigungsanlagen und Stadtmauern stets gut geschützt. Immer wieder versuchten Piraten, Freibeuter und andere Angreifer (u.a. die Engländer), die Stadt einzunehmen, was ihnen jedoch nie richtig gelang. Dank ihrer Standhaftigkeit nennt man sie auch "La Heróica".

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Iglesia y Convento San Pedro Claver.

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Im Innern und im lauschigen Klostergarten.

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In diesem Kloster lebte und wirkte der Jesuitenpater Pedro Claver, der sich ein Leben lang als Arzt für das Wohlergehen der aus Afrika verschleppten Sklaven eingesetzt hatte. Cartagena war nämlich eine wichtige Drehscheibe für den Sklavenhandel in der Karibik.

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Im Palacio de la Inquisición kann man die schauerlichen Folterwerkzeuge bestaunen, mit denen die spanische Inquisition ihre Opfer (meist Frauen mit spanischer Herkunft) zu Bekenntnissen zwang und der Ketzerei schuldig sprach.

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Nach ein paar Tagen und einigen Kilometern zu Fuss unter der sengenden Karibiksonne setzten wir uns wieder bequem ins Flugzeug mit Kurs auf Bogotá, die Hauptstadt Kolumbiens.

(*) In Galapagos hatten wir gehört, dass man Geräte mit Wasserschaden in Reis legen soll, um ihnen die Feuchtigkeit zu entziehen. Unserer Erfahrung nach funktioniert dieser Trick so gut wie der bekannte Silberlöffel in der Schampusflasche: Effekt = nada.

Posted by b.visser 13:41 Archived in Colombia Tagged cartagena tayrona taganga palomino

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